Fassadenbauer auf dem Roche-Turm streiken

Ein polnisches Sub-Unternehmen betreibt beim Bau des Roche-Turms massives Lohndumping. Jetzt legen die Betroffenen ihre Arbeit nieder.

Sorge um Lohn: Piotr Lewandowski hat bei den Arbeiten am Roche-Turm (Hintergrund) zu wenig verdient.

Sorge um Lohn: Piotr Lewandowski hat bei den Arbeiten am Roche-Turm (Hintergrund) zu wenig verdient. Bild: Aissa Tripodi

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Piotr Lewandowski, ein Pole, der bis zu 60 Stunden pro Woche an der Fassade des Roche-Turms gearbeitet hat, erhebt schwere Vorwürfe: Er und weitere rund 30 Arbeiter wurden von der Firma Pako-Al in die Schweiz geholt, damit sie an der Fassade des Roche-Turms arbeiten. Der Vertrag sah 15 Franken Stundenlohn vor, 12 Franken netto wurden ausbezahlt. Der schweizerische Gesamtarbeitsvertrag im Baugewerbe schreibt 26.15 Franken vor.

«Das System ist typisch. Man holt Leute aus dem Ausland, die in einer Notlage sind», sagte Christa Suter, Leiterin Vollzug von der Unia, an der gestrigen Medienorientierung. Doch häufig stehe einer auf und weise auf den Betrug hin. Das war Piotr Lewandowski, 32 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Im April habe eine Kontrolle stattgefunden. Da musste er auf Druck des Arbeitgebers sagen, er verdiene 26.15 Franken pro Stunde. Seine Lohnabrechnung belegt, dass er rund 7300 Zloty pro Monat ausbezahlt bekam. Das sind umgerechnet rund 2100 Franken. Als er den Betrug realisierte, habe er sich entschlossen, zur Unia zu gehen.

Falsche Lohnangaben?

Lewandowski und seine Kollegen arbeiten seit vergangenem August an der Fassade des Towers. Die Roche vergab die Arbeiten an die deutsche Firma Josef Gartner GmbH. Diese gab sie weiter an das polnische Sub-Unternehmen Pako-Al aus Danzig. Seit der Personenfreizügigkeit überprüft die Baustellenkontrolle Basel zwar regelmässig grössere Arbeitsorte. Doch die Kontrollen beim Roche-Turm vom 11. April brachten keine Unstimmigkeiten ans Licht. Auf der Arbeitsbewilligung, abgesegnet vom Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), stand ein korrekter Lohn von 26.15 Franken pro Stunde.

«Wir weisen die Firmen, die bei uns um Arbeitsbewilligungen für ihre Mitarbeiter nachsuchen, jeweils darauf hin, welche Löhne bei uns gelten», sagt Antonina Stoll vom AWA. Das habe man auch im Fall der Firma Pako-Al getan. Falls tatsächlich Löhne angegeben worden seien, die gar nie ausbezahlt wurden, so habe diese Firma ein Problem. «Falls es sich bewahrheiten sollte, können wir im Rahmen des Sanktionsverfahrens eine Arbeitssperre verhängen», sagt Stoll. Aus Erfahrung könne sie jedoch sagen, dass Roche beim Bau des Turmes sehr verantwortungsbewusst handle.

«Setzen uns mit allen Mitteln ein»

Christa Suter von der Unia bezeichnete den Vorfall als grössten Lohndumpingfall der Schweiz. Jeder Arbeiter würde monatlich zwischen 5000 und 6000 Franken zu wenig Lohn beziehen. «Total fehlen also deutlich über eine Million Franken.» Gestern Abend habe ein erstes Gespräch mit der Roche stattgefunden, sagte Hansueli Scheidegger, Co-Leiter Unia Nordwestschweiz. Weil es bis anhin bei Lippenbekenntnissen der Roche geblieben sei, habe die Unia beschlossen, die Arbeiten einzustellen. Bis die Lohnnachzahlungen gesichert sind, dürfe an der Fassade nicht gearbeitet werden.

Roche zeigte sich auf Anfrage der BaZ allerdings kompromissbereit. «Wir haben gestern Vormittag zum ersten Mal davon gehört», sagte gestern Mediensprecherin Ulrike Engels. «Roche hat grosses Interesse daran, dass alle an unseren Bauprojekten beteiligten Firmen geltende Tarifverträge und gesetzliche Bestimmungen einhalten.» Die Firma setze sich mit allen Mitteln für die Aufklärung der von der Unia erhobenen Vorwürfe ein. Schon bei den Arbeiten am Messebau vor knapp zwei Jahren haben Arbeiter vergeblich auf den ihnen zustehenden Lohn gewartet. Dieser Betrug an den schuftenden Männern hat den National- und Ständerat veranlasst, die Solidarhaftung einzuführen. Damit können nicht nur fehlbare Sub-Unternehmer zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch ihre Auftraggeber. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.07.2014, 07:28 Uhr

Umfrage

Polnische Arbeiter auf der Roche-Turm-Baustelle wurden von einem Sub-Unternehmer unter dem Lohnminimum bezahlt. Soll die Roche den Arbeitern die Differenz ausbezahlen?

Ja

 
63.3%

Nein

 
36.7%

929 Stimmen


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