«Ich möchte das Beste für jeden Menschen»

Der Basler Imam Ardian Elezi fühlt sich schlechtgemacht: Er sei weder ein Schwulenhasser noch ein Antisemit.

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Der Tages-Anzeiger hat diese Woche in einem Artikel schwere Vorwürfe gegen den 27-jährigen Basler Imam Ardian Elezi erhoben. Dieser lege in seiner Moschee in Kleinhünigen DVDs der Koranverteilaktion «Lies!» sowie Schriften des kanadischen Salafisten Bilal Philips aus, gegen den laut dem Tagi wegen des Verdachts auf Hassreden in verschiedenen Staaten ein Einreiseverbot verhängt wurde.

In albanischsprachigen Videobotschaften soll Elezi Homosexualität als «Krebsgeschwür gegen die Moral» bezeichnet haben. Schwule seien «Verbrecher». Der Prediger und Islamwissenschaftler soll zudem verbreiten, dass Allah die Juden als «kaltherzig» bezeichnet habe. Er fordere die Muslime auf, Christen nicht schöne Weihnachten zu wünschen – und er empfehle ihnen, während dem Sommer in ihren Wohnungen zu bleiben: Der Blick auf halbnackte Frauen sei «eine teuflische Versuchung».

Die BaZ hat gestern bei der Moschee an der Neuhausstrasse 21 um ein Interview mit Ardian Elezi angefragt. Von aussen ist nicht zu erkennen, dass sich im Dachstock der Gewerbeliegenschaft ein Gebetsraum für Muslime befindet. Journalist und Fotograf wurden von sehr freundlichen, mehrheitlich bärtigen Männern empfangen, die sie ans mittägliche Freitagsgebet einluden. Dort tauchte dann auch Elezi auf, der seine Predigt vor rund 25, mehrheitlich jungen Gläubigen in deutscher Sprache hielt. Auch er pflegte mit den unangekündigten Medienleuten einen äusserst höflichen Umgang.

Elezi fühlt sich vom Tages-Anzeiger unfair behandelt. Er leiste ehrenamtlich sehr viel «Gutes» für die Moschee und sei falsch dargestellt worden. Der junge Mann wurde in Thun geboren, lebt in Basel und hat am Gymnasium Leonhard die Matura absolviert. Welchem Beruf er nachgeht, wollte Elezi der BaZ nicht sagen: «Das ist privat.»

BaZ: Herr Elezi, Sie haben im Freitagsgebet in Ihrer Predigt angemahnt, die Menschen sollten sich anstrengen, gut und nützlich zu sein. Laut dem Tages-Anzeiger fordern Sie aber Muslime auf, Christen nicht schöne Weihnachten zu wünschen. Wie geht das auf?
Das stimmt so nicht. Ich habe diesbezüglich niemals Forderungen gestellt, sondern es anders erklärt. Als Islamwissenschaftler und islamische Autorität tragen Muslime Fragen an mich heran. Zum Beispiel, ob es erlaubt ist, Christen eine schöne Weihnacht zu wünschen. Als Muslim muss man die Realität der Feste verstehen, die gefeiert werden, bevor man gratuliert. An Weihnachten wird die Geburt Christi gefeiert. Im Islam ist es nicht erlaubt, dieses Fest zu feiern.

Aber fordern Sie Muslime dazu auf, dass sie Christen nicht schöne Weihnachten wünschen sollen?
Nein, das tue ich nicht. Ich erkläre den Muslimen lediglich, dass es im Islam nicht in Ordnung und nicht legitim ist, die Geburt Christi zu feiern oder in diesem Zusammenhang ein schönes Fest zu wünschen. Keiner der Gelehrten hat dies als zulässig empfunden.

Können Sie nachvollziehen, dass angesichts der terroristischen Bedrohung durch islamistische Fanatiker Ihre Aussagen in der Bevölkerung einen alarmierenden Eindruck erwecken? Man fragt sich: Wer sind Sie?
Ich finde es schön, dass Sie in die Moschee gekommen sind, um mit mir zu reden anstatt über mich oder gegen mich. Gestern haben mich Frauen auf Facebook zuerst vorverurteilt. Jetzt stehen wir in Kontakt, und ich freue mich, dass eine Frau sogar persönlich vorbeikommen will. Aber, und das ist mir wichtig: Man muss mich doch nicht dafür tadeln, weil ich eine Frage aus religiöser Sicht beantworte und verdeutliche, wie es im Islam steht. Der feste Glaube an den einzigen Gott ist das Grundelement in unserer Religion, in unserem Leben. Darum ist es aus islamischer Sicht eine Blasphemie, einem Christen schöne Weihnachten zu wünschen. Dass heisst aber sicher nicht, dass wir einem Menschen grundsätzlich Blasphemie wünschen. Ich werde beim Tages-Anzeiger deshalb eine Gegendarstellung einreichen.

Sind Juden hartherzig? Das haben Sie laut dem Tages-Anzeiger gesagt.
Schauen Sie, ich habe einen Vers im Koran erwähnt. Der Kontext war ein ganz anderer, aber das hat den Journalisten nicht interessiert. Es handelte sich um einen albanischen Text.

