Euphorieermöglicher wirkt in Basel

Frank Lemloh will als Geschäftsführer des Stellwerks die Kreativwirtschaft verständlicher machen.

Einer, der motivieren kann. Frank Lemloh verwirklicht sich und seine Ideen seit Anfang Jahr im Stellwerk.

Einer, der motivieren kann. Frank Lemloh verwirklicht sich und seine Ideen seit Anfang Jahr im Stellwerk. Bild: Eleni Kougionis

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Frank Lemloh ist kein Theoretiker. Er ist ein Macher. Durch und durch. Als Lemloh im Januar seine Stelle als neuer Geschäftsführer des Stellwerks Basel angetreten hat, ist ihm als Erstes der Eingangsbereich aufgefallen: «Den gestalten wir neu. Man sieht zu wenig, dass es sich hier um ein Kreativwirtschaftliches Gründerzentrum handelt.» Für den 41-jährigen Deutschen ist das eine Frage der Kommunikation. Schliesslich hat sich das Stellwerk zum Ziel gesetzt, nach aussen hin stärker wahrgenommen zu werden. Und das fängt beim Eingangsbereich an.

Diese Aussenwahrnehmung war nach der Eröffnung des Stellwerks im Dezember 2010 auf der Strecke geblieben. Zwar waren die Ateliers schnell von jungen Kreativen belebt, das Buffet erfreute sich grosser Beliebtheit und auch das Dampfbad wurde bekannter. Was genau das kreativwirtschaftliche Gründerzentrum tut, wusste aber kaum ein naher oder ferner Nachbar im St. Johann, geschweige denn im Rest der Stadt. Deshalb wurde das bisherige Führungsteam im Januar von Frank Lemloh abgelöst. Einem Mann, von dem sich der Trägerverein Stellwerk Bewegung verspricht.

Dass dieser Mann etwas zum Laufen bringen kann, das glaubt man sofort. Er strahlt Motivation aus; Lemloh scheint regelrecht für die Kreativwirtschaft zu brennen. Die taz hat ihn einmal einen « Euphorieermöglicher» genannt und lag damit wohl gar nicht so falsch. Denn seine Begeisterung springt tatsächlich sofort auf jeden Gesprächspartner über.

Lehre, Studium, Selbstständigkeit

Dabei ist Lemloh mehr in die Kreativwirtschaft hineingerutscht, als sich zielstrebig darauf zuzubewegen. Am Anfang stand eine ganz normale kaufmännische Lehre – «vor 20 Jahren war es in Deutschland noch normal, nach dem Abitur erst mal eine normale Ausbildung zu machen». Danach folgte ein Studium der angewandten Kulturwissenschaften, das schnell zur Nebensache wurde.

«Eigentlich darf man gar nicht sagen, wie lange ich studiert habe», sagt Lemloh. «Das sehe ich aber nicht so eng, wichtig ist, dass man abschliesst.» Das hat er am Schluss ja auch. Nach 28 Semestern. 14 Jahre, während denen er neben der Ausbildung bei Universal Music arbeitete, Lobbyarbeit für die Musikwirtschaft betrieb, ein Unternehmen gründete, ein zweites anstiess und schliesslich, weil er aus der Musikwirtschaft rauswollte, als regionaler Ansprechpartner des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes anheuerte und dort als Ansprechpartner für alle Kreativschaffenden dreier deutscher Bundesländer fungierte.

Fahrräder, wohin das Auge schaut

Bei einer solch abwechslungsreichen Vita könnte man meinen, der Umzug nach Basel sei aus karrieretechnischen Gründen erfolgt. Aber es war die Liebe. «Meine Freundin lebt hier, und so habe ich mich entschieden, nach 20 Jahren Hamburg mal was Neues zu machen.» Neu ist der Dialekt, den er nach vier Monaten problemlos versteht; und die Stadt, die in mancherlei Hinsicht locker mit Hamburg mithalten könne – man schaue sich nur die Fondation Beyeler an. Und dann wären da noch die Parkhäuser für Fahrräder. In Münster, wo Lemloh aufgewachsen ist, gibt es zwar auch eines. Glaubt man Lemlohs Schilderungen, muss es in Münster aber auch mehr Fahrräder geben als in jeder anderen Stadt der Welt.

Was dagegen geblieben ist, ist der Spagat, den Lemloh jeden Tag von Neuem machen muss. Zwischen den «wilden Künstlern» und der Wirtschaft, die so anders denkt als die Kreativen. «In meinem Job ist man ein Dolmetscher. Es ist eine Welt der Sprachen.» Jeden Tag überlege er sich erneut, wie man am besten im kreativen Umfeld kommuniziert und wie mit den Wirtschaftsakteuren. «Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich beide Sprachen perfekt beherrsche», sagt Lemloh. Aber wer tut das, wenn nicht er, der quasi sein Leben lang einen Fuss in der Kultur und den anderen in der Wirtschaft hatte. Diese «Mehrsprachigkeit» schaffe Vertrauen bei den einzelnen Beteiligten. Das sei auch nötig: «Ich möchte die Akteure in diesem Haus erfolgreich machen, denn nur so ist auch das Haus erfolgreich.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.05.2013, 10:21 Uhr

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