Géant Casino profitiert vom 3er-Tram

Das Grosseinkaufszentrum in Saint-Louis registriert an Wochenenden bis zu 50 Prozent Schweizer Kunden.

Ganz nah. Zwischen Tramhaltestelle und Eingang zum Géant Casino liegen keine hundert Meter. Grenztouristen kommen oft mit Koffern einkaufen.

Ganz nah. Zwischen Tramhaltestelle und Eingang zum Géant Casino liegen keine hundert Meter. Grenztouristen kommen oft mit Koffern einkaufen. Bild: Mischa Hauswirth

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch nie war es so einfach, zum Géant Casino zu gelangen. Brauchte es früher ein Auto oder zumindest ein Velo, um nach Saint-Louis zu fahren, genügt es jetzt, ins 3er-Tram einzusteigen – die Haltestellen liegen gleich neben dem elsässischen Shoppingcenter.

Schon seit Jahren sind auf dem Géant-Casino-Parkplatz viele Schweizer Autokennzeichen aus unterschiedlichen Kantonen zu sehen. Nun lassen sich auch Trambenutzer beobachten, die mit grossen Taschen oder gar Koffern vom Einkaufen kommen. Christophe Peruzzo, Direktor des Géant Casino in Saint-Louis, verzeichnet denn auch einen «starken Anstieg an Schweizer Kunden», wie er auf Anfrage sagt. «Rund 30 Prozent unserer Kunden kommen aus der Schweiz.» An Wochenenden gehe der Anteil sogar Richtung 50 Prozent. Von wo genau in der Schweiz die Kunden kommen, weiss Peruzzo nicht. «Die Erhebungen, die wir an den Kassen über die Herkunft der Kunden machen, lassen keine detaillierteren Schlüsse zu.»

Ob der Kundengewinn eine direkte Folge der Tramlinie 3 sei, kann Peruzzo nicht sagen; aber er vermutet einen Einfluss. «Alle Menschen, die in Quartieren entlang der Tramlinie 3 wohnen, egal ob in Frankreich oder in der Schweiz, kommen jetzt einfacher zu uns», sagt er. Das komme dem Einkaufszentrum zugute, das schon länger auf Qualitätsprodukte setzt, damit die Schweizer Kunden zufrieden sind.

Zwei Drittel sind Grenzfahrten

Etwas über ein Jahr ist vergangen, seit am 9. Dezember 2017 der Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) im ersten Tram nach Saint-Louis fuhr. Mit dabei bei diesem rollenden und für die Basler Verkehrspolitik historischen Grenzübertritt waren auch Medienschaffende und die ersten Passagiere. Für Einkaufstouristen werde dieses Tram kein Magnet sein, hiess es damals von den Behörden und vor allem von linken Politikern. Gedacht sei diese Tramverlängerung für Pendler aus dem Elsass, die nun bequemer in die Stadt Basel fahren könnten und deshalb das Auto vor Ort stehen lassen würden.

Jetzt, Ende 2018, melden die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) eine zunehmende Beliebtheit der 3er-Linie, auch auf dem französischen Streckenteil zwischen der Grenze Burgfelderhof und dem Gare de Saint-Louis. «Die BVB rechnet für das ganze Jahr mit 500'000 bis 600'000 zusätzlichen Einsteigern auf dem verlängerten Abschnitt der Tramlinie 3», sagt BVB-Sprecher Benjamin Schmid auf Anfrage. Zwei Drittel zusätzliche Passagiere fahren in einer der beiden Richtungen über die Grenze, also zwischen 166 000 und 200'000; ein Drittel der Fahrten sind von Passagieren, welche das Tram innerhalb von Frankreich benutzen. «Diese Zahl von Grenzübertritten ist etwas mehr als erwartet», sagt Schmid. Doch handelt es sich bei den grenzüberschreitenden Fahrten um Einkaufstouristen oder Pendler? «Mit welchem Hintergrund diese Fahrten gemacht werden, haben wir bisher nicht erhoben», sagt Schmid.

