Haufenweise altes Küchengeschirr

Der Zivilschutz Basel-Stadt veranstaltete einen «Alles-muss-weg-Tag. Logistik-Leiter Remo Buess war überrascht darüber wie viele gekommen sind.

Viel Blech. Kochutensilien gab es beim Rampenverkauf in grossen Mengen zu erstehen. Video: Mischa Hauswirth

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Einiges, was da in den Kisten lagerte, hat einen regelrechten Dornröschenschlaf in den dunklen Hallen unter der Eisenbahnbrücke beim St. Jakob hinter sich. Der Basler Zivilschutz hortete dort während Jahrzehnten Kochutensilien, die zum Einsatz gekommen wären, hätte es eine grosse Katastrophe wie ein Erdbeben oder Krieg gegeben und Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen wären obdachlos gewesen und hätten verpflegt werden müssen.

Der Basler Zivilschutz entledigte sich gestern der Berge an altem Besteck, Geschirr und Kochtöpfen während eines Rampenverkaufs. Vor grossen Lagerräumen mit Schiebetüren standen Tische, auf denen Kisten, grosse Schwingbesen und Besteck ausgelegt waren. Auch eine Gulaschkanone mit Holzfeuerung war zu haben. Entlang des langen Korridors befanden sich mehrere grosse Holzgefässe, die bis oben gefüllt waren mit Aluminiumgefässen – zum Kochen, zum Wassertragen, zum Abschöpfen, zum Rühren, zum Absieben. Und an den Wänden stapelten sich Sandsäcke auf Gestellen, während ein kaltes Neonlicht der ganzen Szenerie eine Bunkerambiance verlieh.

Wer wollte, konnte sich hier eindecken mit dem, was er als brauchbar einstufte. Die meisten nahmen, was sie tragen konnten, aber es gab auch solche, die gleich Grossmengen erstanden: Ein Mann beispielsweise lud mehrere Gaskochvorrichtungen mit passenden Kochbehältern in einen Lieferwagen.

Für Verein oder Jungwachtlager

Es kamen auch viele junge Leute an diesen Rampenverkauf. Einer davon ist Dominik Flubacher, der bei der Jungwacht und Blauring in Arlesheim Lager mitorganisiert. «Wir kochen immer grössere Mengen, meistens sind es zwischen zwanzig und dreissig Personen», sagt Flubacher. «Wir führen Sommerlager, Herbstlager, Pfingstlager und auch im Winter Lager durch. Grössere Gebinde, die so professionell hergestellt sind wie diese hier, sind dann natürlich von Vorteil.» Zudem bekomme man das hochwertige Material hier zu günstigen Preisen, sagt Flubacher.

Ebenfalls gekommen, um von dem Rampenverkauf zu profitieren, ist Willi Grollimund. «Ich führe hin und wieder eine Vereinswirtschaft, da kann ich diese Dinge gut gebrauchen. Ich habe zwei Speiseträger und eine Pfanne gekauft», sagt Grollimund.

«Überrascht, wie viele kamen»

Remo Buess, Leiter Logistik bei der Abteilung Militär und Zivilschutz, zählt auf, was es alles zu haben gibt: «Hier findet sich vor allem altes Küchenmaterial: alte Reisswölfe für Fleisch, sehr viel Alugeschirr, das heute in der Gastronomie nicht mehr erlaubt ist, alte Rüstbretter und Holzunterlagen. Alles Dinge, die man früher in der Gastronomie verwendet hat.» Das Material sei zum Teil 50 bis 60 Jahre alt, aber noch in guter Qualität, einiges noch originalverpackt, so Buess.

Der Grund, warum der Zivilschutz das Material nicht länger in seinen Lagern haben will, ist das Projekt «Zivilschutzmateriallager und Organisationsplatz Scherkessel». Die Bedrohungslage habe sich verändert und das bislang dezentral aufgebaute Mobilisierungs- und Materialkonzept mit Aussenstandorten sei nicht mehr zeitgemäss, sagt Martin Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartementes. Deshalb wurde der Standort «Scherkessel» an der Gellertstrasse 228 zu einem der Hauptzentren des Basler Zivilschutzes umgebaut. Das überzählige Material musste raus, weil der Zivilschutz seine Prozesse sowie im Ereignisfall die Einsatzbereitschaft vereinfacht hat. Verbessert worden seien auch der Materialunterhalt und die Materialbewirtschaftung, sagt Schütz.

Der Rampenverkauf lief gut. Wer gestern etwas für sich gefunden hatte, musste vor Ort bezahlen. «Wir sind überrascht, wie viele Leute bereits am Morgen gekommen sind», sagt Buess.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 09.11.2018, 11:40 Uhr

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