In Genf ist das Flexity-Tram bereits Routine

Das neue Tram der BVB leistet an der Rhone gute Dienste – trotzdem kauft Genf nun Tango-Trams von Stadler Rail.

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Das Flexity-Tram heisst in Genf Cityrunner und unter dieser Bezeichnung rollt das Tram von Bombardier, das gestern den Baslern und Baslerinnen vorgestellt wurde, seit 2004 auf den Schienen des Genfer Tramnetzes. 39 Züge waren zwei Jahre zuvor bestellt worden. Seit ein paar Jahren sind sie alle im Einsatz. Die Cityrunner machen fast die Hälfte der 85 Züge zählenden Tramflotte aus.

«Wir sind im Bereich der Routine mit dem Cityrunner», sagt Philippe Anhorn, Sprecher der Genfer Verkehrsbetriebe TPG. Die Kundenzufriedenheit sei gut. Die Passagiere hätten sich bis jetzt kaum negativ geäussert. Auch auf der technischen Seite lautet der Tenor: Alles im grünen Bereich. Bis jetzt habe der Cityrunner keine grösseren technischen Probleme verursacht. Das wird man in Basel nach dem Grounding der Combino-Flotte gerne hören.

Sitzplätze sind schnell weg

Unsere kleine Probefahrt führt von Plainpalais in Richtung Moillesulaz bis zur französischen Grenze bei Annemasse. Die Linie zwölf Palettes-Moillesulaz ist eine Institution in Genf. Sie hat in doppelter Hinsicht historische Bedeutung. Der Zwölfer wurde 1862 als erste Tramlinie in Genf in Betrieb genommen. Genf war im 19. Jahrhundert Pionierstadt in Sachen Strassenbahn. Zudem ist sie die einzige Linie, die den Kahlschlag überstanden hat, der zwischen 1945 und 1969 beim Genfer Tramnetz veranstaltet wurde. Die Zukunft, so glaubte man damals, gehöre einzig und allein dem Auto.

Wir starten an einem Freitagnachmittag, kurz nach der Mittagspause. Der Zwölfer in Richtung Moillesulaz ist um diese Tageszeit wie immer gut besetzt. Die Sitzplätze sind schon alle weg; wir müssen stehen. Das ist nicht weiter schlimm, denn es gibt ausreichend Möglichkeiten, sich festzuhalten. Im Eingangsbereich haben sich eine junge Mutter und ein junger Vater mit ihren Kinderwagen installiert. Es sind keine besonders sperrigen Kinderwagen. Ein- und aussteigende Passagiere kommen deshalb bestens an den vieren vorbei. Das wird sich ein paar Stationen weiter ändern, wenn eine Mutter mit einem Zwillingskinderwagen zusteigen wird. Ein- und Aussteigen ist bei dieser Tür kaum mehr möglich.

Ein leichtes Holpern in der Kurve

Die Fahrt beginnt mit einer paar leichten Kurven. Sie offenbaren die Schwachstelle des Cityrunners: das leichte Holpern in den Kurven. «Das ist uns bekannt», sagt Anhorn von den TPG. Die Unruhe rühre daher, dass der Cityrunner, im Gegensatz zum Tango, über die ganze Länge niederflurig sei. Auf der Rue du Marché und auf der Rue de la Croix d’Or gleitet der Cityrunner dagegen sanft an Schaufensterauslagen und Marroniständen vorbei.

Viel Tempo erreicht er hier nicht. Die Haltestellen kommen Schlag auf Schlag: Bel-Air, Molard, Rive. Die Türen bleiben kaum ein paar Dutzend Sekunden offen. Das Ein- und Aussteigen geht schnell. Später, vor Chêne-Bougeries, werden die Abstände zwischen den Haltestellen grösser. Wir sind nun mit einem beachtlichen Tempo unterwegs, obwohl es bergauf geht. Dem Komfort tut das hohe Tempo keinen Abbruch. Fazit: Der Cityrunner ist kein luxuriöses, aber ein bequemes Tram, das den Genferinnen und Genfern in den letzten Jahren ans Herz gewachsen ist. Es hat einen wichtigen Beitrag zur Renaissance geleistet, welche das Tram seit den Neunzigerjahren in Genf erlebt.

Trotzdem haben die Genfer Verkehrsbetriebe TPG erst kürzlich bei der Beschaffung der nächsten Tramgeneration dem Tango von Stadler Rail den Vorzug gegenüber dem Cityrunner gegeben. «Daraus darf man nicht schliessen, dass wir mit dem Cityrunner unzufrieden sind», sagt Anhorn.

Kriterien besser erfüllt

Die beiden Offerten seien fast gleichwertig gewesen, sagt Anhorn. Was den Ausschlag gegeben habe, lasse sich nicht sagen. Stadler Rail habe übers Ganze den Kriterienkatalog besser erfüllt. Drei Tango-Trams zirkulieren bereits probeweise in Genf.

Ab 2012 soll Stadler Rail im Monatstakt liefern. 117 Fahrzeuge soll die Flotte künftig zählen. Zudem wurde mit Blick auf den Fahrplanwechsel in ein paar Wochen das ganze Netz neu gestrickt. Erst vor ein paar Wochen habe sich eine Delegation aus Zürich die Fortschritte in Genf in Sachen Tramverkehr angeschaut, sagt Anhorn. Keine Frage: Genf ist zurück als Tramstadt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.11.2011, 13:19 Uhr

Das neue BVB-Tram im Werbevideo von Bombardier.

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