König Faysal Stiftung und ihre Terrorfinanciers

Seit Jahrzehnten steht die Basler-Moschee im Dunstkreis von Islamisten und ihren Gewalt-Gruppen wie Al-Qaida. In den von den Saudis kontrollierten Moscheen geht um islamistische Politik.

Im Visier des Nachrichtendienstes: Die Moschee an der Friedensgasse.

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1987 wurde die ehemalige Molkerei an der Friedensgasse von einer islamischen Stiftung für zwei Millionen Franken erworben. Wegen finanzieller Probleme kauften Saudis 1989 die Stiftung und benannten sie nach König Faysal um. Dieser war von 1964 bis zu seiner Ermordung 1975 König von Saudiarabien. Faysal führte 1925 saudische Truppen bei der Unterwerfung der Arabischen Halbinsel an. Er glaubte an die Echtheit der antisemitischen Protokolle der Weisen von Zion und sorgte mit anderen 1975 im Zusammenhang mit dem Jom-Kippur-Krieg für die Ölkrise.

Bereits 1994 zeigte sich die Nähe der Faysal-Moschee zu radikalen Muslimen. Mitten im algerischen Bürgerkrieg zwischen der Regierung und Islamisten wurde Basel zum Schauplatz des Konfliktes. Der Bahnhof SBB musste im September für Stunden gesperrt werden, nachdem eine Bombendrohung im Namen der Islamischen Heilsfront (FIS) ergangen war. Die FIS propagierte den gewaltsamen Widerstand gegen die algerische Regierung und wollte einen islamischen Staat errichten. Und im Dezember wurden in Basel Drohbriefe an westliche Botschaften aufgegeben. Im Namen der FIS (diese dementierte die Urheberschaft) wurden die west­lichen Länder aufgefordert, ihre Botschafter aus Algerien abzuziehen.

Das nahe Mulhouse war damals die Hochburg der Islamisten aus Nordafrika. Zwischen ihnen und den Islamisten aus Basel gab es einen regen Austausch. Die König-Faysal-Moschee galt als ihr Treffpunkt. Die Szene soll Geld für die Islamische Heilsfront gesammelt haben. Die König-Faysal-Stiftung wehrte sich damals in der BaZ: Es bestehe kein Austausch mit den Islamisten in Mulhouse, es bestünden keine Kontakte zur FIS, und man habe nichts mit den Drohbriefen zu tun. Die BaZ hielt an ihrer Darstellung fest.

Machtkampf und Verschwörungen

Im Februar 1998 stand das Islam-Zentrum vor dem Aus. In der Woche vor der Versteigerung der Liegenschaft hatte die Credit Suisse als Gläubigerin ihr Gesuch um Pfändung zurückgezogen. Ein unbekannter Gönner aus Saudi-­Arabien wies seine Bank in Genf an, 1,6 Millionen Franken an die Credit Suisse zu überweisen. Damit kam der Spender dem Verein Al-Ahd zuvor. Diese Gruppe aus Basler Muslimen sammelte bereits mehrere Hunderttausend Franken für die Rettung der Moschee. Ihr Ziel war es, das Gemeinde­leben sicherzustellen, denn die König-­Faysal-Stiftung war damals handlungsunfähig: Der Stiftungsratspräsident Kamal Merghelani lebt in Saudiarabien und war schlecht erreichbar. Die anderen Stiftungsräte waren nur zusammen mit dem Präsidenten zeichnungsberechtigt. Was damals galt, gilt noch heute: Der Präsident ist immer noch der Saudi Merghelani, der gemäss Handelsregister auch in Genf lebt. Die restlichen vier Stiftungsräte sind ebenfalls dieselben geblieben: zwei weitere saudische Staatsangehörige, Ibrahim Billo und Yahia Basalamah, die in Bern oder Genf leben, sowie der Sudanese Mahmoud Fadl und der Franzose Hafid Ouardiri. Beide leben in Genf.

Hafid Ouardiri, gebürtiger Algerier, ist heute Direktor einer Genfer Stiftung für interkulturelle und interreligiöse Projekte. Zudem ist er Vizepräsident der Interreligiösen Plattform Genf. Bis 2007 war er Sprecher der von den Saudis finanzierten Genfer Moschee, sei dann aber wegen der starken Einflussnahme durch die Saudis zurückgetreten. In der Moschee sollen islamistische Propagandavideos verkauft worden sein. Der Tages-Anzeiger nennt Ouardiri heute eine «Stimme gegen den radikalen Islam».

