Halb Basel zu Gast beim Züri-Böögg

Am Sechseläuten 2018 werden die beiden grössten Deutschschweizer Städte ihre Freundschaft zelebrieren.

Die Basler werden mit einer gewaltigen Delegation ans grösste Frühlingsfest der Schweiz reisen.

Die Basler werden mit einer gewaltigen Delegation ans grösste Frühlingsfest der Schweiz reisen.

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Klamauk wollen die Basler ans Zürcher Sächsilüüte bringen. Damit ist nicht ausgelassener oder verrückter Trubel gemeint, sondern die gleichnamige Schöpfung des Künstlers Jean Tinguely. Bei schönem Wetter, versprach gestern Regierungspräsidentin Elisabeth Acker mann (Grüne) anlässlich einer Medienkonferenz vor den Zürcher Zünftern, werde das Basler Museum Tinguely die auf einem Bührer-Traktor aufgebaute Eisenskulptur nach Zürich mitbringen.

So viel steht fest: Die Basler werden mit einer gewaltigen Delegation ans grösste Frühlingsfest der Schweiz reisen – und die Zürcher werden die über 650 Basler mit offenen Armen empfangen. Daran liess Markus Notter, der Präsident Zentralkomitee der Zünfte Zürichs, keinen Zweifel. Es soll nicht nur ein Frühlingsfest, sondern auch ein Bekenntnis zur freundschaftlichen Verbindung zwischen den beiden grössten Deutschschweizer Städten werden.

Bereits seit Wochen arbeiten Zürcher und Basler gemeinsam am Gastauftritt des Kantons Basel-Stadt, der seit 1993 nicht mehr am Sächsilüüte dabei gewesen ist. Und damals passierte gleich noch ein einmaliges Malheur: Der Böögg fiel von seinem Stapel, noch bevor er Feuer fangen, geschweige denn explodieren konnte. Für orakelgläubige Zürcher ein böses Omen. Ackermann wünschte sich mit einem Augenzwinkern die Wiederholung dieses Vorfalls, denn dann würde an der Fasnacht 2019 weniger über den Regierungsrat hergezogen. Die Chance, dass ihr Wunsch unerfüllt bleibt, ist hoch – die Zürcher haben seit dem Vorfall die Böögg-Verankerung so verändert, dass ein Umstürzen so gut wie unmöglich ist.

Lindenhof wird zu Teil von Basel

Die Basler wollen in Zürich ihre Läckerli-Seite zeigen. Auf dem Lindenhof, dem ältesten Park der Stadt Zürich, mitten im Zentrum, werden grosse Zelte aufgestellt. Dort soll den Besuchern die Möglichkeit geboten werden, Basel und seine vielen Facetten zu entdecken. Zum Beispiel in audiovisuellem Angebot in Boxen, die Videos zur Fasnacht oder zum Figurenspiel Vogel Gryff oder zu den Zünften und Ehrengesellschaften zeigen. Apropos Vogel Gryff: Dieses Spiel wird im Umzug (Zug zum Feuer) am 16. April mitlaufen und sein Schauspiel darbieten. Allerdings ist nur das kleine Vogel-Gryff-Spiel vorgesehen. Das grosse bleibt im Kleinbasel. Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing der Stadt Basel, erklärte, warum nicht das richtige Vogel-Gryff-Spiel auftritt: «Es würde das Kleinbasel nie verlassen. Es würde nie nach Grossbasel kommen und auch nicht nach Zürich.»

Die Museumsstadt Basel wird ebenfalls in gebührendem Rahmen dargestellt werden, zudem die Architekturstadt Basel, die Theater- und Musikstadt Basel, die Bildungsstadt Basel und die Wissensstadt Basel. Etwas Be sonderes hat sich die Universität Basel für den Gastauftritt einfallen lassen: Besucher können mittels einer 3-D-Brille durch den menschlichen Körper gehen.

