Interpharma spendiert Professur

Stefan Felder stärkt an der Uni Basel Lehre und Forschung in Gesundheitsökonomie. Mit der neuen Stiftungsprofessur wird die Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Pharmaindustrie vertieft. Interessenkonflikte befürchten die beteiligten Partner keine.

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Es seien immer die gleichen Fragen, sagt Beat Münch, die er sich anhören müsse, wenn Journalisten anrufen. Münch ist an der Uni zuständig für die Partnerschaften mit Sponsoren und Stiftern. Stets würde er gefragt: «Ist durch diese Zusammenarbeit nicht die Unabhängigkeit der Lehre gefährdet?» Und stets muss er verneinen, zuweilen auch energisch widersprechen.

Gestern Freitag war Münch wieder gefordert: Die Uni Basel hat Stefan Felder als neuen Lehrstuhlinhaber für Gesundheitsökonomie präsentiert. Bezahlt wird die Professur von Interpharma, der Interessenvertreterin der Pharmaindustrie. Wie viel das Engagement kostet, lassen die Beteiligten offen. Die Uni Basel verweist auf Interpharma; deren Geschäftsführer Thomas Cueni spricht vage von einem mehrfachen Millionenbetrag für die gesamte Dauer. Bezahlt wird dieser aus dem laufenden Budget von Interpharma.

Der Wahrheit verpflichtet

Felder, der in Sursee geboren wurde, war die letzten 13 Jahre in Deutschland tätig, zuletzt lehrte er Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Gesundheitsökonomie an der Uni Duisburg-Essen. Zurück in die Schweiz zogen ihn einerseits familiäre Gründe, sagt er. Andererseits stehe die Gesundheitsökonomie in der Schweiz vor einem Umbruch: «Es gibt einen Generationenwechsel in der Lehre, das ist für mich eine grosse Chance.» Zumal er damit rechnet, dass dieser Bereich zunehmend Beachtung finden werde: «Politisch steht die Schweiz im Gesundheitswesen vor einer gewaltigen Herausforderung.» Felder geht davon aus, dass die Versicherungsprämien deutlich ansteigen werden. «Man wird den Leistungskatalog der Grundversicherung beschränken müssen.»

In diesem Szenario dürften auch die Spannungen zwischen den Interessengruppen, darunter die Medikamentenhersteller, zunehmen. Felder hat aber keine Angst, dass seine Forschungsarbeiten besonders skeptisch beäugt werden, weil er seinen Lohn von Interpharma erhält. «Ich bin nur der Wahrheit verpflichtet», sagt er.

Zustande kam Felders Berufung auf eine Initiative des ehemaligen Dekans des Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrums, Silvio Borner, der mittlerweile pensioniert ist. Dieser wollte das wichtige Feld der Gesundheitsökonomie stärken. So entstand die Zusammenarbeit, erzählt Cueni, der sich vom Lehrstuhl mehr gut ausgebildete Gesundheitsökonomen erhofft sowie Forschungsbeiträge zur gesundheitspolitischen Diskussion, beispielsweise zur Bewertung von Nutzen und Kosten von Gesundheitsleistungen oder zur Regulierung der Krankenversicherung. Felders Forschung könne auch den Interessen der Pharmaindustrie widersprechen, versichert Cueni: «Er ist unabhängig.»

Widersprüchlich

Beat Münch sagt, dass Interpharma laut Vereinbarung keinen Einfluss auf Lehre und Forschung nehmen kann. Auch die Berufung Felders sei vollkommen unabhängig erfolgt: «Die Universität hat das entschieden. Interpharma war nicht eingebunden.»

Das stimmt jedoch nicht hundertprozentig: Interpharma-Geschäftsführer Cueni war laut Felder in den Entscheidungsprozess involviert. Er sass im Ausschuss, der die Kandidaten anhörte und die Empfehlung an die Unileitung abgab. Cueni hatte zwar kein Stimmrecht, war aber beratendes Mitglied. Felder sagt, es sei zu einer heftigen Diskussion mit Cueni gekommen, weil er zu einem Regulierungsaspekt bei Medikamenten referiert habe.

Verschieden sind auch die Ansichten über die Dauer des Engagements von Interpharma. Münch spricht von fünf Jahren: «Wenn die Interpharma sich dann zurückzieht, wird die Uni die Professur alleine finanzieren.» Cueni hingegen spricht von einem längerfristigen Vertrag, der deutlich über fünf Jahre hinausgeht: «Die Industrie will einen permanenten Lehrstuhl».

Unumstritten ist, dass das Verhältnis von Universität und Pharmabranche enger wird. Roche, Novartis, Bayer und weitere Firmen unterhalten bereits mehrere Stiftungsprofessuren. Neu haben sie jetzt auch ein Standbein in den Sozialwissenschaften. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.10.2010, 08:26 Uhr

Rückkehrer: Stefan Felder (50) kommt von Duisburg nach Basel. (Bild: Andreas Friese)

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