Herzog ist zu klug – Lob für Dürr und Wessels

Sieben Einschätzungen zu sieben Basler Regierungsräten. Auf ein bewegendes 2019.

Scharfe Grüsse fürs neue Jahr: Der Basler Regierungsrat.

Scharfe Grüsse fürs neue Jahr: Der Basler Regierungsrat. Bild: Keystone

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Lieber Conradin Cramer

Als Stadtbasler Sportminister sind Sie der Mann der Turnschuhe. Vor meinem geistigen Auge gehen Sie vorneweg und bestimmen das Tempo. Vielleicht laufen mal ein paar Journalisten hinterher, so wie bei der Präsentation des neuen Sportamtchefs Steve Beutler sowie der Einweihung von irgendwelchen Garderobentrakten Ende September 2018. Weshalb Sie damals Ihren Blutkreislauf vor der Presse belasteten, ist mir heute noch ein Rätsel, genau wie Ihre Rede während der 125-Joor-Gala des FC Basel Mitte November. Sie haben die Krise der rotblauen Fussballer derart schöngeredet, dass sich im Festsaal der Messe die Balken gebogen haben. Als Gastredner einer Feier darf man messerscharfe Analysen durchaus weglassen, schon klar, aber ich hoffe natürlich, dass Sie im neuen Jahr griffigere Sätze formulieren als damals mit FCB-Krawatte. In Fussball-Basel ist der zweite Platz mit 19 Punkten Rückstand zum Leader nicht einfach nur eine Enttäuschung, sondern eine Beleidigung.

Einen anderen Vorwurf kann ich Ihnen nicht ersparen: Ich finde es für die Sportstadt Basel beschämend, dass die sanierte St. Jakobshalle immer noch St. Jakobshalle heisst und nicht Roger-Federer-Arena. Ich frage mich, wie viel der Baselbieter Tennisweltstar noch gewinnen muss, bis er entsprechend gewürdigt wird. Bitte jetzt keine Paragrafenreiterei, von wegen in der Schweiz dürfen und sollen und können Helden des Sports nur posthum geadelt werden. In Biel gibt es eine Roger-Federer-Allee, in Biel!

Nun liegt der gelbe Filzball bei Ihnen, Herr Cramer. Game, Set und Match für Sie, wenn Sie das hinbekommen.

Liebe Eva Herzog

Wir kennen uns seit knapp sechs Jahren, nur flüchtig, muss ich zugeben, aber immerhin. An einer Meisterfeier des FC Basel fragten Sie mich im Stadtcasino sinngemäss, ob denn alle BaZ-Journalisten wissen, was eine Abseitsfalle sei, und im Gegenzug fragte ich Sie, wie man als Finanzministerin dieser Stadt derart viel Gewinn erwirtschaften könne, ohne ins Gefängnis zu wandern.

Das war ein erster Doppelpass, völlig ungezwungen, und Ihre gute Laune kann ich nachvollziehen. Im September haben Sie ein Sparpaket von 47 Millionen Franken präsentiert, das Sie notfalls umsetzen könnten. Aber das wollen Sie nicht, weil Sie sich das leisten können. Stattdessen überlegen Sie offenbar, wie Sie den Verwaltungsapparat noch etwas aufblasen könnten, was in meinen Augen keine Überlegung wert ist, sondern eher ein Ärgernis. Zu viele Beamte verderben den Brei, doch die bürgerlichen Köche in dieser Stadt sind bis heute nicht in der Lage, Ihnen, liebe Frau Herzog, nur im Ansatz die Suppe zu versalzen.

Offenbar sind Sie zu klug für Ihre Gegner, und im Rennen um den freien Sitz im Stöckli sind Sie als Nachfolgerin von Anita Fetz die Kronfavoritin, wobei Sie, Frau Herzog, in Bundesbern keine Lobby geniessen sollen, wie man hört. Aber das kann sich ja noch ändern. Vielleicht müssen Sie es einfach besser anpacken als 2010, als Sie auf dem Weg zum Bundesrätinnen-Thron früh hängengeblieben waren. Nun jedoch könnte es bald heissen: Herzog im Ständerat – das würde bei den zuletzt etwas selbstverliebt wirkenden Genossen in Basel wieder Feuer entfachen.

