Initianten der Basler Dialekt-Initiative halten an Forderung fest

Der Basler Grosse Rat befasst sich diese oder nächste Woche mit der Initiative «Ja zum Dialekt»: Diese will, dass in den Kindergärten der Dialekt vorrangige Unterrichtssprache bleibt. Einen Gegenvorschlag der Regierung akzeptieren die Initianten höchstens abgeändert.

In den Kindergärten soll häufiger Dialekt als Hochdeutsch gesprochen werden.

In den Kindergärten soll häufiger Dialekt als Hochdeutsch gesprochen werden. Bild: Margrit Müller

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Ob im Kindergartenunterricht Dialekt oder Hochdeutsch geredet werden soll, ist im Stadtkanton seit Jahren ein Politikum. Seit 2008 setzt sich gegen Hochdeutsch als Hauptsprache die Basler Interessengemeinschaft Dialekt (IG Dialekt) ein. Die Regierung hat inzwischen teils nachgegeben - aus Sicht der IG aber zu wenig, wie sie am Dienstag vor den Medien verlautete.

Die 2009 von der IG eingereichte Volksinitiative «Ja zum Dialekt» will, dass der Dialekt Unterrichtssprache in den Kindergärten und Hochdeutsch nur in Zeitfenstern gefördert wird. Die Regierung hat dem einen Gegenvorschlag gegenüber gestellt, der stattdessen «gleichwertige Lernziele» für Dialekt und Hochdeutsch verankern will.

Die IG will nun aber mit einem «Gegen-Gegenvorschlag» kontern: Mit einem Änderungsantrag zum Gegenvorschlag im Parlament soll der Vorrang des Dialekts im kantonalen Schulgesetz festgehalten werden. Nur falls der Regierungsvorschlag so geändert werde, könnte die Initiative zurückgezogen werden, hiess es.

Gegen Vorrang für Hochdeutsch

Gemäss der Regierungsvorlage solle auch mit dem Gegenvorschlag Hochdeutsch «etwas privilegiert» sein und dessen Anteil «mindestens 50 Prozent» ausmachen, rügte die IG. Werde ihr Änderungsantrag aber abgelehnt, sehe sie einer Volksabstimmung gelassen entgegen: Schon die 5000 Unterschriften für die Initiative seien in wenigen Wochen zusammengekommen.

Einen ersten Erfolg hatte die IG bereits 2008 verbucht: Damals hatte der Kanton die einstige Idee fallen gelassen, Hochdeutsch in den Kindergärten als Alleinsprache einzuführen. Indes beschloss der Erziehungsrat dann gestützt auf einen Versuch, dass ab Schuljahr 2009/2010 zu mindestens 50 Prozent Hochdeutsch zu sprechen sei.

Kein Folkloregebrauch

Der Gebrauch des so genannten Standarddeutsch soll laut der Regierung der Sprachförderung und auch der Chancengleichheit dienen. Dialekt sei in der Schweiz jedoch Umgangssprache, die auch von Fremdsprachigen verstanden werden solle und nicht auf den Folkloregebrauch beschränkt werden dürfe, meint die IG.

Ein Thema war Hochdeutsch in den Kindergärten in den letzten Jahren auch in andern Deutschschweizer Kantonen. Im Kanton Zürich stehen sich eine Initiative und ein Gegenvorschlag der Regierung gegenüber; je ein Drittel des Unterrichts sind dort heute für Hochdeutsch und Dialekt vorgesehen. Die Abstimmung steht noch aus. (stu/sda)

Erstellt: 12.10.2010, 17:01 Uhr

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