Jetzt purzeln in Basel die Preise

Viele Geschäfte reagieren auf den tiefen Euro-Kurs – selbst wenn sie dabei einen Verlust hinnehmen müssen. Bei manchen Produktgruppen ist jedoch der Spielraum begrenzt.

Freude für Gaumen und Portemonnaie. Bei der Spirituosen- und Weinhandlung Paul Ullrich AG wird der günstige Euro-Kurs weitergegeben.

Freude für Gaumen und Portemonnaie. Bei der Spirituosen- und Weinhandlung Paul Ullrich AG wird der günstige Euro-Kurs weitergegeben. Bild: Kostas Maros

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Fast täglich überbieten sich die Grossverteiler Migros, Coop und Lidl mit neuen Preissenkungen, um den Einkaufstourismus abzudämpfen. Gestern teilte die Migros mit, dass alle Früchte und Gemüse aus dem Euro-Raum zwischen zehn und 30 Prozent günstiger würden. Zuvor hatte bereits Coop bekannt gegeben, auf rund 1000 Artikeln die Preise zu senken. Auch der Discounter Lidl hat Preissenkungen über das ganze Sortiment des täglichen Bedarfs vorgenommen.

Und auch in der Basler Innenstadt ist das Prozentzeichen eine Woche, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgegeben hat, omnipräsent. Viele Geschäfte reagieren mit Euro-Rabatten auf den starken Franken. Mehrere Modehäuser geben einen flächendeckenden Rabatt von 20 Prozent – etwa Grieder und Spira. «Der Entscheid war nicht einfach, haben wir doch die Ware noch zum alten, hohen Euro-Kurs eingekauft», sagt Geschäftsführer François Spira gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung. Unter dem Strich mache er ein Verlustgeschäft. Auch bei Tally Weijl ist die neue Kollektion 15 Prozent heruntergeschrieben.

Spitzenweine als Schnäppchen

Auch die Wein- und Spirituosenhandlung Paul Ullrich AG hat auf den tiefen Eurokurs reagiert. «Wir haben schon 200 Spirituosen heruntergeschrieben», sagt Adrian Baumgartner von der Geschäftsleitung. «Das erwartet der Konsument bei der aktuellen Lage.» Allerdings sei der Spielraum beschränkt, einerseits weil das Geschäft über grosse Lagerbestände verfügt, andererseits weil auf Spirituosen hohe Zölle fällig werden. Als Beispiel: Auf einen Cognac oder Whiskey mit 40 Volumenprozent fällt für eine 70cl-Flasche eine Gebühr von 8.12 Franken an. «Oftmals ist der Zoll teurer als die Produktionskosten», sagt Baumgartner.

Auch beim Wein gewährt die Paul Ullrich AG auf alles aus dem Euro-Raum einen Rabatt von zehn Prozent. Eine Reihe edler Tropfen kann zurzeit zum Schnäppchenpreis erstanden werden. Wer beispielsweise den Jahrgang 2013 des französischen Spitzenweinguts Château de Beaucastel vorbestellt, erhält zusätzlich einen sogenannten Primeur-Rabatt. «Statt des regulären Ladenpreises von 88 Franken zahlt man letztlich noch 62.10 Franken pro Flasche», rechnet Baumgartner vor. «So günstig war dieser Wein noch nie zu haben.»

«Auf Stärken besinnen»

Andere Geschäfte sind skeptisch, was die herrschende Rabattschlacht angeht: «Man sollte als Laden jetzt nicht in Panik verfallen», sagt Lilian Mandingorra, die den Einrichtungsladen Living Room betreibt. Sie hat sich mit rund 40 weiteren kleinen Geschäften zum Netzwerk Buy-Local zusammengeschlossen. «Wir möchten die Leute darauf aufmerksam machen, dass es ziemlich langweilig wird, wenn es uns nicht mehr gibt», sagt Mandingorra. Euro-Rabatte sind in ihren Augen keine nachhaltige Geschäftsstrategie. Mit einer Schoggifünfliber-Verteilaktion will die Gruppe das Gespräch mit der Kundschaft suchen. «Wir haben viele Stammkunden, die schätzen unseren Service und unser Fachwissen.»

Auch Mathias Böhm von Verein ­ Pro Innerstadt sagt: «Die Geschäfte müssen sich auf ihre Stärken besinnen. Und das sind bei uns das Angebot, die Vielseitigkeit, der Service – und nicht der Preis.» Ob und welche Euro-Rabatte gewährt werden können und ob diese sinnvoll sind, hänge sehr stark von der Branche und der Grösse der Läden ab. «Aber es ist richtig und nur fair, wenn man Preisvorteile an die Kunden weitergibt», so Böhm. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.01.2015, 12:27 Uhr

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