Liebe Elisabeth Ackermann

Ich habe bei Ihrer Rede an der Gala zu Ehren von Arthur Cohn im November genau zugehört, und ich fand, Sie haben das gut hinbekommen. Sie lobten den grossen Filmemacher aus Basel, ohne anbiedernd zu wirken, und noch während Ihres Auftrittes wurde mir von zwei Seiten gleichzeitig ins Ohr geflüstert, wie schwer Sie sich mit Auftritten in der Öffentlichkeit tun. Im Musical-Theater holten Sie sich vielleicht keinen Oscar ab, aber Ihre Worte kamen im Plenum gut an.

Umso irritierter war ich ein paar Tage später. Im Schweizer Fernsehen wurden Sie zur undurchsichtigen Basler Museumspolitik befragt, zu den horrenden Betriebskosten für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums beispielsweise – eine wirtschaftliche und politische Fehlleistung ersten Grades, mit Ihrem Vorgänger Guy Morin in der Hauptrolle.

Nun, Ihr Krisenmanagement am Bildschirm war bescheiden, und man fragt sich schon, wohin die Museumspolitik unter Ihrer Ägide steuert. Eine ganzheitliche Idee ist nicht erkennbar. Die Besucherzahlen entwickeln sich erfreulich, aber offenbar ist Ihr Departement noch ausserstande, die privaten und öffentlichen Museen in eine Zukunft zu führen, die diese auch verdient hätten, auch wenn Mitte Dezember eine staatliche Finanzspritze bewilligt wurde. Immer mehr Inventar führt zu immer mehr Platzbedarf und immer höheren Kosten, aber wenn sich die Kulturstadt Basel weiterhin Kulturstadt Basel nennen will, und davon gehe ich aus, dann sollten die Entscheidungsträger Lösungsvorschläge präsentieren und keine Ausreden. Ein grosses Thema 2019.

Lieber Hans-Peter Wessels

Bei Ihnen bin ich etwas vorsichtig, und das hat nicht nur damit zu tun, dass ich ein bekennender Q5-Fahrer bin. Das ist ein Auto, kein Cargovelo, aber lassen wir den Sarkasmus. Als Bau- und Verkehrsdirektor dieser lebenswerten Stadt haben Sie in den letzten Monaten für die eine oder andere Massenkarambolage gesorgt, zuletzt beim Westring, den Sie ja überraschenderweise begrüssen; Das muss sich für Ihre Parteikollegen anfühlen wie eine vierspurige Autobahn, die mitten durch geistige Sperrzonen führt. Damit wir uns richtig verstehen: Die vom Bund mitfinanzierte Tangente macht Sinn und ist Beleg dafür, dass selbst Sie erkannt haben, dass es auch rund um Basel ein gewaltiges Verkehrsaufkommen gibt, das es zu bewältigen gilt.

Für den Mut, sich innerhalb der Partei zu exponieren, gebührt Ihnen Lob, doch im Gegensatz zu Ihrer Kollegin Eva Herzog sehe ich Ihre politische Zukunft eher in einer Sackgasse als auf einer frisch geteerten Autobahn. Schon bei den letzten Regierungsratswahlen war es eng geworden für Sie – 2020 droht die Abwahl.

Aber vielleicht haben Sie ja auch Ihr Leben als SP-Magistrat gesehen und treten aus freien Stücken nicht mehr an, vielleicht auch deshalb, weil Ihnen klar geworden ist, dass das Leben zu kurz für Kompromisse ist.

Lieber Baschi Dürr

Sie sind der Regierungsrat, der momentan die beste Laune haben müsste. BaZ-Lokalchef Joël Hoffmann hat Sie kürzlich gelobt, weil Sie Ende November die heiklen Kundgebungen in der Stadt mit Ihrem Polizeikorps klug moderiert und Schlimmeres verhindert haben. Nach der unappetitlichen Dienstwagen-Affäre ist das Zucker in Ihren Morgentee. Doch ein paar strategisch richtige Entscheide bei den Uniformen reichen natürlich nicht, um als fähiger Chef des Justiz- und Sicherheitsdepartements taxiert zu werden.

