«Karge Unterlagen» führten zu Nein

Das Nein der Stadtbildkommission zu einer Solaranlage am Lonza-Haus schlägt hohe Wellen. Der Fall wirft auch ein ungünstiges Licht auf die Gesetzgebung.

Das Pirelli-Hochhaus in Mailand von 1958 (links) diente Suter & Suter 1960 als Vorbild für das Basler Lonza-Hochhaus.

Das Pirelli-Hochhaus in Mailand von 1958 (links) diente Suter & Suter 1960 als Vorbild für das Basler Lonza-Hochhaus. Bild: Keystone

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Das Lonza-Hochhaus gehört unbestrittenermassen zu den architektonischen Highlights der Stadt Basel und steht auf der Liste der schützenswerten Objekte. Angelehnt an das Pirelli-Hochhaus in Mailand zeugt der Bau des Büros Suter & Suter von der mondänen Eleganz der frühen 60er-Jahre.

Dass die Stadtbildkommission den Plänen von Lonza eine Absage erteilte, am Hochhaus eine Solaranlage platzieren zu können, stösst – den Reaktionen auf die Presseberichte der vergangenen Tage zufolge – dennoch auf grosses Unverständnis. Tatsache ist: Die Lonza ist mit ihrem Projekt nicht direkt vorstellig geworden, sondern liess die Gebäudetechnik-Firma Etavis an die Kommission gelangen. Aus dem Umfeld der Kommission ist zu hören, die Pläne der Etavis seien mehr als dürftig gewesen und hätten lediglich aus einer mit dem Computer hergestellten Montage bestanden, die ein schwarzes Rechteck an der Hochhausfassade zeigten. Auf diese Pläne habe man gar nicht eintreten können, sagt ein Informant zur BaZ. Auch Baudepartementssprecher Marc Keller bezeichnet die von der Firma gelieferten Unterlagen als «karg».

Entscheid «politisch unsensibel»

Das Problem liegt im Grunde ganz woanders: Seit August 2010 müssen generelle Baubegehren neu von der Bauherrschaft publiziert werden. Dies führt offenbar dazu, dass immer mehr Firmen ihre Projektideen möglichst lange auf dem informellen Weg prüfen lassen wollen, bevor sie damit den offiziellen und damit den öffentlichen Weg beschreiten. So geschehen im Fall der Lonza-Fotovoltaikanlage.

Der abschlägige Entscheid der Stadtbildkommission wirft die Frage auf, wie denn dieses Gremium funktioniert. An entscheidender Stelle sitzt Kommissionssekretär Hans-Peter Müller. Der Architekt nimmt die Triage der zu beurteilenden Fälle vor und beurteilt die kleinen Begehren gleich selber. Etwas grössere Bauprojekte wie Umbauten oder Aufstockungen – oder eben Fotovoltaik-Begehren – gehen in die Stufe 2 der Kommission. Mit von der Partie sind hier neben Hans-Peter Müller der Architekt Tom Osolin, Jürg Degen vom Bau- und Verkehrsdepartement sowie der Grafiker Christian Stauffenegger. Einmal im Monat stossen für die wichtigen Begehren der Stufe 3 Kantonsbaumeister Fritz Schumacher, die Architekten Hannelore Deubzer, Sibylle Aubort, Martin Steinmann und Yves Stump hinzu – den Vorsitz hat Baudirektor Hans-Peter Wessels inne.

Die Lonza-Idee wurde der Stufe 2 zugeordnet. Baudepartementssprecher Keller bezeichnet den Entscheid der Kommission als «politisch unsensibel». Er geht davon aus, dass «man einen Weg finden werde»: Die für schützenswerte Objekte zuständige staatliche Denkmalpflege stehe dem Begehren nicht grundsätzlich negativ gegenüber. Gerade bei Fotovoltaikanlagen sei vieles eine Frage der Ausgestaltung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.04.2011, 07:29 Uhr

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