Intrigen und Sexbilder kosten BVB-Direktor den Kopf

BVB-Direktor Jürg Baumgartner belästigte Mitarbeiterinnen mit schlüpfrigen Handy-Fotos. Ausserdem mobbte er den ehemaligen Vizedirektor Georg Vischer.

BVB-Direktor Jürg Baumgartner (mitte) räumt seinen Arbeitsplatz per Ende Januar 2014. Bereits weg ist Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath (links).

BVB-Direktor Jürg Baumgartner (mitte) räumt seinen Arbeitsplatz per Ende Januar 2014. Bereits weg ist Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath (links). Bild: Nicole Pont

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BVB-Direktor Jürg Baumgartner hat offenbar mehrere Frauen mit SMS und Handy-Fotos bedrängt. In den Mitteilungen machte er anzügliche Bemerkungen und in den Fotos zeigte er sich sehr freizügig. Auch wenn die Frauen ausdrücklich keine Nachrichten von ihm wünschten und nur geschäftlich mit ihm verkehren wollten, suchte er immer wieder den Kontakt. Dies ist Jürg Baumgartner nun zum Verhängnis geworden. Für den neuen Verwaltungsratspräsidenten Paul Blumenthal war dieses Benehmen seines Direktors nicht tolerierbar. Er forderte ihn auf, seine Demission einzureichen, was der BVB-Direktor schliesslich auch tat.

Über Baumgartners «Probleme mit Frauen» wurde die BaZ schon früher über anonyme Kanäle informiert und verzichtete in Anbetracht der damals nicht erhärteten, schweren Vorwürfen auf eine Berichterstattung. Aber offenbar hatte der Mann in Sitzungen anwesende Frauen beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) fotografiert – angeblich für sein privates Fotoalbum. «Für die Frauen war es schwierig, sich in dieser Situation zur Wehr zu setzen, war doch Baumgartner ihr fachlicher Vorgesetzter», hiess es im E-Mail an die BaZ.

Auch in Basel überwarf sich Baumgartner mit dem Personal. Wegen Burn-outs war die Mediensprecherin der BVB monatelang arbeitsunfähig und trat ihre Arbeit erst kürzlich wieder an.

Georg Vischer gemobbt

Seit August ist auch der ehemalige BVB-Vizedirektor Georg Vischer, ehemaliges Fasnachtskomitee-Mitglied, krankgeschrieben. Wie Recherchen der BaZ zeigen, versuchte der BVB-Direktor seinen Kollegen mit 17-jähriger Betriebserfahrung auch aus dem Koordinationsausschuss des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) abzuziehen. Dafür hätte BLT-Direktor Andreas Büttiker, der diesen Ausschuss leitet, ein kompromittierendes E-Mail über Georg Vischer schreiben sollen. Baumgartner muss sich darum Mitte August im persönlichen Gespräch an Büttiker gewandt haben, mit der Bitte, in einem Schreiben der Unzufriedenheit über Georg Vischer Ausdruck zu verleihen. Büttiker hat sich geweigert und stattdessen Baumgartners verbindliche Teilnahme am Koordinationsausschuss eingefordert.

Auf dem Weg, Vischer aus den Ämtern zu hieven, kam es zu einer Gegenüberstellung der beiden in Anwesenheit zweier Anwälte. Dabei erwähnte Baumgartner angeblich E-Mails von Andreas Büttiker, die nie geschrieben worden waren. Diese intriganten Vorgänge bestätigte Georg Vischer, bezeichnete aber alles darüber hinaus «als zu heikel», um Stellung zu nehmen.

Gestern Nachmittag wollte die BaZ mit Jürg Baumgartner in einem zugesagten Interview über seinen Führungsstil sprechen und bat insbesondere um eine Stellungnahme zu den Sexbildern.

«Ich stehe zu den Fehlern»

Die BVB-Führung hat das Interview daraufhin zurückgezogen und stattdessen die Demission von Baumgartner in einer Medienmitteilung beschönigend dargestellt. Er ziehe seine Konsequenzen aus den anhaltenden Diskussionen um seine Person, welche es ihm verunmöglichten, die operative Weiterentwicklung des Unternehmens und ein Wiederherstellen des Vertrauens in die BVB-Führung erfolgreich umzusetzen, heisst es in der Mitteilung. Und Baumgartner wird zitiert: «Ich stehe voll und ganz zu den Fehlern, die passiert sind, und hätte gerne den Beweis angetreten, dass diese zu beheben sind.» Die fortlaufenden Debatten hätten zu viele Ressourcen absorbiert und dem Ansehen der ganzen BVB geschadet.

Der neue Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal zeigte Verständnis für den Schritt und bedauert diesen. Er würdigt die Verdienste Baumgartners. Der BVB-Direktor wird seine Verantwortung voraussichtlich noch bis Ende Januar 2014 wahrnehmen.

Noch-BVB-Verwaltungsrat Michael Wüthrich sah sich gestern genötigt, Aussagen, die Regierungsrat Hans-Peter Wessels zu den Vorgängen gemacht hatte, zu kommentieren: «Als Verwaltungsrat der BVB (bis 31.12.2013) und Mit-­Initiator der Untersuchungen, deren Resultate im Bericht der Finanzkontrolle zur BVB festgehalten sind, muss ich darauf hinweisen, dass partielle Veröffentlichungen durch Regierungsrat Wessels irreführend sind.» Wüthrich verlangt eine Offenlegung des Berichts der Finanzkontrolle in der Geschäftsprüfungskommission. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.12.2013, 07:31 Uhr

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