«Ich muss auch loslassen können»

Der Basler Unternehmer Thomas Straumann verkauft das Grandhotel Les Trois Rois. Gesucht wird ein neuer Besitzer aus der Region Basel.

Das Les Trois Rois am Rhein gehört zu den traditionsreichsten Nobelherbergen Europas.

Das Les Trois Rois am Rhein gehört zu den traditionsreichsten Nobelherbergen Europas. Bild: Keystone

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Die Gerüchte verdichteten sich in letzter Zeit, dass Thomas Straumann seine beiden Hotels (er besitzt auch das Bellevue in Gstaad) verkaufen wolle. Gegenüber der BaZ bestätigt er nun die Verkaufsabsichten und sagt, weshalb ihm der Ausstieg schwerfällt.

Herr Straumann, weshalb wollen Sie sich von Ihren Hotels in Gstaad und Basel trennen?
Ich habe mich entschlossen, den Hotelleriebereich abzugeben, damit ich mich ganz auf mein Kerngeschäft im Medizinaltechnikbereich mit der Firma Straumannund vor allem der von mir gegründeten Medartis konzentrieren kann.

Wie haben sich die beiden Hotels unter Ihrer Führung entwickelt?
In Gstaad haben wir nach aufwendigen Renovationen ein neues Konzept eingeführt, das gut angekommen ist. Die Umstellung vom Ganzjahres- auf den Saison-Betrieb hat aber erwartungsgemäss einen gewissen Einbruch ergeben. Zudem ist das Umfeld im Tourismus – gerade in den Bergregionen – wegen des starken Schweizer Frankens schwierig. Trotzdem sind wir mit dem Bellevue zufrieden und können eine Auslastung von 55 Prozent verzeichnen. Damit liegen wir hinter dem Budget, aber immerhin zehn Prozent über dem Vorjahr. Das ist erfreulich und zeigt, dass das Konzept stimmt und das lokale Management eine sehr gute Arbeit macht.

Und wie sieht die Bilanz in Basel aus?
Das Les Trois Rois entwickelt sich hervorragend und macht mir viel Freude. Wir liegen mit einer Auslastung von über 60 Prozent weit über dem Budget und haben gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent zugelegt. Das Hotel läuft also bestens und wird auch ausgezeichnet geführt. Operativ ist das Geschäft in den schwarzen Zahlen. Ich habe immer betont, dass sich die Häuser selber finanzieren müssen. Basel kann das.

Trotz dieser guten Aussichten wollen Sie sich aus der Hotellerie zurückziehen?
Es ist mehr ein Vernunfts- als ein Herzensentscheid. Ich kann mich nicht aufteilen und will das, was ich mache, richtig machen. Das war auch in den vergangenen zehn Jahren immer mein Credo, und ich meine, dass es gut gelungen ist. Das Les Trois Rois hat sich in Basel ausgezeichnet etabliert, die Stadt braucht ein solches Hotel. Für mich war es eine Herausforderung, das Hotel neu zu konzipieren und umfassend zu renovieren. Jetzt steht es da, gedeiht und ist bei den Gästen bestens akzeptiert. ­Deshalb kann ich nun einen Schnitt machen und das Haus in andere ­Hände übergeben.

Und Ihre grossen Investitionen für die Renovation schreiben Sie einfach ab?
Wir haben tatsächlich viel investiert. Als ich das Haus damals gekauft habe, war es ziemlich verstaubt, und wir haben es dann nach den ursprünglichen Plänen vollständig erneuert. Ich wusste immer, dass dies mit entsprechenden Kosten verbunden sein wird. Mir ist auch klar, dass ein solches Investment nie voll­umfänglich zurückkommen kann. Ich sehe dies als meinen Beitrag an meine Heimatstadt Basel an.

Und welches sind jetzt die nächsten Schritte?
Es ist mir ganz wichtig, dass neue Besitzer gefunden werden, die die beiden Häuser im bisherigen Stil weiter führen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Bei einem Stadthotel wie dem Les Trois Rois kann man auf institutionelle Gruppen zugehen. Ein solches Haus ist sehr gefragt, und Basel ist eine gute Destination. Es wird sicherlich verschiedene Gruppen geben, die interessiert sind, das Les Trois Rois in ihr Portefeuille aufzunehmen. Auf der anderen Seite finden sich auch Liebhaber, die ein solches Traditionshotel gerne in ihre Kollektion integrieren würden und persönliche Freude daran hätten. Ideal wäre es natürlich, wenn der neue Besitzer jemand ist, der aus der Region kommt. Das wäre meine Traumlösung.

Laufen schon erste Gespräche?
Ich habe gestern die Mitarbeiter und auch den Basler Regierungspräsidenten über meine Verkaufsab­sichten informiert. Der Verkaufsprozess wird jetzt eingeleitet. Mit Unterstützung eines externen Beraters sind auch bereits die Zielgruppen definiert worden, die wir angehen wollen.

Haben Sie sich eine bestimmte Frist gesetzt?
Nein, ich stehe nicht unter Zeitdruck, sondern will mir die nötige Zeit nehmen, um für beide Häuser den richtigen Investor zu finden. Der Betrieb soll in Gstaad wie in Basel ruhig weitergehen können.

Werden nur beide Hotels zusammen verkauft?
Es wäre natürlich schön, beide Hotels könnten im Paket neu platziert ­werden. Wir haben unter dem Namen «Spirit» versucht, unsere kleine Gruppe im Markt zu etablieren. Es gibt ­gewisse Funktionen, die zentral für beide Häuser ausgeübt werden. Aber es ist auch möglich, die beiden Hotels zu trennen. In Gstaad haben wir ein Spa-, Wellness- und Ferienhotel, und in Basel ein traditionelles Grand- hotel. Das sind zwei verschiedene Welten. Wir warten jetzt einmal ab, was die Gespräche mit Interessenten bringen.

Man hat immer gemerkt, dass Sie eigentlich viel Spass an Ihren beiden Hotels haben. Fällt Ihnen dieser Vernunftentscheid, wie Sie es nennen, schwer?
Ja, auf jeden Fall. Deshalb ist es mir wichtig, dass sich die neuen Hotel­besitzer den Häusern ganz widmen können und sie weiter entwickeln. Die Zukunft bringt neue Heraus­forderungen, und denen muss man sich mit ganzer Kraft stellen. Da ich mich künftig vermehrt auf mein Kerngeschäft konzentrieren möchte, muss ich bei den Hotels auch los­lassen können. Bislang konnte ich ­alles unter einen Hut bringen, doch das wirtschaftliche Umfeld hat sich verändert und verlangt, dass ich mich stärker fokussiere.

Sie haben in dieser Woche auch Ihre Mehrheitsbeteiligung bei der Uhrenfirma Moser & Cie abgegeben. Das war eine Ihrer Leidenschaften, die andere gilt dem Pferdesport. Werden Sie dem CSI Basel weiterhin verbunden bleiben?
Mein Engagement für den CSI Basel bleibt, keine Frage. Mit Willy Bürgin haben wir einen Anlass entwickelt, der sehr gut aufgenommen worden ist und viel Freude macht. Die neuen Investoren von Moser haben auch ­zugesichert, dass sie im kommenden Jahr den CSI Basel weiter unter­stützen werden und auch über das Jahr 2014 diskutieren wollen. Das gibt uns Zeit, das ganze Sponsoring zu durchleuchten und allenfalls über einen neuen Titelsponsor nachzu­denken, wie wir es ohnehin vor­hatten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.09.2012, 08:59 Uhr

Thomas Straumann engagiert sich in der Region. (Bild: Elena Monti)

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