«Er ist ein sehr aggressiver Mensch»

Die Ex-Frau des angeklagten Türken musste mitansehen, wie er ihren Vater erschoss. Vor Gericht stellt er sich als verantwortungsvoller Familienvater dar.

Kurz glücklich: Nach der Hochzeit begann die Gewalt gegen die Frau.

Kurz glücklich: Nach der Hochzeit begann die Gewalt gegen die Frau.

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Am Morgen des Eröffnungstages im Mordfall Kannenfeldquartier (BaZ berichtete) hatte der angeschuldigte 31-jährige Türke E. B. das Wort. Er schilderte die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und seiner damaligen Frau als wenig problematisch. Es habe zwar Meinungsunterschiede gegeben, manchmal auch lauten Streit, aber handgreiflich will er nie geworden sein. Ebenfalls widersprach er der Darstellung der Staatsanwaltschaft, er habe seine Frau kontrolliert und unter Druck gesetzt.

Er stellte sich als verantwortungsvollen Familienvater dar, der sieben Tage in der Woche zwölf oder mehr Stunden arbeitete und dem Familie und die gemeinsame Tochter das Wichtigste waren. Die Frau hingegen sagte, er habe sehr wenig gearbeitet und sei fast nie in der Bäckerei gewesen, die er offiziell betrieben habe.

Pistole immer bei sich geführt

Wenn alles so unproblematisch gewesen ist, warum musste seine Frau vor ihm ins Frauenhaus flüchten?, wollte Strafgerichts-Statthalter Dominik Kiener (EVP) wissen. Das habe ihr die Schwiegermutter eingeredet, sagte der Beschuldigte. Eine wirklich schlüssige Erklärung dafür aber, warum die Schwiegermutter das getan haben sollte, konnte der Mann nicht nennen.

Dass die Frau sich von ihm hatte trennen wollen, habe ihn zwar anfänglich gestört, aber schliesslich habe er es akzeptiert. Den Umstand, warum E. B. am 9. Dezember 2012 mit der Pistole bei der getrennt lebenden Frau aufgetaucht sei, spielte der Beschuldigte herunter. Er habe schon seit fünf Jahren immer eine Pistole dabeigehabt, angeblich wegen einer Blutfehde in der Türkei. Die Tat vorsätzlich durchgeführt zu haben, stritt der Beschuldigte ab.

Die Schilderungen der Frau klangen ganz anders. Sie nannte den Mann «krankhaft eifersüchtig» und von einem «Kontrollwahn» dominiert. Er habe über jeden Schritt von ihr informiert sein wollen. Er habe am Arbeitsplatz angerufen, um sie zu kontrollieren. Er habe ihr vorgeschrieben, was für Kleider sie tragen oder in welche Richtung sie im Restaurant blicken durfte. Und er habe sie immer wieder bedroht und ihr auch Gewalt zugefügt.

«Einmal schlug er meinen Kopf mehrfach an die Wand. Mir wurde schwindlig. Meine Nase blutete. Ich hatte Todesangst.» Auch im Wald habe er sie einmal zusammengeschlagen. Sie flüchtete aber erst ins Frauenhaus, als er die damals zehn Monate alte Tochter wie von Sinnen angeschrien hatte und heftig schütteln wollte. «Ich hatte Angst um das Kind. Er sagte, wenn sie mal nicht macht, was er wolle, hacke er ihr den Kopf ab.»

Eine Ladehemmung rettete ihr Leben

Das Gericht wird prüfen müssen, wie weit neben dem aggressiven Wesen noch ein weiterer Umstand zur Tat hatte führen können: Aufgrund der Trennung von seiner Frau musste der Beschuldigte fürchten, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlieren. Und er hatte schon so viel getan, um im Land bleiben zu dürfen – er war illegal ins Land gekommen, hatte missbräuchlich einen Asyl­antrag gestellt, mehrfach gegen das Aufenthaltsrecht verstossen und war eine Ehe mit einer türkischen Frau eingegangen, die sich später wegen Gewalt von ihm getrennt hatte. Kurz vor der Tat hatte sich die Migrationsbehörde nach dem Stand seiner Ehe erkundigt.

Als E. B. an jenem Abend an der Tür klingelte, um der Familie «ein Geschenk» vorbeizubringen, steckte eine Pistole in seinem Hosenbund. Mit der Waffe schoss er zuerst auf die Ex-Frau, traf aber ihren Vater, der sich schützend vor sie gestellt hatte. Dann wollte er die Schwiegermutter mit gezielten Schüssen in die Brust töten, doch die Pistole hatte Ladehemmung.

Der Prozess dauert noch bis am Freitag, dann wird das Urteil eröffnet. Dem Mann drohen bis zu 20 Jahre Haft. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.09.2014, 10:28 Uhr

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