Güterhalle wird ausrangiert

Die SBB prüfen ein Passerelle-Projekt beim Bahnhof St. Johann. Dafür müsste die alte Güterhalle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen werden.

Das Schicksal der Güterhalle St. Johann ist ungewiss.

Das Schicksal der Güterhalle St. Johann ist ungewiss. Bild: Mischa Christen

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Die Tage der Güterhalle beim Bahnhof St. Johann, wo noch bis zum 2. Oktober die Ausstellung «Hier & dort» zu sehen ist, könnten gezählt sein: Sie werde in absehbarer Zeit abgerissen, ist zu hören. Die sehenswerte Schau zeigt die Geschichte der Region Basel im 20. Jahrhundert – und könnte um ein Kapitel erweitert werden, nämlich um die Geschichte des Ausstellungsortes selbst.

Von den SBB grundsätzlich angedacht wurde vor ein paar Jahren, eine Überführung oder Passerelle vom Bahnhof-Vorplatz, dem Vogesenplatz, zum Perron des Bahnhofs St. Johann zu bauen. Wenn eine solche Überführung unmittelbar neben dem Hauptgebäude des Bahnhofs erstellt würde, müsste die Güterhalle weichen. Möglich wäre auch, die Halle stehen zu lassen und die Überführung anderswo zu bauen.

Noch liegen erst unbestimmte Pläne vor, sagt Lea Meyer von der SBB-Medienstelle. Die SBB als Eigentümerin und der Kanton Basel-Stadt seien seit einiger Zeit gemeinsam daran zu prüfen, was mit dem Areal geschehen könnte; entschieden sei noch nichts. Der Kanton habe ebenfalls keine Pläne, erklärt Marc Keller, Sprecher des Baudepartements: «Wir wissen nicht, was sich dort tut.» Klar ist einzig, dass es eine pauschale Bewilligung für temporäre Ausstellungen gibt; diese gilt bis Ende 2012.

In der jüngsten Zeit hat sich mit der Umgestaltung grosser Teile des St.-Johann-Quartiers auch die Bahnhofgegend stark gewandelt. Zudem ist der einstige Güterbahnhof zum Personenbahnhof umfunktioniert worden. Heute halten täglich rund 60 Züge, vor dem Bahnhof verkehren die Tramlinien 1 und 21, der Bahnhof hat die Funktion einer Verkehrsdrehscheibe erhalten.

Grossartige Zimmermannsarbeit

Mit Gütern hat das Gebäude seit einiger Zeit nichts mehr zu tun, der Güterschuppen wurde kaum noch beachtet und geriet nur dank der Ausstellung «Hier & dort» wieder ins öffentliche Interesse. Wie Ausstellungsmacher Christoph Stratenwerth der BaZ sagt, haben sich etliche Besucher darüber gewundert, dass diese Halle abgerissen werden soll: «Wir haben viele starke Reaktionen.» Solche erreichten die BaZ-Redaktion auch direkt: Die von aussen betrachtet unscheinbare Halle sei innen ein Prachtstück.

Das bestätigt Christoph Stratenwerth: «Da steht ein Exemplar grossartiger Zimmermannsarbeit.» Er findet, dass man ein solches Gebäude vor einem allfälligen Abbruch gründlich analysieren sollte. Laut Denkmalpfleger Daniel Schneller steht es nicht unter Denkmalschutz. Der Güterschuppen stand übrigens nicht immer im St. Johann: Er wurde im Jahr 1859 auf dem Areal des Centralbahnhofs errichtet und 1899, als der Güterverkehr ausgelagert wurde, ins St. Johann disloziert. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.09.2011, 06:02 Uhr

Umfrage

Die über 150 Jahre alte Güterhalle beim Bahnhof St. Johann, in der die Ausstellung «Hier & Dort» gastiert, hat möglicherweise bald ausgedient. Die SBB als Eigentümerin des Gebäudes ziehen in Erwägung, die Halle abzureissen, um damit Platz für eine Überführung vom Bahnhofvorplatz zum Perron zu schaffen. Etliche Ausstellungsbesucher würden den Abbruch der Halle bedauern. Soll die Güterhalle erhalten bleiben?

Ja

 
55.2%

Nein

 
44.8%

854 Stimmen


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