Extremismusberatung hat alle Hände voll zu tun

Die Basler Fachstelle Fexx.ch erhält nach dem Anschlag in Paris viele Anfragen von verunsicherten Bürgern. Für erhöhte Alarmbereitschaft sorgt zudem der korankritische Satiriker Andreas Thiel, der im Tabourettli gastiert.

Provokante Ansichten zum Koran: Satiriker Andreas Thiel gastiert dieser Tage mit seinem Programm «Politsatire 4 – Macht» im Basler Tabourettli.

Provokante Ansichten zum Koran: Satiriker Andreas Thiel gastiert dieser Tage mit seinem Programm «Politsatire 4 – Macht» im Basler Tabourettli. Bild: Keystone

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Samuel Althof, Leiter der Fachstelle Extremismus- und Gewaltprävention Fexx.ch, hat zurzeit viel Arbeit. «Ich bekomme vermehrt Telefonate und berate Familien persönlich», sagt er. Seit dem Anschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion in Paris sei die Befindlichkeit bei Muslimen und Nicht-Muslimen in Basel angespannter. «Darunter sind Familien mit Migrationshintergrund, die aus einem säkularen Umfeld stammen. Jetzt sind sie verunsichert, weil sich ihre Kinder vertieft für den Islam interessieren», sagt Althof.

Dabei sei es für diese Eltern schwer abzuschätzen, ob sich die Jugendlichen radikalisieren oder ob sie unter dem Eindruck der Anschläge verstärkte Angst verspüren. «Ich versuche, im Gespräch diesen Gefühlen auf den Grund zu gehen und differenziert zu helfen.» Es gebe aber auch Bewohner aus dem Umfeld von Moscheen, die verunsichert sind.

Schweiz als potenzielles Ziel

Dass die Schweiz nicht unbedingt ein sicherer Hafen ist, zeigt der Lagebericht 2014 des Nachrichtendienstes des Bundes. Darin warnen die Sicherheits­spezialisten, dass auch in der Schweiz politische Aussagen oder Entscheide, die die muslimische Gesellschaft objektiv oder subjektiv beeinträchtigen, Reaktionen oder sogar Gewalttaten hervorrufen können.

Seit dem Jahr 2001 hat der Nachrichtendienst rund 40 Muslime aus der Schweiz ermittelt, die in Konfliktregionen reisten. Und es gebe auch hier jihadistische, international agierende Akteure und Netzwerke. Zunehmen würde auch die Radikalisierung von Einzelpersonen, bei der das Internet eine zentrale Rolle spielt. Dort waren in den vergangenen zwei Jahren über 100 Nutzer aktiv, die islamistisches oder jihadistisches Material mit zum Teil starkem Gewaltbezug verbreiteten.

Polizei ist alarmiert

Die Sicherheitslage werde laufend beurteilt, lässt das Basler Sicherheits­departement auf Anfrage verlauten. Die Kantonspolizei würde dabei eng mit den entsprechenden Stellen des Bundes zusammenarbeiten und wo nötig entsprechende Massnahmen ergreifen. Aus polizeitaktischen Gründen kommentiere man allerdings nicht, wie man das mache. Man setze jedoch alles daran, die Sicherheit der Basler Bevölkerung zu gewährleisten.

Die basel-städtische Koordinatorin für Religionsfragen, Lilo Roost Vischer, sagt, dass man in Basel auf eine langjährige und erfolgreiche Integrationspolitik baue. Die Stadt sei auch nicht mit den Pariser Banlieues zu vergleichen, da in Basel die soziale, religiöse und kulturelle Durchmischung viel grösser sei und man ein breiteres Angebot an Förderungs- und Unterstützungsmassnahmen habe. Sie betont, dass sich am Runden Tisch Religionsgemeinschaften bilden, die eine rasche Konfliktbewältigung ermöglichen. Diese hätten sich auch aktiv an der Kampagne «Basel zeigt Haltung» beteiligt.

Korankritiker Thiel reiste an

Gestern war die Situation in Basel allerdings noch etwas angespannter als in den Tagen zuvor. Der korankritische Satiriker Andreas Thiel reiste an, um sein Stück «Politsatire 4 – Macht» im Tabourettli aufzuführen, das noch bis und mit Samstag zu sehen ist. «Wir ­stehen mit den Veranstaltern in Kontakt», sagte Andreas Knuchel, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheits­departements. Auch die Israelitische Gemeinde Basel will nicht verraten, ob und wie sie die Sicherheitsvorkehrungen erhöht hat. Bei der Israelitischen Religions­gesellschaft Basel hat man die Sicherheitslage schon vor einem halben Jahr überprüft und erhöht. Aufgrund der Ereignisse in Paris müsse man nun nichts weiter unternehmen.

Die Basler Muslimkommission verurteilt den Anschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion in Paris aufs Schärfste. «Wir sehen darin sowohl einen abgrundtiefen Verfall aller Massstäbe der Menschlichkeit und der Vernunft, als auch einen Widerspruch zu den Lehren aller Offenbarungsreligionen», schreibt Serhad Karatekin auf der Homepage. Wer solche Verbrechen dulde, gutheisse oder gar decke, mache sich der Mittäterschaft schuldig, heisst es weiter. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.01.2015, 13:44 Uhr

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