Jeder blaue Parkplatz ist verkauft

Neue Parkkarten verschärfen die Parkplatzknappheit – trotzdem werden sie vom Kanton munter weiterverkauft. Während die Verfügbarkeit sinkt, steigen die Einnahmen.

Blaue statt weisse Parkplätze: Wegen der neuen Parkraumbewirtschaftung verschwinden zeitlich unbegrenzte Abstellzonen.

Blaue statt weisse Parkplätze: Wegen der neuen Parkraumbewirtschaftung verschwinden zeitlich unbegrenzte Abstellzonen. Bild: Lukas Bertschmann

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Seit Jahren werden in Basel deutlich mehr Anwohnerparkkarten verkauft, als Parkplätze zur Verfügung stehen. Rund 22'000 Parkkarten waren es im Jahr 2013 – das entspricht etwa den Zahlen der Vorjahre. Damit dürfen die Anwohner in ihrem Quartier das Auto zeitlich unbegrenzt in der blauen Zone abstellen. Vorausgesetzt sie finden überhaupt einen freien Parkplatz. Denn der Preis für die Parkkarte ist eine staatliche Gebühr ohne garantierte Gegenleistung. «Mit dem Kauf einer Parkkarte erhält man keinen Anspruch auf einen freien Parkplatz», sagt Andreas Knuchel, Sprecher der Basler Polizei.

Pikant: Die Behörden wissen gar nicht, wie viele Parkplätze in der Stadt Basel insgesamt zur Verfügung stehen. Derzeit werden die Parkfelder in einem langjährigen Projekt erstmals vermessen, ein digitales Kataster wird erstellt. In einigen Monaten sollen endlich verlässliche Daten über die Grösse der Parkfelder zur Verfügung stehen. Und damit auch über die Zahl der Parkplätze.

Beim Basler Amt für Mobilität geht man davon aus, dass es 2011 – vor dem Start der Parkraumbewirtschaftung – rund 14'000 Parkplätze in der blauen Zone gab. Zusammen mit den letzten weissen Parkplätzen auf dem Stadtgebiet und den zahlreichen noch unmarkierten Parkplätzen auf dem Bruderholz, die nun bald alle in blaue Zonen umgewandelt werden, dürften künftig in Basel rund 26'000 blaue Parkplätze zur Verfügung stehen, schätzt das Amt für Mobilität.

Auch Firmen brauchen Parkplätze

Was auf dem Papier nach viel tönt, ist in der Praxis aber viel zu wenig. Denn mit dem Start der Parkraumbewirtschaftung wurde im letzten Jahr noch eine Reihe weiterer Parkkarten für die blaue Zone eingeführt. Allen voran jene für das Basler Gewerbe: 5300 Gewerbeparkkarten haben die Firmen im letzten Jahr bezogen. In Zukunft dürften noch zahlreiche weitere Parkkarten für Baselbieter Gewerbetreibende dazukommen.

Seit dem letzten Jahr können Basler Firmen zudem für maximal 50 ihrer Angestellten eine Parkkarte für die blaue Zone besorgen. Dieses Angebot scheint sich bislang noch nicht herumgesprochen zu haben: Gerade mal 70 Pendlerparkkarten wurden 2013 verkauft. Weit mehr auf Anklang stossen hingegen die Besucherparkkarten: Seit letztem Sommer können Autofahrer einen solchen Parkschein erwerben, mit dem sie das Fahrzeug für einen halben oder sogar einen ganzen Tag in der blauen Zone abstellen dürfen.

Sechs Millionen Franken pro Jahr

Das Angebot, das die Polizei nicht explizit bewirbt, wird mittlerweile rege genutzt. Im Juni 2013, dem ersten Monat nach der Einführung des Angebots, waren es noch lediglich 76 verkaufte Besucherparkkarten. Im Verlauf des Jahres stieg die Zahl der Verkäufe dann steil an: Im Dezember wurden bereits 4449 Besucherparkkarten verkauft. Den bisherigen Höchststand verzeichnete die Polizei einen Monat zuvor mit 5351 abgesetzten Parkkarten, davon 3387 Ganz­tageskarten.

Mit den Besucherparkkarten hat der Kanton alleine im Dezember über 37'0000 Franken eingenommen. Im ersten Halbjahr seit der Lancierung waren es insgesamt rund 170'000 Franken. Bleibt die Nachfrage auf dem Niveau der letzten beiden Monate des vergangenen Jahres, dürfte Basel-Stadt 2014 mit den Besucherparkkarten gegen eine halbe Million Franken verdienen. Zusammen mit den Einnahmen der anderen Parkkartenkategorien spült die blaue Zone somit jährlich rund sechs Millionen Franken in die Kantonskasse.

Kanton verkauft munter weiter

Wenn künftig sämtliche weissen Parkfelder und die letzten Gratisparkplätze auf dem Bruderholz blau eingezont werden, dürfte der Verkauf der Anwohnerparkkarten noch einmal kräftig anziehen. Kontingentiert werden diese jedoch nicht. Jeder Anwohner kann eine Parkkarte beziehen – unabhängig vom zur Verfügung stehenden Parkplatzangebot.

Die Parkplatzsituation dürfte sich dadurch in Zukunft weiter verschärfen. Dabei ist sie heute schon prekär, wie ein einfacher Vergleich beweist: Derzeit sind rund 27'000 Parkkarten für die künftig etwa 26'000 städtischen Parkplätze in der blauen Zone im Umlauf. Im Prinzip ist also jeder einzelne Parkplatz längst verkauft. In dicht besiedelten Quartieren sogar doppelt und dreifach. So gesehen braucht sich niemand zu wundern, wenn An­wohner und Besucher jeweils längere Zeit kreuz und quer durch die Quartiere fahren, um ihr Auto abstellen zu können. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.01.2014, 11:30 Uhr

Attraktives Angebot konkurrenziert Parkhäuser

Besucherparkkarten können via Internet oder die neuen BVB-Automaten bezogen werden. Über 80 Prozent der Parkscheine werden vor Ort an den Automaten gelöst. Damit kommen offenbar auch ältere Autofahrer klar: Beschwerden sind der Polizei keine bekannt. Im Gegenteil: «Die Motorfahrzeugkontrolle erhielt mündlich bereits verschiedene positive Rückmeldungen zum Automatenverkauf», sagt Polizeisprecher Andreas Knuchel.

Kritik gab es, weil die BVB-Automaten auch Parkkarten für den Sonntag im Angebot haben. Dieses Problem lasse sich aus technischen Gründen jedoch nicht lösen. Die Automaten informieren aber darüber, an welchen Tagen überhaupt eine Karte benötigt wird.

Dass die Besucherparkkarten immer häufiger in Anspruch genommen werden, liegt auch an ihrem attraktiven Preis: Eine Ganztageskarte kostet zehn Franken, ein Parkschein für einen halben Tag sechs Franken. Zum Vergleich: Wer tagsüber in einem der vier staatlichen Parkhäuser in der Innenstadt parkiert, kann sein Auto für sechs Franken nur gerade zwei Stunden lang stehen lassen. Von 8 bis 18.30 Uhr kostet der Parkplatz gar 25 Franken.

Ähnliche Tarife kennen auch die privaten Parkhäuser. Einen Umsatzrückgang haben die staatlichen und privaten Parkhäuser bislang jedoch noch nicht konstatiert, wie eine Umfrage der BaZ zeigte. Möglicherweise fällt dieses Fazit Ende 2014 anders aus.

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