Geben Sie mir einfach ein Ja oder ein Nein.
Einen Moment. Sie machen es sich zu einfach. Ich halte auch Predigten für Menschen aus Kosovo, Mazedonien und Albanien. Ich habe schlicht einen Vers zitiert. Bei den Albanern, und das war der Kontext, drücken sich einige Menschen falsch aus: Sie sagen, eine Person solle grosszügig sein und ein hartes Herz haben. Ich habe erklärt, dass das islamisch nicht richtig ist. Die Menschen sollten vielmehr weichherzig und sanftmütig sein im Herzen. Vor diesem Hintergrund habe ich den bestimmten Vers im Koran zitiert. Die Aussage ist nicht von mir, sie steht so im Koran.

Sie haben also nichts gegen Juden?
Ich habe nichts gegen Juden, ich bin kein Antisemit. Wie kann ich das sein, wenn Araber auch Semiten sind? Der Prophet Mohammed war auch ein Semit. Ich habe nichts gegen niemanden. Ich möchte das Beste für jeden Menschen. Als Islamwissenschaftler ist es wichtig, dass ich den Menschen erkläre, was gut ist und was nicht gut ist im Kontext des Koran. Ich möchte aber noch etwas anderes weitergeben: Für mich ist wichtig, dass Muslime und Nicht-Muslime authentisch über den Islam aufgeklärt werden. Und zwar in der jeweiligen Landessprache. Deshalb ist diese Moschee so von einzigartiger Bedeutung, auch für die Integration: Hier wird auf Deutsch gepredigt. Ich bin ein Kritiker der vielen Moscheen, die das nicht tun. Das finde ich nicht in Ordnung. Wir müssen in der Schweiz in den Moscheen die deutsche Sprache fördern, damit man uns versteht. Und Muslime müssen Deutsch lernen.

Mit anderen Worten: Obwohl Sie sich stark für die Integration einsetzen, werden Sie nun als Hassprediger hingestellt?
Genau. Obwohl ich so viel beitrage –Sie haben die Freitagspredigt ja mitangehört – werde ich anders dargestellt. Das ist nicht in Ordnung. Ich möchte die Kinder und Jugend weg von Gewalt, Drogen, Alkohol führen. Wir sind überzeugt, dass mit dem Glauben an Allah und der Ergebung zum einzigen Gott dies am effizientesten realisiert werden kann, dann passiert es aus freiem Willen und Überzeugung.

Warum sind Sie der radikalen Ansicht, dass Muslime im Sommer in den Wohnungen bleiben sollen?
Als Religionspädagoge, Prediger und muslimische Autorität zeige ich den Gläubigen, wie sie die höchste Stufe der Frömmigkeit erlangen können. Wissen Sie, ich gehe im Sommer auch hinaus. Wenn ich dazu anrate, die Wohnung nicht zu verlassen, dann deshalb, weil es draussen viel halb nackte Frauen hat. Zu Hause zu bleiben ist ein Vorteil: Damit liefern Sie einen Beitrag, um sexuelle Delikte zu verhindern. Ich verstehe nicht, weshalb ich dafür kritisiert werde. Es gibt so viele Vergewaltigungen, das wollen wir bekämpfen. Wir wollen, dass die Menschen religiöser werden. Zudem ist der Blick auf halb nackte Frauen islamisch gesehen eine Sünde. Daran ist doch nichts schlimm. Im Gegenteil: Damit wird die Würde der Frau geschont.

Wenn die Leute nicht mehr aus ihren Wohnungen sollen, dann fördern Sie damit doch Parallelgesellschaften?
Nein, von Forderungen ist nicht die Rede, sondern von Aufklärung. Mein Wort ist kein Gesetz. Ich gebe nur Anweisungen, wie man die höchste Stufe der Frömmigkeit erreicht.

Der Tages-Anzeiger wirft Ihnen vor, gegen Schwule zu hetzen. Was sagen Sie dazu?
Ich habe nichts dagegen, wenn Homosexuelle in meine Moschee kommen würden oder in meinem Haus welche wohnen. Sehen Sie: Jeder Mensch kann sündigen. Der Beste unter den Sündern ist derjenige, der Reue zeigt. Das habe ich dem Journalisten auch gesagt, diese Aussage hat er im Bericht aber weggelassen. Dass Homosexualität eine Sünde ist, das kann ich nicht leugnen, das ist im Islam so, das ist im Christentum so, das ist in der Thora so. Aber weil die Tat nicht gut ist, muss man nicht den Menschen, das Geschöpf hassen.

Bleiben Sie nach dem Zeitungsartikel über Ihre Person in Basel?
Einige wollen offenbar, dass wir nicht Nutzen für die Gesellschaft bringen. Ich werde jedoch weiterhin versuchen, die Jugendlichen von Drogen, Gewalt und von Alkohol wegzubringen. Ich werde für den Staat ein nützlicher Bürger sein, genau so, wie mich der Islam lehrt, dass ich nützlich für die Gesellschaft bin. Wissen Sie, wie viel Schaden und Kosten für den Staat anfallen wegen der Folgen von Alkohol, Gewalt, Vandalismus, Drogen und so weiter? Junge Menschen, die an Bahnhöfen herumhängen oder vielleicht sogar kriminell werden: Ist das besser als das, was wir möchten, nämlich die Menschen zum Studium zu animieren, zum Beruf, zur Familie, zum Nutzen für die Gesellschaft? Ein frommer Mensch wird ein besserer Mensch. Und ein besserer Mensch wird ein besserer Staatsbürger.

Erstellt: 20.01.2018, 09:16 Uhr

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