Heitere Stimmung am Zürcher Sechseläuten

Die Basler Delegation zieht durch die Limmatstadt.

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Der Regen kam pünktlich, als der Zug aus Basel mit der gesamten Regierung verspätet in den Hauptbahnhof Zürich einfuhr. Angeführt von der Mittwuch’s Band Basel stach die Basler Sechseläuten-Delegation durch die Bahnhofstrasse in Richtung Zunfthaus zur Schmiden und blies den Zürchern ordentlich den Marsch. Der kurze Regenguss vermochte die Stimmung der rund 200 geladenen Gäste aus Basel für den Auftakt des Sechseläutens aber keineswegs zu trüben. Der gut gelaunte Regierungsrat Conradin Cramer: «Ich hoffe einfach, dass es kein schlechtes Vorzeichen ist.»

War es nicht, denn bereits während des Apéros mit Basler Leckereien im eindrücklich stuckierten Zunftsaal rissen die Wolken auf und die Sonne zeigte sich. Neben Zwiebelkuchen und Laubfröschen stand auch die traditionelle Mehlsuppe auf dem Speiseplan. Mit der in Zürich gebrauten flüssigen Mahlzeit zeigten sich allerdings nicht alle zufrieden. Ständerätin Anita Fetz: «Die Zunftstube ist schön, die Mehlsuppe hingegen ist passabel. Die Köche haben sich Mühe gegeben, meine selbst gemachte allerdings ist besser.» Immerhin relativierte Fetz, dass sie nicht Mehlsuppe für 500 Leute kochen müsse.

«Basler sticheln eher fein»

Solch kleine Sticheleien, welche im Verhältnis zwischen Baslern und Zürchern immer wieder aufkeimen, offenbarten sich auch in der Ansprache von Urs Berli, Zunftmeister der Zürcher Zunft Fluntern. Er meinte, dass die Basler ganz gerne im nahen Ausland einkaufen gingen, die Zürcher hingegen kauften in Basel ein. Als Beispiel nannte er das Läckerli-Huus oder die Basler Zeitung, die beide im Besitz der Zürcher Familie Blocher sind. Etwas weniger spitzig präsentierte sich da schon die Rede der Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (siehe unten). «Es ist eher Basler Art, fein zu sticheln», sagte Ackermann, die den Empfang im Zunfthaus zur Schmiden durch die Zürcher als «sehr angenehm» beschrieb. Die Freude bei Wein, Bier oder Orangensaft war ganz gegenseitig. Corine Mauch, ihrerseits Stadtpräsidentin von Zürich, freute sich, die Delegation aus Basel als Gast zu haben. «Allen Unkenrufen zum Trotz verstehen wir Zürcher uns gut mit den Baslern.»

Mit Dixieland-Blues zog der Tross – er mochte nach dem Zwischenstopp in der Schmiden auf wohl 400 Personen angewachsen sein – vom Niederdorf durch die Gassen hinauf auf den mit Leuten gefüllten Lindenhof. Die Sonne lachte, und die Stimmung unter den Zünftlern, Politikern, Wirtschafts- und Kulturvertretern war gelassen. Am Wegrand standen Hunderte Zuschauer und beschauten den Zug.

Laternenmaler muss Gas geben

Zuvorderst schulterten vier Träger einer Clique eine Fasnachtslaterne. Ein Sujet war darauf jedoch nicht auszumachen. Noch nicht. Denn in einem der zahlreichen Festzelte mit Basler Attraktionen auf der ehemaligen Festungsanlage machte sich der Basler Laternenkünstler Christoph Knöll bald daran, die weissen Leinwände zu bemalen. Mithilfe eines Hellraumprojektors umriss er das Sujet, das da den Böögg inmitten von Fasnachtsfiguren zeigt. Die Rivalität zwischen Baslern und Zürchern ist auch hier das Thema. Sie spricht den gemalten Figuren aus dem Gesicht. Knöll hat sich mit dem Bemalen und Lackieren der Laterne ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: «Normalerweise benötige ich für eine Laterne in dieser Grösse 100 Stunden.» Diese Laterne – ein Geschenk an die Zürcher – allerdings müsse am Sonntagabend fertig sein. Knöll: «Ich werde mit wenig Schlaf auskommen und Gas geben müssen.»

Während Knöll unter den Augen neugieriger Zuschauer auf die Tube drückte, amüsierten sich die geladenen Gäste im Hauptzelt beim Abendessen. Auf dem Menüplan standen Basler Spezialitäten wie Suure Mogge, Kartoffelstock mit Speckstreifen und drei süsse Basler Läckerli zum Dessert. Der Himmel, er blieb an diesem Abend freundlich. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.04.2018, 16:09 Uhr

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Ja. Zumindest mit dem PanoramaKnife. Denn es gibt leider noch kein Basler Messer. Die kleine Thurgauer Firma arbeitet aber dran.

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