«Ich werde nicht schulmeistern»

Elisabeth Ackermann vom Grünen Bündnis hat am Mittwoch das Grossratspräsidium übernommen. Zur Statthalterin wurde Dominique König-Lüdin (SP) gewählt. Damit stehen erstmals zwei Frauen an der Spitze des Basler Parlaments.

Sie stehen 2015 an der Spitze des Grossen Rats: Präsidentin Elisabeth Ackermann und Statthalterin Dominique König-Lüdin (v.r.).

Sie stehen 2015 an der Spitze des Grossen Rats: Präsidentin Elisabeth Ackermann und Statthalterin Dominique König-Lüdin (v.r.). Bild: Keystone

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Als Musiklehrerin am Gymnasium Liestal braucht Elisabeth Ackermann Taktgefühl. Und: Sie muss auch mal den Takt angeben. Beides Eigenschaften, die ihr als Grossratspräsidentin – sie wurde am Mittwoch gewählt (siehe Box) – dienlich sein könnten. «Meine pä­­dagogische Ausbildung hilft mir sicher bei diesem Amt, ja. Was aber nicht heisst, dass ich im Grossen Rat schulmeisterlich auftreten werde», meint sie und lacht.

Vielmehr habe ihr die Erfahrung als Lehrerin gezeigt, dass sie mit der nötigen Gelassenheit und Ruhe auch schwierige Situationen meistern kann. Und, ebenfalls wichtig: Sie hat neben Feingefühl auch Verständnis für andere Sichten beziehungsweise Meinungen entwickelt. «Eine Strategie habe ich mir nicht überlegt. Ich möchte den Rat mit bestem Wissen und Gewissen führen, Raum für Diskussionen lassen, aber im richtigen Moment auch Entscheide herbeiführen.»

Konzentration auf das Wesentlichste

Was sie sich für das Jahr politisch sonst noch vorgenommen hat? «Wichtig ist, dass sich die Kommissionen auf das Wesentliche, auf die Geschäfte konzentrieren. Und dass während der Behandlung nichts vorgängig nach aussen an die Medien dringt. Das kann Geschäfte gefährden, auch torpedieren. Darauf möchte ich in meiner Funktion als Ratspräsidentin nochmals alle Parlamentsmitglieder hinweisen.»

Ausserdem freut sich Ackermann auf die vielen Begegnungen im 2015. Als «höchste Baslerin» hat sie auch eine Repräsentationsfunktion und ist an den offiziellen Anlässen des Kantons eingeladen. Diesen Einladungen werde sie gerne folgen, sagt die grüne Politikerin, «ich bin überzeugt, dass ich die Stadt Basel und den Kanton, ihre Geschichte und Menschen dadurch noch besser kennenlernen kann».

Vertraut mit Zahlen

Für die Politik hat sich Elisabeth Ackermann schon früh begeistern können. Als 13-jähriges Mädchen eiferte sie ihren drei älteren Brüdern nach und schloss sich der Anti-AKW-Bewegung an. Mitte zwanzig gehörte sie dann zu den Gründungsmitgliedern der GAP (Grüne Alternative Partei), die sich später mit anderen Gruppierungen zur Grünen Partei Basel-Stadt zusammenschloss.

Im Jahr 2006 rückte Ackermann in den Grossen Rat nach, in der letzten Legislatur sass sie als Vizepräsidentin in der Wirtschafts- und Abgabekommission, seit Februar 2013 sitzt sie in der gleichen Funktion in der Finanzkommission. «Ich bin schon sehr zahlenaffin», erklärt Ackermann ihr Interesse für finanzielle Angelegenheiten. Sie hat eine naturwissenschaftliche Matur abgelegt und danach ein Semester Wirtschaft studiert, bevor sie die Aufnahmeprüfung an die Musikhochschule bestand. «Finanzen hören sich nach einer trockenen Materie an. Aber am Ende müssen sehr viele Geschäfte unsere Kommission durchlaufen. Dieser umfassende Einblick macht die Arbeit so spannend.»

Als Statthalterin ist Elisabeth Ackermann die Nachfolgerin des FDP-Parlamentariers Christian Egeler. Neue Statthalterin wird Dominique König-Lüdin (SP). Als Vize konnte auch Ackermann bereits wertvolle Erfahrungen sammeln beziehungsweise die Perspektive einer Ratspräsidentin einnehmen. «Wenn man das Parlament vor sich sitzen hat, bekommt man viel mehr mit. Falls jemand den Betrieb mutwillig stören sollte, werde ich auch mal Grenzen aufzeigen», stellt Ackermann klar. Sie, die bis anhin eher als moderate Politikerin aufgefallen ist. Es dürfte für alle Beteiligten ein spannendes Jahr werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.01.2015, 13:54 Uhr

Erstmals zwei Frauen an der Spitze

Der baselstädtische Grosse Rat wird ein Jahr lang von Elisabeth Ackermann (Grünes Bündnis) präsidiert. Das Kantonsparlament wählte die 51-jährige Musiklehrerin am Mittwoch zur Präsidentin. Neue Statthalterin und damit designierte Präsidentin ist Dominique König-Lüdin (SP).

Ackermann, die in ihrem neunten Jahr im Parlament steht, wurde mit 79 von 89 gültigen Stimmen an die Spitze gewählt - zehn Zettel waren leer. König-Lüdin wurde anschliessend mit 67 von 92 gültigen Stimmen zur neuen Statthalterin gewählt.

Bei der Vize-Wahl gingen zwei Stimmen an andere; 23 Zettel waren leer. Die 57-jährige König-Lüdin steht in ihrem zehnten Grossratsjahr. Gemäss Rotationsprinzip ist die SP-Fraktion im kommenden Jahr an der Reihe für das Parlamentspräsidium.

Mit dieser Wahl stehen erstmals in der Geschichte zwei Frauen an der Spitze des baselstädtischen Kantonsparlamentes. Überdies sind zufällig beide Musiklehrerinnen.
sda

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