«Ich bin erschüttert, wie die Kirche mit einem Menschen umgegangen ist»

Die reformierte Kirche Basel-Stadt löst mit der Entlassung einer Organistin eine Krise aus. Diese war nach 15 Jahren fristlos gekündigt worden.

Verlor ihre 30-Prozent-Stelle. Die Organistin Babette Mondry hofft noch immer auf eine friedliche Lösung.

Verlor ihre 30-Prozent-Stelle. Die Organistin Babette Mondry hofft noch immer auf eine friedliche Lösung.

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Es war eine emotionale Stimmung unter den knapp hundert Teilnehmern vorgestern im Versammlungssaal des Restaurants Zur Mägd. «Ich bin zutiefst erschüttert, wie die Kirche mit einem Menschen umgegangen ist», sagte eine Votantin. Daniel Frei, reformierter Pfarrer, hielt dagegen: «Babette Mondry war nicht kompromissbereit.» Es ging um die im vergangenen November erfolgte Kündigung mit fristloser Freistellung der Organistin Babette Mondry.

Während 15 Jahren hatte sie in der Peterskirche gewirkt und den Freundeskreis Orgelmusik St. Peter aufgebaut. Wie sie sagt, habe der Kirchenvorstand Basel West, also ihr Arbeitgeber, mit ihr nie über Zerwürfnisse gesprochen, schon gar nicht im Hinblick auf eine Kündigung. Allerdings hatte sie am 10. November ein Gespräch mit Hans Martin Tschudi, Präsident des Freundeskreises, und Leonhard Müller, Präsident des Kirchenvorstandes Grossbasel West, aufgenommen. Mondry gab jedoch kurze Zeit später die Tonbandaufnahmen zurück und entschuldigte sich. Die Entschuldigung sei angenommen worden – bis sie am 27. November die Kündigung erhielt. Sie bat darauf den Kirchenvorstand um eine Mediation. Diese jedoch wurde nicht gewährt.

Nun begannen sich die Fronten zu verhärten. Ein Teil des Freundeskreises verlangte eine offizielle Information vom Kirchenvorstand, erhielt diese jedoch nicht. Der Streit eskalierte vollends, als Hans Martin Tschudi den Freundeskreis mitsamt Kasse mit mehreren Zehntausend Franken in einen Verein überführte. «Wo ist die Kasse, wo ist das Geld?», fragte ein langjähriges Mitglied des Freundeskreises am Anlass. Sie habe 15 Jahre lang monatlich etwa hundert Franken einbezahlt und finde es nicht richtig, wenn dies nun quasi beschlagnahmt werde.

Aussprache ohne Ergebnis

Vor dieser Versammlung habe es eine nicht öffentliche Aussprache mit dem Kirchenvorstand gegeben, sagte Richard Bürgi, Initiant der Unterstützungsgruppe für Babette Mondry. Man habe keine Ergebnisse erzielt, jedoch noch einmal deutlich gemacht, dass man das Vorgehen der Kirche nicht goutiere. Auf Angebote von Mondry zur Versöhnung sei der Vorstand nicht eingegangen.

Bürgi las auch einen Brief von Elisabeth Weinrauch vor, die von 2001 bis 2008 in der Peterskirche Sigristin gewesen war. Darin weist sie Schwierigkeiten mit Babette Mondry in aller Form zurück. Die Zusammenarbeit mit ihr sei eine reiche Zeit gewesen, geprägt von fruchtvoller Zusammenarbeit.

Bei den zahlreichen Voten wurde deutlich, dass die Anwesenden vor allem wütend über das Vorgehen des Kirchenvorstandes sind, der sich auf keine vernünftige Erklärung zur sofortigen Freistellung einlässt. «Wir protestieren gegen dieses Schweigen der Kirche», sagte einer. Der Kirchenvorstand berufe sich auf die Schweigepflicht, allerdings habe Babette Mondry ihn davon entbunden. «Eine Kündigung kann man ja aussprechen, doch die Art und Weise schockiert mich. Was hat sie denn verbrochen, dass man sie sofort freigestellt hat?», fragte eine Votantin.

Eingeladen gewesen wären auch Kirchenvorstandspräsident Müller so-­wie Kirchenratspräsident Lukas Kundert. Diese verzichteten auf eine Teilnahme. Anwesend war jedoch Esther Stähelin, Mitglied des Kirchenvorstands. «Bei uns im Vorstand war immer wieder Thema, dass die Zusammenarbeit mit Babette Mondry schwierig ist», sagte sie. Sie kenne Leonhard Müller als sorgfältig arbeitenden, umsichtigen Menschen. Er habe diese Kündigung kaum willkürlich entschieden und auch angemessen informiert.

Freistellung teilweise aufgehoben

Im Laufe der Veranstaltung informierte auch der Anwalt von Mondry, Philippe Nordmann. Das Arbeitsgericht habe am 5. Mai entschieden, dass die Freistellung teilweise aufzuheben sei. Seine Mandantin habe den Schlüssel zurückbekommen und wieder an verschiedenen Gottesdiensten spielen dürfen. Absurd sei auch, dass Mondry unterstellt werde, sie sei eine schwierige Person. «Wäre es so, stellt sich die Frage, weshalb man 15 Jahre lang mit ihr zusammengearbeitet hat und warum sich jetzt so viele Menschen für sie einsetzen.» Und er schloss: «Mir scheint, dass gewisse Leute ein Problem mit starken Frauen haben.»

Doch Pfarrer Daniel Frei sagte zu den Anwesenden: «Machen Sie sich keine Illusionen. Mondry wird nicht wieder in die Peterskirche zurückkehren. Sonst wird eine ganze Reihe anderer Personen kündigen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.05.2015, 09:54 Uhr

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