Hohe Mauern sind keine Hindernisse

Sie springen über Hausdächer und rennen Wände hoch. Christian Harmat und sein Team sind Traceure. Heute Abend wollen sie in der TV-Sendung «Die grössten Schweizer Talente» überzeugen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am liebsten würde man die Augen schliessen oder wegschauen; zu gross die Befürchtung, einer der jungen Männer könnte straucheln und sich verletzen. Trotzdem bleiben die Augen offen – ja man reisst sie gar erstaunt auf. Christian Harmat (19), Kevin Fluri (20), Maurice Ndotoni (20) aus Basel und Ruben Buchegger (18) aus Buchs machen den Theaterplatz unsicher.

Diese drei Meter breite Kluft? Kein Problem, ein präziser Sprung und sie ist über­wunden. Die Serra-Plastik steht im Weg? Kein Hindernis, höchstens Herausforderung. Und weshalb den Absprung nicht gleich mit einem Salto garnieren? Die vier Kollegen sind Traceure, so nennt sich, wer Parkour betreibt. Und Parkour ist eine Sportart aus Frankreich, deren Ziel es ist, ohne Hilfsmittel so schnell wie möglich von A nach B zu kommen. Hindernisse wie Bänke, Geländer, Mauern oder Abgründe zwischen Hausdächern werden nicht umgangen, sondern möglichst effizient überwunden. Chris und seine Kumpels verbinden dies mit der Disziplin Free Running, bei der man Hindernisse kunstvoll, etwa mit Saltos oder Schrauben, bezwingt.

Geschlossene Gesellschaft

Ihr Können zeigen die vier, zusammen mit vier weiteren Traceuren, heute Abend in der Sendung «Die grössten Schweizer Talente» auf SF?1. Abgesehen vom Preisgeld von 100'000 Franken erhoffen sie sich durch den Auftritt in der Casting Show mehr Aufmerksamkeit. «Die Par­kour-Community ist eine geschlossene Gesellschaft. Es gibt so viele von uns – und trotzdem weiss das kaum jemand. Wir wollen dieses Underground-Image aber gar nicht», sagt Christian Harmat, der Parkour-Weltmeister in der Disziplin Speed ist.

Deshalb hat der 19-Jährige zusammen mit seiner Freundin und Kevin Fluri vor einem Jahr die Firma «Worlds Parkour Family» gegründet, mit der er auch Trainings anbietet. «Als wir vor vier Jahren mit Parkour begonnen haben, hatten wir keine richtige Anlaufstelle. Das wollten wir ändern», sagt Kevin Fluri. Und Harmat fügt an: «Das Ziel ist, den Jungen Parkour so beizubringen, dass sie nicht immer wieder auf die Nase fallen. Wir wollen, dass das Parkour-Angebot wie Tennis oder Pingpong in einem Heftli steht.»

Weniger Unfälle als beim Fussball

Rund 50 Traceure, zwischen 9 und 30 Jahre alt, trainieren bereits bei «Worlds Parkour Family». Am Anfang müsse man mit ganz simplen Übungen beginnen: «Wir springen zum Beispiel von Treppenstufe zu Treppenstufe oder bleiben sogar ganz am Boden. Wenn man sich dort sicher fühlt, springt man auf etwas Höherem hin und her. So kann man das Niveau immer weiter steigern», erklärt Harmat. Auf diese Weise bilde man den Körper aus und lerne seine Grenzen kennen. «Das Problem ist, dass sich Anfänger oft übernehmen. Das führt zu Unfällen. Wir trainieren aber immer nur im Rahmen des Möglichen», so Maurice Ndotoni, der auch Parkour-Trainings leitet. «Ich würde nie einen Sprung wagen, bei dem ich nicht 100-prozentig sicher bin, dass ich das auch schaffe. Bei uns gibt es viel weniger Unfälle als zum Beispiel beim Fussball», so Harmat.

Weltweit vernetzt. Basel ist neben Genf die Parkour-Hochburg der Schweiz. Harmat schätzt, dass es hier über 100 Traceure gibt. Das sei auch den Trainings zu verdanken, die sie anbieten. Die Par­kour-Family erstrecke sich aber über die ganze Welt. «Die Szene spielt sich im Internet ab. Wir verfolgen über Youtube-Kanäle die Parkour-Videos anderer und kennen so Traceure von überallher.»

Auch Kevin, der angehende Koch, Maurice, der Physikstudent, Ruben, der Gymnasiast, und Chris, der mit seiner Firma selbstständig ist, haben sich zum Teil über Youtube und Facebook kennengelernt. Sein Ziel sei, dereinst von Par­kour-Auftritten und seiner Firma zu leben, sagt Chris, der seine Elektroinstallateurlehre abgebrochen hat. Der Auftritt beim Schweizer Fernsehen könne dabei helfen.

«Die grössten Schweizer Talente» läuft heute Samstagabend um 20.10 Uhr auf SF?1. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.02.2011, 11:16 Uhr

Artikel zum Thema

Der Basler Botschafter des «Parkour»

Mit 24 Jahren kann sich der Basler Steven Käser bereits Eigentümer einer Firma nennen. Mit «ParkourONE» machte er sein Hobby zum Beruf. Mehr...

Dossiers

Paid Post

Fünfmal selber gemacht

Ideen für Selbstgemachtes - und ein Einkaufsgutschein im Wert von 500 Franken zu gewinnen.

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...