Keine Parkplätze auf «Rheinhattan»

Die Grüne Partei will, dass die Hafenentwicklung breiter abgestützt wird. Auf dem Areal wollen sie jegliche Privatparkplätze verbieten und die Wohnfläche pro Person regulieren.

Die Grünen wollen bei der Entwicklung der Rheininsel ihre Vorstellungen einbringen.

Die Grünen wollen bei der Entwicklung der Rheininsel ihre Vorstellungen einbringen.

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Die Grüne Partei fordert, dass die Planung des künftigen Quartiers im Kleinhüninger Rheinhafen breiter abgestützt wird. Zurzeit dominiere das Bild von «Rheinhattan» die Debatte. Gemeint ist damit die Computervisualisierung einer Hochhausinsel. Diese könnte dereinst anstelle des Westquais gebaut werden. Diese Vision stellen die Grünen nun infrage und vor allem auch die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist.

Eine «Bombenwurf-Strategie» nennt Grossrat Thomas Grossenbacher das Vorgehen. Gemeint ist, dass der Planungsprozess von oben diktiert werde und man von Beginn weg vor einer Vision stehe. Vom definierten Ziel Rheinhattan ausgehend werde nun die Stadtentwicklung definiert.

«Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Hochhäuser oder Rheinhattan», sagt Grossenbacher. Allerdings fordern die Grünen, dass der Prozess neu aufgegleist werden müsse. «Für uns steht die Partizipation im Zentrum, nicht die Vision», so Grossenbacher. Statt einer alles dominierenden Idee müsse man möglichst viele Seiten in eine ergebnis­offene Planung miteinbeziehen. Die Partei fordert deshalb die Bildung einer «Entwicklungsgenossenschaft». Dort müssten neben Kanton, Investoren und Hafenvertretern auch die Bevölkerung und Zwischennutzer mitreden und mitentscheiden dürfen. Statt einem Masterplan wollen die Grünen eine rollende Planung. «Das Aussehen des künftigen Quartiers soll sich schrittweise in einem Prozess als Resultat der Partizipation entwickeln», sagt Grossenbacher.

Wenn dies nicht gelinge, drohe ein wachsender Widerstand, so die Grünen. «Das Bild von Rheinhattan hat zu einer Blockierung geführt», sagt Grossenbacher. «Auf dem Erlenmatt-Areal hat man so Jahre verloren, bis Bewegung in die Sache kam.» Man wolle die Stadt mitprägen und nicht nur einfach neue Quartiere verhindern, meint der Grossrat mit Blick auf die Abstimmung vom 28. September, wo sich die Grünen gegen die Zonenplanrevisionen aussprechen.

35 Quadratmeter pro Person

«Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man einfach ein neues Quartier aus dem Boden stampft», sagt Architektin Barbara Buser von der «Denkstatt sàrl», welche für die Grünen eine Studie zur Entwicklung des Hafenareals verfasst hat. «Wir haben noch Zeit und wollen nochmals darüber reden, was im Hafen entstehen soll.» Wichtig sei, den Geist des Quartiers aufrechtzuerhalten, davon würden auch die künftigen Bewohner profitieren. Die Zwischennutzungen, die im Hafen zurzeit anlaufen, sind in Busers Augen «Raumpioniere» und müssten in die zukünftige Entwicklung miteinbezogen werden.

Auf eine eigene Vision – quasi ein Anti-Rheinhattan – haben die Grünen verzichtet. Allerdings zeigt die Studie gewisse Eckpunkte, welche der Partei wichtig sind, und diese sind offenbar auch bereits ziemlich ausdefiniert: So will die Partei keine privaten Parkplätze im Quartier. Für das Wohnen soll eine Obergrenze von 35 Quadratmetern pro Person angestrebt werden. Vorgeschlagen ist ein Mix aus 60 Prozent Wohnen, 30 Prozent Arbeiten und zehn Prozent öffentlicher Nutzung.

Land nur im Baurecht

Im Quartier soll eine Durchmischung das Ziel sein. Deshalb dürfe der Kanton das Land nur im Baurecht abgeben. Weiter fordert einer der drei Vorstösse, welche die Partei zum Thema einreicht, dass bei der Vergabe der Parzellen nicht der höchstbietende Investor den Zuschlag erhalten solle, «sondern derjenige, der neben architektonischen Zielsetzungen auch die besten inhaltlichen Konzepte eingibt», sagt Grossrätin Mirjam Ballmer.

Aktuell laufen die Vorabklärungen für das künftige Hafen-Quartier. Diese dürften bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Auf deren Basis soll dann ein Entwicklungsplan für das Areal erarbeitet werden. Bereits der erste Kredit für die Vorabklärungen hat aber im Parlament für grosse Diskussionen gesorgt. Vertreter der SP und der Grünen hatten den mangelnden Einbezug der Anwohner kritisiert und sich gegen Rheinhattan ausgesprochen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.09.2014, 13:36 Uhr

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