Glückliche Baselbieter Wirte

Die Öffnungszeiten für Restaurants während der Fussball-WM werden ausserhalb von Basel-Stadt liberal ausgelegt.

Strenge Auflagen. Nicht alle Bars dürfen in Basel sämtliche Spiele der WM in Russland zeigen. Im Bild die Fussballbar Didi Offensiv am Erasmusplatz.

Strenge Auflagen. Nicht alle Bars dürfen in Basel sämtliche Spiele der WM in Russland zeigen. Im Bild die Fussballbar Didi Offensiv am Erasmusplatz. Bild: Dominik Plüss

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Die Behörden im Kanton Basel-Stadt verrennen sich in ihrem Bewilligungsdschungel. Zwar spricht das Bau- und Gastgewerbeinspektorat (BGI) in einer Medienmitteilung grosszügig davon, dass in Restaurants die Fussball-WM «gebührend gefeiert» werden könne. Doch bei den Bewilligungen bezüglich den Öffnungszeiten für die Bars und Restaurants in der Stadt zeigt sich das BGI kleinlich. So gelten für professionelle Gastrobetriebe sowohl drinnen als auch im Freien die vom BGI bewilligten Öffnungszeiten. Mit anderen Worten: In einem Hinterhof, der gemäss Betriebsbewilligung bis um 20 Uhr geöffnet haben darf, kann der Wirt die um diese Uhrzeit angepfiffenen Spiele nicht zeigen. Oder eine Bar wie die Birreria BBB an der Oetlingerstrasse im Kleinbasel darf am Sonntag für das Spiel Schweiz–Brasilien oder für den WM-Final seine Türen gar nicht erst öffnen (BaZ von gestern). Die Birreria BBB hat für den Sonntag keine Betriebsbewilligung vom BGI erhalten.

Bereits im benachbarten Baselbiet gehen die Behörden kulanter mit den Bewilligungsnehmern in der Gastronomie um. Wie die Sicherheitsdirektion in einer Medienmitteilung im April ausführte, würden die Öffnungszeiten der Gastgewerbebetriebe an WM-Spieltagen angepasst. Für die Restaurants inklusive Vereinswirtschaften wie auch alle mit der WM in Zusammenhang stehenden Gelegenheitswirtschaften hat die Sicherheitsdirektion die Öffnungszeiten an Spieltagen bis um 2 Uhr nachts verlängert. Die Baselbieter Behörden appellieren dabei auch an die Eigenverantwortung der Gastwirte und Gastwirtinnen: «Die Betreiber von Gastwirtschaften sind dafür verantwortlich, dass sie und ihre Gäste gebührend Rücksicht auf die weniger fussballbegeisterte Wohnbevölkerung nehmen.» Im Baselbiet dürfen damit, im Gegensatz zum Kanton Basel-Stadt, sämtliche Bars und Restaurants während der WM länger öffnen.

Wie der Leiter Bewilligungen, Freiheitsentzug und Soziales im Kanton Baselland sagt, könne die Regierung diese Ausnahmebewilligung mit längeren oder kürzeren Öffnungszeiten während Anlässen festlegen. Gerhard Mann: «Das wird im Baselbiet schon seit einiger Zeit so gehandhabt. Insofern haben wir auch keine grossen Reklamationen von Anwohnern der Bars oder Restaurants.»

Im Aargau regeln das die Gemeinden

Im Kanton Aargau werden Ausnahmeregelungen für die Gastronomie seit Kurzem nicht mehr vom Kanton, sondern von den Gemeinden geregelt. Wie Thomas Hartmann, Leiter Aargauer Industrie und Gewerbeaufsicht, sagt, könne der Gemeinderat für Bars und Restaurants längere Öffnungszeiten für die WM bewilligen. Dies gelte auch für Restaurants und Bars in Städten wie beispielsweise Aarau oder Baden.

In der Stadt Luzern dürfen Restaurants in Wohnzonen auch am Sonntag bis um halb ein Uhr nachts öffnen, wie Urs Renggli, Chef des Gastgewerbes und der Gewerbepolizei des Kantons Luzern, sagt. Ausnahmeregelungen gebe es während der WM keine, allerdings könnten die Wirte Bewilligungen für eine Verlängerung der Öffnungszeiten in der Nacht beantragen.

Einzelbewilligungen in Bern

Wie Norbert Esseiva, Leiter Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern, sagt, gelten auch in Bern während der WM die in der Betriebsbewilligung aufgeführten Öffnungszeiten. «Ausnahmebewilligungen kann das Regierungsstatthalteramt aber in Form einer Gastgewerblichen Einzelbewilligung erteilen», sagt Esseiva. Zwei solche Einzelbewilligungen seien bis heute gewährt worden.

Ausnahmebewilligungen hingegen erhielten die Restaurants für Fernsehgeräte auf deren Aussenbestuhlungsflächen. Bis heute seien rund 40 Lautsprecherbewilligungen für Fernsehgeräte erteilt worden. Essiva: «Hier kommen bis zum WM-Start sicher noch einige dazu.»

Wie Basel erteilt auch die Stadt Zürich keine Ausnahmebewilligungen für Bars und Restaurants. Es gelten die bewilligten Betriebszeiten.

Gleich lange Spiesse für Basel-Stadt gefordert

Pia Elia, Gastronomin des Restaurants Tapas del Mar Spalenburg, kritisiert die Regelung in Basel-Stadt. «Grundsätzlich sollten für solche Events für alle gleich lange Spiesse gelten. Die WM ist Thema in jedem Land, in jeder Stadt und in jeder Bar.» Elia, die sich Ende Juni für das Präsidium des Wirteverbands Basel-Stadt bewirbt, sagt, dass das BGI reguläre Restaurants gleich behandeln sollte wie Gelegenheitsbeizen. «Sie zahlen Tag für Tag Fixkosten, Personal und Bewilligungen.» Elia versteht nicht, warum Restaurants wie ihres nicht wie die Gelegenheitsbeizen Ausnahmebewilligungen erhalten können. «Es geht bei der WM um einen riesigen Event, der alle vier Jahre stattfindet.» Würde während der längeren Öffnungszeiten oder während der Sonntage über die Stränge geschlagen, könnten die Behörden die Beiz immer noch schliessen, sagt sie. «Aber nicht wegen Neidern, sondern wegen angebrachter Reklamationen.» Elia fordert vom BGI, dass es eine liberalere Haltung anwendet und mehr Rücksicht auf die «fixen» Restaurants nimmt. Die sollten nicht schlechter behandelt werden als die Gelegenheitsgastronomie.

Dass das BGI liberaler bewilligen kann, beweist es bereits während der Art Basel 2018. Dann sind die Öffnungs- und Schliessungszeiten sowohl für Restaurationsbetriebe wie Gelegenheitsbeizen aufgehoben. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.06.2018, 15:23 Uhr

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