Ich hoffe schwer, Sie wissen längst, was die Menschen in der Stadt bewegt: Während in der restlichen Schweiz die Zahl der Straftaten rückläufig ist, verzeichnet Basel-Stadt in der Gesamtkriminalität eine Zunahme. Tief geblieben ist einzig der Respekt gegenüber Beamten. Es deutet einiges darauf hin, dass Sie ein ähnliches Problem haben wie der FCB mit seinen Hooligans: Ganz wenige machen ganz viel kaputt, und es ist praktisch unmöglich, die Sünder schnell aus dem Verkehr zu ziehen. Ich habe mir sagen lassen, dass Sie der ehrgeizigste Regierungsrat im Gremium seien, und bin überzeugt, dass Sie alles daran setzen, das Thema Gewalt in Basel in den Griff zu bekommen. Gelingt das, erstrahlt der Baschi Dürr 2019 wieder wie jener Baschi Dürr, der 2012 glanzvoll und als unverbrauchtes Talent in das Gremium gehoben worden war.

Lieber Lukas Engelberger

Das neue Jahr dürfte für Sie am aufregendsten angefangen haben, denn bereits am 10. Februar ist Zahltag: Dann entscheidet das Volk in den Halbkantonen, ob die Spitäler in Stadt und Land eine gemeinsame Zukunft haben oder nicht. Aus meiner Sicht ist die Spitalfusion unabdingbar, wollen wir die Kosten im Gesundheitsbereich auch nur annähernd in den Griff bekommen und die Spitzenmedizin hier wissen. Sogar die Genossen in Baselland befürworten das Get-together, kein Wunder, ihr Spital in Liestal ist alleine nicht überlebensfähig. Dass jedoch die SP in Basel dagegen ist, muss sich für Sie, Herr Engelberger, wie eine schallende Ohrfeige anfühlen, schliesslich feilen Sie mit Ihrem Baselbieter Amtskollegen Thomas Weber seit Jahren am Masterplan.

Bringen Sie mit Ihrer CVP diese Blockbuster-Vorlage durch, dürften Sie auf Jahre hinaus im Amt bleiben, Sie spielen dann sozusagen in der Champions League der Regierungsräte, was längst nicht alle Magistraten von sich behaupten können.

Lieber Christoph Brutschin

Mit bald 61 Lebensjahren sind Sie der Dino bei den Sozis, der Tyrannosaurus Rex der Magistraten, also ein Schwergewicht. Doch in den letzten Wochen und Monaten hat beim Basler Umweltminister nicht ein Dossier wirklich die Gemüter bewegt, und da frage ich mich natürlich, ob das für Sie ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Entweder sind Ihre politischen Ämter derart langweilig, dass es das Volk nicht interessiert, was die Frage provoziert, ob Sie im heiligen Bund der Sieben ganz einfach überflüssig sind. Oder aber Sie erledigen Ihre Aufgaben so schnell, effizient und sauber wie ein Tesla-Fahrzeug; dann sollten Ihre Dienstkollegen Dürr und Wessels unverzüglich Nachhilfestunden bei Ihnen buchen.

Gut, in einem Themenfeld sind und bleiben Sie gefordert: Es ist Ihre Pflicht, die Pharmariesen Roche und Novartis bei Laune zu halten, selbst wenn die Chemiemultis den Abbau von Hunderten von Jobs ankündigen. Das Kleingewerbe in der Region fühlt sich von Ihnen eher missachtet, aber schon das Sprichwort besagt, dass Everybody’s Darling halt auch Everybody’s Depp ist – allen recht machen geht nicht.

Was für Sie, werter Herr Brutschin, gilt, zählt für alle übrigen sechs Regierungsräte: Bremsen Sie nicht jedes Geschäft, sondern entwickeln Sie Visionen, kreieren Sie mutige Lösungen. Auf ein gutes, bewegendes und berührendes 2019. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.01.2019, 13:49 Uhr

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