Hintergrund

Her mit den Models!

Aus der ganzen Schweiz kommen Frauen als Hostessen und Promotorinnen an die Baselworld ans Rheinknie. Was sie dort erwartet.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Lange Beine, glänzendes Haar und strahlendes Lächeln: Schöne Hostessen sind von der Baselworld nicht wegzudenken. Sie stehen an der Informationstheke, verteilen die Messe-Zeitung und bedienen die verschiedenen Stände – und machen die Ausstellungen noch sehenswerter. Es gilt: Je teurer die Produkte, desto schöner die Frauen.

Die Kunden sollen mit allen Mitteln an die Stände gelockt werden. Viele von ihnen wissen die hübschen Hostessen zu schätzen. So findet denn auch die eine oder andere Visitenkarte mit hastig draufgekritzelter Hotelzimmer-Nummer ihren Weg von Kunden- in Frauenhände. Dass manche Hostessen ihren luxuriösen Schmuckstand nach Feierabend in Begleitung verlassen, ist kein Geheimnis. Die meisten Damen schlagen solch eindeutige Angebote allerdings freundlich aber bestimmt aus. Männer haben da weniger Probleme – sie sind als Messe-Promotoren gar nicht erst gefragt.

Zwei Stunden in der Maske

«Die Kunden bevorzugen Frauen», sagt Michèlle Hanika, Messe-Verantwortliche der Agentur USP. Die Agentur ist verantwortlich für die Versorgung der Messe mit Models im Bereich Information und Zeitungsverteilung am Eingang und die Vermittlung von Promotorinnen für etwa 20 der Uhren- und Schmuckstände. Nebst einem schönen Gesicht sind gute Sprachkenntnisse in Deutsch, Französisch und Englisch erforderlich. Die Promotorinnen müssen Auskunft über die von ihnen vertretene Marke geben und schnell Kontakt zu den Kunden aufbauen können.

«Neben Social Skills und Sprachkenntnissen ist ein ansprechendes Äusseres uns besonders wichtig», sagt Hans Klaus, Mediensprecher Baselworld. Bereits zwei Stunden vor Arbeitsbeginn haben die Models sich in der Maske einzufinden. Sie werden für den Tag geschminkt und frisiert, bevor sie, gehüllt in Haute Couture im Wert von etwa 2000 Franken, die Messebesucher mit Informationen versorgen. An den Ständen selbst arbeiten selten Models. Hier werden «normale» Promotorinnen, beziehungsweise Hostessen, eingesetzt. Ihre Beine dürfen auch mal etwas kürzer sein. Das Lächeln muss aber auch hier besonders fabelhaft strahlen und die Kunden bereits von Weitem locken.

Um für die Baselworld genügend Hostessen zu finden, werden Mädchen, oft Studentinnen, aus der ganzen Schweiz rekrutiert, bestätigt Hanika. Trotz hoher Ansprüche an Sprachkenntnisse, Social Skills und Aussehen, fällt es weder der Zürcher Agentur UPS, noch den einzelnen Ständen schwer, genügend Frauen zu finden. Denn die Arbeitsbedingungen in Basel sind gut. Im Durchschnitt verdienen die Promotorinnen pro Tag am Stand 300 Franken, exklusive Übernachtung – für Studentinnen ein gutes Taschengeld.

Mehr Respekt in Basel

Die Bezahlung alleine macht den Job in Basel aber nicht attraktiver als anderswo. «Die Gäste sind viel angenehmer als beispielsweise am Auto­salon in Genf», sagt Certina-Hostess Lara Steck. Seit drei Jahren ist sie mit von der Partie – erst für Hermès, nun bereits zum zweiten Mal am Stand des Uhrenherstellers Certina. Dafür reist die Psychologie-Studentin eigens von Bern an. Gleiches tat sie auch für den Genfer Auto­salon, jedoch mit begrenzter Begeisterung: «In Genf wird man von den männlichen Besuchern non-stop fotografiert. Die Anständigen fragen für ein Bild, die meisten drücken aber heimlich ab.» Selten liege der Fokus dabei auf dem glänzenden neuen Auto. Auf den Bildern prangen vor allem die Rundungen der Promotorinnen.

In Basel werden die Frauen mit mehr Respekt behandelt. Nicht zwingend, weil die Männer zurückhaltender seien, sondern, weil die Prioritäten anders liegen: «Die Baselworld ist eine Einkäufermesse, hier wird das Jahresgeschäft getätigt. Wer keine Einladung hat, kommt bei den meisten Ständen gar nicht erst rein», so Steck. Beim Auto­salon sei das anders, die Publikumsmesse werde oft von Männergruppen besucht, die sich auf unangenehme Weise an den Promotorinnen erfreuen.

Wer aber auf ein Messe-Abenteuer aus sei, werde auch in Basel von den Gästen angemacht. Dann wechselt ein Visitenkärtchen diskret den Besitzer, heisst es in Mitarbeiter-Kreisen. Gebe man sich dagegen freundlich-distanziert, seien das die Gäste in Basel ebenfalls. Befremdend wirken eher ausserordentliche Wünsche und Ansprüche gutbetuchter Kunden. So habe im vergangenen Jahr eine Dame an der Informationstheke einen Flug nach New York bestellt. So schnell wie möglich, bitte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.03.2014, 12:13 Uhr

Artikel zum Thema

Hostess berichtet von rüpelhaften Passagieren

Über den Kapitän und die Crewmitglieder der Costa Concordia haben die Medien schon viel Unrühmliches geschrieben. Nun sind die Passagiere dran: Eine Hostess schildert in einem Interview denkwürdige Szenen. Mehr...

«Gerumpelt wurde immer wieder» – Geständnisse einer Stewardess

Ein randalierender Hollywoodstar, Schlägereien in der First Class und viel Verkehr auf der Bord-Toilette: Ursula Wiehl schildert baz.ch/Newsnet ihre 35 Jahre als Air Hostess für Swissair und Swiss. Mehr...

Der Po-Grapscher sagt sorry

Radprofi Peter Sagan hat sich für seinen Fehlgriff bei einer Hostess per Videobotschaft entschuldigt. Mehr...

Dossiers

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...