Furcht der Gewerbetreibenden

Vor Inbetriebnahme der 3er-Linie zwischen Burgfelderhof und Gare de Saint-Louis hatten die Gewerbetreibenden Kritik geäussert. Es bestand die Furcht, mit dem Tram würde ein weiterer Direktkorridor zu ausländischen Supermärkten geöffnet – mit schlimmen Folgen für den Basler Detailhandel. Als Negativ-Beispiel führten die Kritiker die Entwicklungen in Deutschland an. Dort profitiert der Detailhandel spürbar von der im Jahr 2014 verlängerten 8er-Tramlinie nach Weil am Rhein. Insbesondere das Einkaufszentrum gleich an der Tramlinie in Weil am Rhein wird seither viel von Schweizer Einkaufstouristen besucht. Weil Schweizer Kunden für die deutschen Detailhändler sehr attraktiv sind, planen Investoren unweit der 8er-Linie nun ein weiteres Einkaufszentrum (BaZ berichtete).

Auch bei der 8er-Linie waren hinter dem Bau andere Absichten gestanden. Die Politik wollte einen Anreiz schaffen, damit Autopendler bereits vor der Stadt umsteigen können und deshalb nicht bis in die Stadt fahren müssen, wo sie das Stau- und Parkplatzproblem nur verschärfen. In Frankreich jedoch, so prognostizierten die Befürworter der 3er-Verlängerung, würde es zu keinem signifikanten Anstieg von Einkaufstouristen kommen. Einerseits, weil deutsche Produkte vielen Deutschschweizern geläufiger sind als französische, andererseits, weil in Frankreich die Mehrwertsteuer erst ab einem Betrag von 175 Euro zurückerstattet wird und das Prozedere komplizierter ist als in Deutschland.

Zu hohe Preise für Grenzgänger

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der spürbaren Zunahme von Tramfahrten mit Grenzübertritt nicht nur um Grenzgänger, sondern um Einkaufstouristen handelt, ist hoch. Ein paar von der BaZ befragte Frontaliers berichten, dass das Tram im Vergleich zum Zug oder Auto nach wie vor wenig attraktiv sei, da die Reise vom Gare de Saint-Louis nach Basel zu lange dauert – gerade in den Osten und Südosten der Stadt – und die Billettpreise zu hoch seien.

Eine Fahrt von Saint-Louis nach Basel zum Barfüsserplatz kostet mit Bus oder Tram 2.60 Euro. Ein grenzüberschreitendes Billett, das sogenannte Ticket unité, kostet 4 Euro. Damit kann von Saint-Louis bis nach Muttenz oder Münchenstein gefahren werden. «Generell ist das Halbtax im grenzüberschreitenden Verkehr nicht gültig», sagt Adrian Brodbeck, Geschäftsführer TNW Tarifverbund Nordwestschweiz. «Die Anwendung des mit Deutschland etablierten Einzeltickets Triregio, das einen speziellen Halbtax-Tarif hat, konnte mit Frankreich noch nicht etabliert werden.» Der Tarif-Inflex sei mit 3.10 Franken aber so oder so preiswerter, sagt Brodbeck.

Umfrage

Dank des 3er-Trams profitiert das Géant Casino in Saint-Louis. Hat 3er-Tram negative Auswirkung auf Basler Detailhandel

Ja

 
66.3%

Nein

 
33.7%

1343 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 31.12.2018, 07:34 Uhr

Artikel zum Thema

Das rollende Ärgernis

Wer mit dem 8er-Tram unterwegs ist, muss viel Geduld aufbringen. Die BVB schneiden im Vergleich zu Verkehrsbetrieben anderer Schweizer Städte schlecht ab. Mehr...

Spatenstich für Tramverlängerung nach Saint-Louis

Jetzt wird auch in Basel an der Verlängerung der Tramlinie 3 nach Saint-Louis (F) gebaut – dort waren Bagger schon im April aufgefahren. Ab Ende 2017 sollen Trams über die Grenze fahren. Mehr...

Paid Post

Frauen wetteifern um Sex-Dates!

Casual-Dating ist ein Spiel. Zumindest für Simone und ihre Freundinnen, die gegenseitig um Sex-Dates wetteifern. Ihre Spielwiese: die grösste Erotik-Plattform der Schweiz.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zyklon Idai: Ein Mädchen beobachtet sichtlich geschockt, wie Menschen aus der Stadt Buzi in Mosambik nach ihrer Rettung am Hafen in Beira an Land gehen. (22. März 2019)
(Bild: Andrew Renneisen/Getty Images) Mehr...