Kampf der Kulturen im Frauenbad

Im Fraueli schwelt ein Kulturkonflikt. Immer wieder bricht zwischen muslimischen Frauen und anderen Besucherinnen des Freibads im Eglisee Streit aus. Das Sportamt appelliert an die Toleranz.

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Eine Gruppe muslimischer Frauen sitzt auf einer Bank im Fraueli im Gartenbad Eglisee. Eine Mutter mit Kopftuch hält ihr wenige Monate altes Baby auf dem Schoss. Ihre ältere Tochter sitzt daneben. Sie trägt einen farbigen Bikini und das schwarze gelockte Haar fällt ihr auf die Schultern. Unvermittelt drängt sich eine ältere, nicht muslimische Frau zwischen die Gruppe und macht sie darauf aufmerksam, dass sie auf der Bank ihre Sachen deponiert habe und diese daher «ihre Bank» sei. Die Mutter zieht sich mit dem Baby zurück, doch ihre Tochter blickt angriffslustig in die Runde: «Wir lassen uns nicht vertreiben.»

Konflikte, wie dieser von der BaZ beobachtete, sind im Fraueli offenbar keine Seltenheit. Während sich manche Nicht-Musliminnen an der Verschleierung der Musliminnen stören und sich über deren Unfreundlichkeit beschweren, ist den muslimischen Frauen vor allem das männliche Badepersonal ein Dorn im Auge. «Das Fraueli gehört den Frauen», sagt Azize Elmas. Sie könne nicht verstehen, dass ein Mann hier Zutritt habe. Latifa Zaimeche aus Mulhouse verschleiert sich, sobald der Bademeister das Fraueli betritt. «Wir Musliminnen kommen extra hierher, um fernab der Männer baden zu können», sagt sie. Sie wolle sich einem Mann nicht in Badebekleidung zeigen. Mehrfach habe sie die Bademeisterinnen darauf aufmerksam gemacht. Ohne Erfolg.

Baden in Leggins, oder oben ohne

Dem Leiter des Eglisee, Franz Bohrer, scheint das Eisen zu heiss zu sein. Er und seine Mitarbeiter geben zu den Vorfällen keine Auskunft. Beim Sportamt versucht man derweil zu beschwichtigen. «Wir respektieren die Lage der Musliminnen», sagt Rolf Moser, Leiter Vermietung und Belegung Anlagen. Doch appelliert er an die Toleranz der Badibesucher. Aus betriebstechnischen Gründen müsse manchmal ein Mann Arbeiten im Frauenbad übernehmen. Aufgrund der «Arbeitsstruktur» sei es zudem nicht möglich, mehr Frauen anzustellen.

Die regelmässige Fraueli-Besucherin Carolina Rosamilia findet es nicht gut, wenn Frauen sich in der Badi verschleiern. «Die breiten sich hier aus und sind dann auch noch unfreundlich», sagt sie. Sie habe auch schon gesehen, wie eine Frau mit Badeanzug und Leggins ins Wasser gegangen sei. Laut Badereglement ist dies verboten. «Einmal habe ich beobachtet, wie muslimische Frauen eine sich oben-ohne sonnende Frau beleidigten», sagt Rosamilia weiter. Die Musliminnen hätten von der Frau verlangt, sich zu bedecken. Da habe sie eingegriffen und die Frau verteidigt. Im Frauenbad sei das Baden ohne Oberteil erlaubt. Damit müssten sich die Musliminnen abfinden.

Burkinis, in Ägypten der letzte Schrei

Dieser Meinung ist auch Nabil Arab von der Islamischen König Faysal Stiftung in Basel. «Wenn sich Muslimas in der Badi verschleiern, müssen sie auch unbekleidete Frauen akzeptieren», sagt er. Wie Moser betont er die Bedeutung der gegenseitigen Toleranz. Neben den Bademeistern stösst auch das männliche Sicherheitspersonal der Firma Protectas, das regelmässig im Fraueli patrouilliert, auf Widerstand. «Ohne Vorwarnung tauchen sie hier auf und verderben uns das Baden», sagt Nadja Roumani aus Schopfheim (D). Laut Moser vom Sportamt unterstütze die Protectas die Bademeister an aussergewöhnlich heissen und vollen Tagen. Das habe sich bewährt. Männliches Wachpersonal sei jedoch im Frauenbad nicht zwingend. «Ab sofort wird nur noch die weibliche Sicherheitsperson im Fraueli patrouillieren», verspricht Moser.

«Im Fraueli sollten Musliminnen sorglos baden gehen können», sagt Arab. Denkbar ist für ihn, dass sich in der Region die sogenannten Burkinis durchsetzen. Dabei handelt es sich um ein den ganzen Körper bedeckendes Kleidungsstück inklusive Kopfteil aus normalem Bademodenstoff. Die Burkinis sind laut Arab an den Stränden von Ägypten der letzte Schrei. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.07.2010, 08:14 Uhr

Gegensätze in der Badi: Burkas wurden im Eglisee aber noch nicht gesichtet (Bild: Englischer Garten München). (Bild: Keystone )

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