Heute miete ich mir spontan ein Büro

Shared Office war gestern, jetzt kommt das Coworking. Dabei können Büroplätze oder Sitzungszimmer bereits für einen halben Tag gemietet werden. Ein Angebot, das sich auch in Basel zunehmender Beliebtheit erfreut.

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Das Tor zur Halle 8 auf dem Gundeldinger Feld ist hoch und schlicht. Wer eintritt, staunt: Da steht ein Haus im Haus, aber nur am Rand, daneben bleibt Platz für zwei lichtdurchflutete Kammern und einen grossen Saal mit Pflanzen, Tischen und beschreibbaren Stellwänden. Sitzsäcke sind hier ebenso zu finden wie eine Küche, Kunstrasen und eine Grossleinwand. Wir befinden uns in sogenannten Launchlabs, der Alternative zum altbekannten Büro. Hier können Start-ups und Angestellte von grossen Konzernen ebenso arbeiten wie Freiberufler und Künstler.

Ein «Coworking Space» nennt man das. Ob es sie wirklich braucht? – Ja, sagen die Kundenzahlen von Institutionen wie den Launchlabs. Coworking Space bedeutet: Einer mietet eine Immobilie, stellt Schreibtische auf, richtet einen Internetzugang ein und vermietet die einzelnen Arbeitsplätze an alle, die daran Interesse haben. Das sind, fragt man bei den Basler Coworking-Plätzen an, immer mehr. Aber natürlich gehört dazu mehr als nur ein Tisch, ein Router und einer, der die Miete zahlt.

Die Abwechslung machts

Die Anforderungen an eine Arbeit, und auch an den Platz, an dem man diese verrichtet, werden immer höher. «Die Individualisierung von Arbeitsformen nimmt stark zu», sagt der Arbeitspsychologe Michael Gschwind. Nach Shared Office, wo verschiedene kleine Firmen Büroräumlichkeiten gemeinsam nutzen, nun also die Coworking Spaces. Das Besondere daran: Hier können sich kleine Firmen ebenso einmieten wie Einzelpersonen.

Die Branche spielt keine Rolle. Im Gegenteil: Je bunter der Mix, desto grösser der Nutzen. Hier treffen erfahrene Freiberufler auf soeben gegründete Start-up-Unternehmer oder auf Angestellte, die für einige Tage oder Wochen in der Stadt sind und während dieser Zeit einen Arbeitsplatz fern des angestammten Büros benötigen. Hier finden aber auch jene einen Platz, denen beim Home Office die Decke auf den Kopf fällt und bei der Arbeit im Grossraumbüro das Trommelfall platzt.

Um zu erkennen, dass das Bedürfnis nach alternativen Arbeitsplätzen da ist, muss man nicht die Geschäftsberichte der bestehenden Coworking-Institutionen durchblättern, es reicht ein Blick in eine Starbucks-Filiale. Sie sitzen allein vor dem Laptop, vertieft in die Arbeit, daneben eine Tasse amerikanischen Kaffees. Manche treffen sich auch in kleinen Gruppen, sie diskutieren, skizzieren, denken wieder nach – arbeiten eben. Nicht im Büro, sondern auswärts.

Pläne schmieden beim Pausenkaffee

In der Basler «Mitte» funktioniert ein solches Konzept seit 15 Jahren. Von wegen neuer Trend. Der Co-Geschäftsführer der «Mitte», Daniel Häni, lacht. «Der Zauber des Coworking ist, dass jeder am Schluss mehr Raum hat. Wir haben Arbeitsplätze und Sitzungszimmer, dazu das Kaffeehaus, das alle nutzen können und dazwischen passiert das Wichtigste: der Austausch.»

Nebst der TagesWoche sind im Unternehmen Mitte vor allem Grafiker, Fotografen, Architekten und weitere Leute aus dem Kultur-Kreativ-Bereich eingemietet. Manche haben seit Jahren einen Tisch, andere bleiben nur für kurze Zeit. Viele Geschäftsbeziehungen seien hier entstanden, man lernte sich kennen, schmiedete über dem Pausenkaffee gemeinsam Pläne und, wie im Fall der Wiederverkaufsplattform Revendo, die gebrauchte Apple-Produkte weiterverkauft, kann bald erste Erfolge erzielen.

Flexibilität und Netzwerke

Neben den Kontakten, die geknüpft werden können, ist die Flexibilität ein Hauptargument für die Coworking Spaces. Anstatt eines unbefristeten Mietvertrags können Arbeitsplätze meist auf monatlicher Basis gemietet werden. Die gesamte Büroinfrastruktur ist im Preis inbegriffen. Insbesondere für Start-ups ist diese sehr interessant, sagt Martin Steinbach von Coworking Basel. «Die Büroräume hier verbreiten Designercharme, man fühlt sich bereits erfolgreich, noch bevor die Arbeit überhaupt begonnen hat.»

Höchste Flexibilität bietet der Verein, indem er Arbeitsplätze auch halbtags vermietet. Man wählt dazu das Angebot «Nomade», damit hat man nicht einen fixen, sondern einfach einen freien Arbeitsplatz zugute. Wer sich lieber auf länger einrichtet, der wählt das Angebot «Camper» mit einem Fix Desk. Hier darf die Arbeit auch mal über Nacht liegen bleiben. Im Coworking Basel treffen App-Entwickler, IT-Fachkräfte aber auch Versicherungs-, Kommunikations- oder Lifestyleberater aufeinander. Auch ein Bodenleger und ein Fitnesstrainer haben hier ihren Bürotisch eingerichtet.

Im Gundeldinger Feld ist Geschäftsführer Andreas Erbe gerade dabei, einen Grossevent in eigener Sache zu planen: Ende November steigt die grosse Eröffnungsfeier der Launchlabs. Zwar werden die Räume bereits genutzt, offiziell eröffnet werden sie aber erst im Dezember.

Wo neben Arbeitsplätzen auch Seminarräume oder sogar die ganze Halle gemietet werden können, Workshops neben Events und Alltagsarbeiten stattfinden, darf ein ebenso kreatives, wie produktives Arbeitsumfeld erwartet werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.11.2014, 15:19 Uhr

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