Riehen

Initiative gegen innere Verdichtung

Riehen soll seine Parkanlagen, Villengärten und alten Bäume besser schützen. Dies fordert zumindest die EVP.

Schwindendes Gru?n. Beim Niederholz entstanden mehrere Geba?ude mit Alters- und Pflegewohnungen.

Schwindendes Gru?n. Beim Niederholz entstanden mehrere Geba?ude mit Alters- und Pflegewohnungen. Bild: Erich Meyer

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Klimawandel, Hitzesommer, Trockenheit, heimliches Fällen von wertvollen Bäumen – die EVP Riehen will mit einer Doppelinitiative gesetzliche Lücken schliessen. «Dank seinen zahlreichen Grünflächen in Parkanlagen, Alleen und Privatgärten gilt Riehen zu Recht als das «grosse grüne Dorf», sagt Rudolf Brenner, der im Initiativkomitee von «Riehen – gib dem Grün eine Chance I und II» sitzt. «Die starke Durchgrünung des Siedlungsgebietes trägt nicht nur optisch, sondern auch durch ihre kühlende Wirkung zum Wohlbefinden von uns Einwohnern bei», sagt Brenner. Und er ist sich sicher: «Hitzewellen werden in Zukunft zunehmen.»

Zwar könne eine Gemeinde wie Riehen wenig gegen die globale Klimaerwärmung tun, aber auf lokaler Ebene könne sie der Entwicklung und ihren für den Menschen negativen Folgen entgegenwirken, so Brenner. Beispielsweise durch den Schutz von Grünanlagen. «Zurzeit sind nicht einmal unsere wichtigsten Parks planungsrechtlich gesichert: Sie sind grösstenteils im Zonenplan bloss als Grünanlagen ausgewiesen, haben aber keinen weitergehenden Schutzstatus, zum Beispiel als unantastbare Natur-Gartendenkmäler.»

Historische Anlagen erhalten

Das Leitbild «Riehen 2016–2030» enthalte zwar das Ziel, die Qualität der historischen Parkanlagen und deren Erholungswert für die Bevölkerung zu bewahren, sagt Brenner. Jedoch: «Diesem selbst gesteckten Ziel lebt die Gemeinde leider nur ungenügend nach, so stammt etwa das Parkpflegewerk des Sarasinparks aus dem Jahr 1997.» Für Brenner ist eine Anpassung deshalb dringlich.»

Die Initiativen möchten die Gemeinde verpflichten, bei künftigen Bauprojekten ihre Einflussmöglichkeiten im Sinne möglichst weitgehender Durchgrünung optimal zu nutzen, wo immer möglich durch Erhaltung bestehender, älterer Bäume. Gemäss dem kantonalen Natur- und Landschaftsschutzgesetz könne die zuständige Behörde zur Einbindung der Natur in eine Überbauung eine entsprechende Lebensraumgestaltung durch Bepflanzung zur Auflage machen, heisst es in einem Argumentarium der Initianten. «Die Gemeinde kommt dem ungenügend nach, wenn sie im Zuge der fortschreitenden Verdichtung kein Konzept hat, wie dem Verlust von Naturwerten in der Siedlung begegnet werden kann, etwa durch eine weitgehende Erhaltung bestehender oder klimagerechte Neuanpflanzung von Bäumen und Sträuchern», sagt Brenner. Riehen hat in den vergangenen Jahren – unter anderem auf Druck von Basel und als Folge von ständig nach oben schiessenden Bodenpreisen – kontinuierlich verdichtet.

Im neuen Zonenplan wurden mehrere Gebiete in die Bauzone genommen, und es wurden Bebauungsvorschriften gelockert, damit grössere und höhere Gebäude auf einem Grundstück errichtet werden können. In den letzten drei Jahren entstand beispielsweise am Niederholz eine Wohnsiedlung mit mehreren Gebäuden; für das neue Adullam-Pflegeheim wurde ein historisches Gebäude abgerissen und ein geräumiger Garten musste weichen; bei der Grendelmatte sind Häuser auf grüner Wiese geplant, und das Stettenfeld, das heute noch meist aus Wiesen, Obstbäumen und Schrebergärten besteht, darf ebenfalls überbaut werden.

Für die Initiativen ist auch der Schutz alter Bäume ein Thema. «Alte Bäume können das Mikroklima im Siedlungsgebiet positiver beeinflussen als junge, kleine. Sogenannte Ersatzpflanzungen für gefällte alte Bäume helfen bestenfalls nach Jahrzehnten. Dies ist besonders im Zuge der fortschreitenden baulichen Verdichtung unseres Dorfes zu beachten», sagt Brenner.

Kompromisse nötig

Es sei richtig, dass es keinen eigentlichen juristischen Schutz von Parks und Grünanlagen gebe, diese jedoch als solche im Zonenplan festgelegt seien, erklärt Felix Wehrli (SVP), der im Riehener Gemeinderat zuständig ist für die Grünanlagen. Deshalb könne dort nicht einfach so gebaut werden. Aber: «Die Politik will aber auch eine innere Verdichtung mit günstigem Wohnraum – so auch die Initianten –, was im Einzelfall zu Kompromissen führen muss. Auf der anderen Seite aber möchte ich natürlich auch, dass gerade alte Bäume – wenn immer möglich – stehen bleiben können», sagt Wehrli.

Hinter das Begehren, dass die Gemeinde den Eigentümern von privaten Landparzellen Vorschriften machen kann, welche über den erst kürzlich verabschiedeten Zonenplan hinausgehen, setzt er Fragezeichen. «Das würde rechtlich kaum Bestand halten», sagt Wehrli.

Umfrage

Obwohl Riehen über 20'000 Einwohner zählt, konnte es seinen sympathischen Dorfcharakter bewahren. Soll die Gemeinde weiter verdichtet werden?

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Nein

 
73.0%

727 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 13.11.2018, 06:31 Uhr

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