Keine regulären Starts mehr ab 23 Uhr

Der EuroAirport will den Fluglärmschutz in den sensiblen Nachtstunden verbessern.

Seit vergangenem Sommer hat es zwischen 23 und 24 Uhr deutlich mehr Flugbewegungen gegeben.

Seit vergangenem Sommer hat es zwischen 23 und 24 Uhr deutlich mehr Flugbewegungen gegeben. Bild: Keystone

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Der Verwaltungsrat des EuroAirport (EAP) will den Anwohnerinnen und Anwohnern des Flughafens offensichtlich entgegenkommen. Wie einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung zu entnehmen ist, will der EuroAirport so rasch wie möglich Massnahmen zur Verbesserung des Lärmschutzes realisieren.

Er hat deshalb bei der Französischen Zivilluftfahrtbehörde (DGAC) beantragt, «zusätzliche Lärmschutzmassnahmen zu prüfen, die bis zu betrieblichen Einschränkungen nach 23 Uhr führen könnten». Konkret geht es insbesondere darum, dass ab diesem Zeitpunkt keine regulären Starts mehr zugelassen werden sollen, wie die Baselbieter Regierung gestern mitgeteilt hat.

Laut dieser ist der Beschluss des EAP-Verwaltungsrats in hohem Masse der «intensiven Hintergrundarbeit der beiden Verwaltungsratsvertreter des Kantons Basel-Landschaft» zu verdanken.

Die Baselbieter Regierung hat denn auch unmittelbar nach der Mitteilung des EuroAirport die Landratsvorlage zur überarbeiteten Eigentümerstrategie für den Flughafen Basel-Mulhouse veröffentlicht. Und in dieser sind die ins Auge gefassten Lärmschutzmassnahmen wie das Verbot von geplanten Starts ab 23 Uhr konkretisiert und erläutert.

1300 Starts weniger

Danach dürfen, falls das zuständige französische Ministerium die Zustimmung erteilt, nach 23 Uhr nur noch Starts von verspäteten Flügen stattfinden. Das entspricht etwa zehn Prozent der bisherigen in diesem Zeitabschnitt. Oder anders gesagt: Rund 1300 späte Abflüge pro Jahr würden unter diesen Umständen entfallen. Betroffen davon wären vor allem die Expressfrachtunternehmen, die auf gute Verbindungen zu den zentralen europäischen Hubs angewiesen sind.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den EuroAirport und die volkswirtschaftlichen Implikationen auf die Region sind aber Gegenstand der noch durchzuführenden Prüfung durch die französische Zivilluftfahrtbehörde. Diese Untersuchung erfolgt auf der Grundlage einer Verordnung der Europäischen Union nach einem Verfahren, das für alle Flughäfen in der EU gilt. Vor der Umsetzung findet ein öffentliches Mitwirkungsverfahren und eine Information der Europäischen Kommission statt. Der definitive Entscheid liegt beim französischen Verkehrsministerium in Paris.

Das vorgesehene Verfahren sei «grundsätzlich ergebnisoffen», erklärte Matthias Suhr, der Direktor des EuroAirport, in Vertretung von Vize-Verwaltungsratspräsident Raymond Cron, der BaZ. Sämtliche Interessen würden berücksichtigt. «Und dazu zählen selbstredend auch die gewichtigen Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner betreffend Nachtruhe», sagte Matthias Suhr.

Sämtliche Massnahmen würden eingehend geprüft. «Inwieweit das Verbot von geplanten Abflügen nach 23 Uhr von den französischen Behörden gutgeheissen wird, können wir zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen», erklärte der Flughafen-Direktor. Das ganze Verfahren dürfte insgesamt etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Zuversichtliche Regierung

Der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) zeigte sich gestern zufrieden mit dem Erreichten. «Wir sind überzeugt, dass es diese Massnahme braucht», sagte Weber. Gesichert sei das Verbot für geplante Starts nach 23 Uhr aber selbstverständlich noch nicht. «Zweifellos gibt es noch Hürden, die von uns den einen oder anderen Effort verlangen, aber wir sind zuversichtlich», sagte der Regierungsrat.

Sein Basel-Städter Kollege Christoph Brutschin, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU), begrüsste den Entscheid. Damit könne «ein Beitrag zu einer nachhaltigen Verbesserung der Fluglärmsituation in der sensiblen Nachtzeit erreicht werden». Weitere Verkürzungen der Betriebszeiten oder Beschränkungen des Betriebs in den Tagesrandzeiten seien aber «weder nötig noch sinnvoll». Insbesondere das für Landungen freigegebene Zeitfenster morgens zwischen fünf und sechs Uhr sei «von existenzieller Bedeutung».

Sehr viel schwieriger zu erreichen ist laut EAP-Mitteilung eine weitere Massnahme, wie eine erste Evaluation gezeigt habe: die Halbierung der nächtlichen Starts Richtung Süden. Grund dafür seien Faktoren, die ausserhalb des Einflusses und Kontrollbereichs des Flughafens lägen, die aber zu einem Anstieg der Flugbewegungen vor Mitternacht geführt hätten. Deshalb lasse der Flughafen ja auch das Verbot der geplanten Spätstarts prüfen.

Umfrage

Aus Lärmschutzgründen will der EuroAirport keine regulären Flugzeugstarts mehr nach 23 Uhr. Sind Sie dafür, Flugzeuge nach 23 Uhr nicht mehr starten zu lassen?

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Nein

 
35.6%

854 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 28.11.2018, 10:16 Uhr

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