Kleine Fasnächtler erwärmen Zürcher Herzen

Mit Trommeln und Piccolos führen sie den Kinderumzug an und ernten gar spontanen Applaus.

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Es mag manchen Basler merkwürdig anmuten, als die Uelis und Waggisse am Sonntag vor dem Sechseläuten die Quaibrücke statt die Mittlere Brücke überqueren und ihre Trommeln und Piccolos über der Limmat statt dem Rhein erklingen. Den Zürchern allerdings scheint es zu gefallen. Ein älterer Mann begutachtet erst sorgfältig alle sieben Basler Formationen und findet dann: «Die Basler machen unser Zürich bunt. Es ist toll, dass sie hier sind.» Besonders gut gefällt ihm die Trommelakademie. Grimmig dreinblickend und im Takt schlagend, schreiten die Knaben den Zürcher Strassen entlang.

Auch andere Zuschauer sind begeistert. Nicht selten applaudieren sie spontan, wenn die Junioren der Junteressli-Clique, die den Kinderumzug anführen, an ihnen vorbeiziehen. Eine bierselige Truppe Männer befindet: «Von Fussball haben die Basler keinen Schimmer, aber Fasnacht, das können sie.» Wenig begeistert von den Fasnächtlern ist eine ganz kleine Zürcherin, die sich vor den Larven der Waggis fürchtet und weinend und schreiend versucht, ihre Eltern zum Gehen zu bewegen.

Gotthelf-Schüler sind stolz auf Federer

Mit harmloserem Äusseren tritt die sechste Klasse des Gotthelf-Schulhauses auf: Als Tennisspieler verkleidet, tänzeln sie mit Schläger und Bällen daher. Stolz erklärt eine Schülerin den Grund für das Motto: «Roger Federer hat nämlich ganz in der Nähe unserer Schule gelernt, Tennis zu spielen.»

Beliebt bei den kleineren Zürchern sind die Kinder des Kolibri-Chors, die zwar nicht singen, aber dafür Basler Läckerli verteilen. Einfallsreich zeigt sich auch die erste Klasse des Schulhauses Wasgenring. Die Erstklässler marschieren mit einem selbst gebastelten Basel im Kleinformat am Umzug mit. Sie tragen Wahrzeichen wie das Münster, das Rathaus oder die typische Basler Fähre aus Holz vor sich her. Besonders bei den weiblichen Zuschauern lösen sie viele «Ooh!» und «Aah!» aus.

Wo geh ich nochmals zur Schule?

Sie selbst sind auch ganz begeistert von ihrem Gastauftritt. «Es ist super hier», verkündet ein kleines Mädchen strahlend – nachdem es einige Verwirrung auslöste, weil es nicht mehr wusste, ob es nun dem Wasgenring oder nicht doch einer anderen Schule angehört. Seine Mitschülerin kann es nach langen Diskussionen überzeugen, dass sie beide im Wasgenring zur Schule gehen.

Die Jungs der Knabenkantorei, die den Umzug in roten Gewändern mit ihren Gesängen begleiten, geben sich weniger euphorisch: «Dafür, dass es Zürich ist, ist es ganz okay», meint einer und erntet Gelächter von seinen Kollegen. Ein anderer Sänger sagt: «Mit der Zeit wird es anstrengend, die Route ist doch recht lang. Ich bin froh, müssen wir keine Instrumente mitschleppen wie die Trommler hinter uns.»

Die Kinder geraten beträchtlich ins Schwitzen, als es zuletzt die Pfalzgasse zum Lindenhof hinaufgeht. Ein paar Mädchen verleihen ihrer Müdigkeit Ausdruck, indem sie laut schnaufend singen: «In Züüri, in Züüri, do sinn mir Basler mied.» Im Lindenhof angekommen, ist für die rund 160 Kinder ein Zelt reserviert, in dem es für alle etwas zu trinken sowie Sandwiches und Berliner gibt. Zufrieden mampfend lassen die kleinen Basler ihren Ausflug ins feiernde Zürich ausklingen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 10:32 Uhr

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