Musik soll ebenfalls geboten werden, am Freitagabend, 13. April, spielen mehrere Gruppen vom Jazzcampus der Musik-Akademie Basel «junge, freche, funky Musik», wie Horvath sagte. Ansonsten gibt es von der Polizeimusik über eine Brassband und dem multikulturellen Kinderchor Kolibri unterschiedliche Darbietungen zu hören. Ein Publikumsmagnet dürfte der rund hundert Jahre alte Nachbau der Gutenbergpresse werden, welche die Basler Papiermühle nach Zürich bringt. Dort kann ein Papier mit dem Symbol des Bööggs gepresst werden.

Die Fasnacht ist ein wichtiges Exportgut, wenn es darum geht, etwas von der Basler Lebensart zu vermitteln, besonders seit die Fasnacht von der Unesco zum geistigen Weltkulturerbe erklärt wurde. Deshalb können Kinder wie Erwachsene sich in einer Fotoecke auf dem Lindenhof mit klassischen Fasnachtskostümen ablich ten lassen oder bei einer Trommelschule die sogenannte «erste Lektion» absolvieren.

Das Basler Standortmarketing ist überzeugt, dass die Stadt nicht nur kulturell, sondern auch kulinarisch etwas zu bieten hat. Zumindest gibt es Gerichte, die als typisch Baslerisch gelten und die deshalb den Zürchern zum Probieren angeboten werden: Basler Suure Mogge etwa, Salm nach Basler Art, Gallerte mit Öhrli und Schnörli, dazu Basler Läckerlimousse und zum Trinken lokale Biere wie das Ueli Bier oder das Unser Bier. Auch Weine aus Riehen dürften in Zürich angeboten werden. Dann werden die Zürcher noch lernen, was ein Klepfer ist.

Mit Vielfalt Richtung Feuer

Am Umzug vom 16. April formiert sich Basel dann zum grossen Tross, der an der Spitze der Umzugsdelegationen und Zünfte zur Sechseläutenwiese gehen wird. 160 Kinder aus Basel werden dabei sein, von der Jungen Garde Junteressli über die Primarschulen Gotthelf und Wasgenring, dem Chor Kolibri bis zur Basler Trommelakademie und der Knabenkantorei Basel, die während des Umzuges singen.

Mitmarschieren werden 100 Basler Fasnächtler im Charivarikostüm, ein Zug der Basler Zunftbanner, die Meister der Basler Zünfte, Ehrengesellschaften, Vorstadtgesellschaften und Bürgerkooperationen sowie das Vereinigte Zunftspiel der Basler Zünfte und die Basler Garde. Mitfahren hingen werden die Basler Chaise Glaibasler Sumpfdohle sowie historische Hochräder aus dem Sportmuseum.

Der Seemanns-Chor Störtebekers Basel wird ebenfalls im Umzug mitlaufen und durch seine Präsenz die Verbindung des Rheinhafens zu den Weltmeeren in Erinnerung rufen. Als Sportler ist der Basler Olympiasieger im Rudern, Lucas Tramèr, angekündigt, und es wird ein Nachbau des Läckerlihuus zum Mitführen angefertigt, weil Basel einfach mit dem Läckerlihuus assoziert werde, wie Horvath sagte.

Die Pfeifer- und Trachtengruppe Naarebainli ist im Umzug vertreten, ebenso wie die Trachtengruppe von Basel und seiner Landgemeinden Riehen und Bettingen sowie das erste Frauen-Jodel-Chörli von Basel. Die Fasnachtsclique Basler Mittwoch- Gesellschaft 1907 wird sich als Stänzler von 1856 kleiden, das sind Uniformen der ehemaligen Basler Standeskompanie.

Ganz vorne dabei ist dann die Basler Fasnachtslaterne. Diese malt der Laternenmaler Christoph Knöll von Freitag bis Montag (mehr oder weniger pausenlos, damit sie fertig wird). Was für ein Sujet entstehen soll, bleibt unter Verschluss, aber natürlich wird Basel ein Thema sein und das Sächsilüüte. Die Laterne bleibt als Geschenk an die Zürcher Zünfte in Zürich und soll noch lange an den Tag erinnern, als Basel der Gastkanton am Sächsilüüte war. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.04.2018, 10:34 Uhr

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Ja. Zumindest mit dem PanoramaKnife. Denn es gibt leider noch kein Basler Messer. Die kleine Thurgauer Firma arbeitet aber dran.

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