Kanton hat nichts vom Gift gewusst

Der Gemeinderat Allschwil kritisierte den Kanton, nichts gegen das Gift im Lörzbach zu unternehmen. Regierungsrätin Sabine Pegoraro nahm am Donnerstag Stellung zu den Vorwürfen.

Regierungsrätin Sabine Pegoraro bestritt die Vorwürfe, der Kanton habe trotz besseren Wissen, nichts gegen die langsame Vergiftung des Lörzbachs unternommen.

Regierungsrätin Sabine Pegoraro bestritt die Vorwürfe, der Kanton habe trotz besseren Wissen, nichts gegen die langsame Vergiftung des Lörzbachs unternommen. Bild: Roland Schmid

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Der Kanton Baselland hat von der am Dienstag publik gewordenen Belastung des Lörzbachs bei Allschwil mit Hexachlorcyclohexan (HCH) nichts gewusst: Das hat Bau- und Umweltschutzdirektorin Sabine Pegoraro am Donnerstag im Landrat gesagt. Vorwürfe, der Kanton habe nicht gehandelt, wies sie zurück.

HCH sei ein Insektizid, das bis vor zehn Jahren legal in der Landwirtschaft verwendet worden sei, sagte Pegoraro in der dringlichen Beantwortung einer SP-Interpellation. 2004 und 2005 habe das Amt für Umweltschutz Basel-Stadt – nicht Baselland – zwar Proben genommen; doch nur eine Probe habe HCH enthalten, und dies unter dem Grenzwert.

Kontakt mit der französischen Behörde

Der entsprechende Bericht sei in Gesprächen der AUE beider Kantone und der Gemeinde Allschwil ausgehändigt worden; bei diesen Gesprächen sei auch ein jetzt als Kritiker auftretender Experte als Berater Allschwils dabei gewesen. Gegen die Schlussfolgerung, dass keine Massnahmen nötig seien, habe sich damals niemand gewandt.

Die von Umweltschützern am Dienstag bekannt gemachten HCH-Messwerte nehme der Kanton «selbstverständlich ernst», sagte Pegoraro weiter. Das AUE Baselland habe am Mittwoch Kontakt mit der französischen Umweltschutzbehörde aufgenommen, um ein Treffen zu vereinbaren.

Kein Fisch- und Tränkverbot

Ein sofortiges Fischerei- und Tränkverbot, wie es Allschwil gefordert hat, halte indes der Kantonstierarzt nicht für nötig: Für Fische bestehe ohnehin eine Schonfrist bis Februar, und der Weidegang für Vieh sei bereits zu Ende.

Auf die Forderung von Kritikern im Rat, dass der Kanton mit der Gemeinde Allschwil zusammenarbeiten sollte und nicht immer zuerst Umweltschützer, dann die Gemeinde und erst zuletzt der Kanton etwas tue, entgegnete Pegoraro, die Zusammenarbeit mit Allschwil sei gut. Sie verstehe zudem die Kritik nicht.

Umweltschützer hatten am Dienstag erklärt, der Lörzbach an der Landesgrenze werde schleichend mit HCH verseucht, das aus Kies- und Betonablagerungen in Hagenthal-le-Bas (F) ausgeschwemmt werde. Das Material stamme aus der Ugine Kuhlmann, die bis 1976 in Hüningen (F) bei Basel das Insektizid Lindan herstellte. (zam/sda)

Erstellt: 01.12.2011, 16:03 Uhr

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Wegen Gift im Lörzbach fordert Allschwil ein Fisch- und Tränkverbot vom Kanton Baselland. Braucht es für den Lörzbach Sofortmassnahmen?

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