Die Basler Faysal-Stiftung ist seit jeher von Saudiarabien aus organisiert. Genau dies missfiel 1998 dem Verein Al-Ahd. Er wollte, dass die Gemeinde von lokalen Muslimen getragen wird. Die Bemühungen von Al-Ahd wurde von christlichen und jüdischen Organisationen begrüsst. Juden und Christen engagierten sich 1998 ebenfalls für den Erhalt der Moschee, die in der Öffentlichkeit noch nicht den Ruf eines Islamisten-Treffpunktes hatte, sondern den einer spirituellen Stätte, in der sich Muslime verschiedener Ethnien treffen. Die König-Faysal-Moschee 1998: zwischen Islamismus und Multikulti.

Mit der wundersamen Rettung aus Saudiarabien war der lokale Verein Al-Ahd ausgestochen. Er wurde Opfer der internen Querelen. Im Konflikt um die Moschee, in der sich auch «normale» arabische Muslime getroffen haben, setzten sich die Fundamentalisten durch und die toleranten Muslime zogen sich von der Moschee zurück. 2001 schrieb die BaZ: «Das Drama der arabischen Welt wiederholt sich im kleinen Massstab an der Friedensgasse.»

2004 befürchteten deutsche Staatsschützer, dass extreme Muslime aus der Schweiz an ein Islamisten-Treffen in Deutschland anreisen könnten. Konkret nannten sie die König-Faysal-Stiftung, weil sie Verbindungen zur König-Fahd-Akademie in Bonn hatte, die zum «Heiligen Krieg» gegen Ungläubige aufgerufen hatte.

Im selben Jahr wurde publik, dass im Leitungsteam der Faysal-Moschee ein Funktionär der tunesischen Islamisten-Partei Ennahda ist. Ennahda berief sich, wie auch die FIS, auf die islamistischen Muslimbrüder in Ägypten und war unter dem Diktator Ben Ali verboten. Im März 2011 ist die Ennahda in Tunesien legalisiert worden.

2006 begibt sich der Verwalter der König-Faysal-Moschee, Nabil Arab, auf die Linie der radikalen Islam-Konvertiten des Islamischen Zentralrats (IZRS) aus Biel, welche die im Sommer 2006 vereitelten Attentate in England und Deutschland als «inszeniert» bezeichneten. Die Behörden wollten Angst vor dem Islam schüren, sagten sie. Arab teilte deren Verschwörungstheorie und sagte in der BaZ: «Ein riesiges Theater» seien diese Attentatsgeschichten, in die Welt gesetzt, um «Stimmung gegen Muslime zu erzeugen».

«Ungläubige töten»

2010 zeigte das Schweizer Fernsehen in einer Dok einen Imam der Basler Arrahma-Moschee, der sagte: «Der Mensch, der Allah nicht mit Absicht anerkennt, ist niedriger als ein Tier.» Die Arrahma-Moschee ist 2001 aus der König-Faysal-Moschee entstanden und wurde von Arabern gegründet. Der Arrahma-Verein will den Satz nicht als Hasspredigt verstanden wissen: Der Vers beziehe sich auf den Menschen und sein Verhältnis zu Gott. Bereits ein Jahr später stand die aus der König-Faysal-Stiftung entstandene Arrahma-Moschee wieder in der Öffentlichkeit: Der Schweizer Staatsschutz beobachtete eine Gruppe von Basler Islamisten, die in der Arrahma-Moschee verkehren.

Im Dezember 2013 kam es in der König-Faysal-Moschee zu Predigten gegen Ungläubige. Juden und Christen wurden mit Texten an den Wänden verunglimpft: Man dürfe sie bestehlen oder gar töten. Die Uni übersetzte das Plakat. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein. Arab entfernte das Plakat. Dennoch wurden Bücher in französischer Sprache verteilt, in denen ebenfalls Ungläubige diffamiert werden. So wurden etwa Kirchenglocken als Teufelszeug verurteilt. Arab bezeichnete die Medienberichte darüber als «Versuch, uns etwas anzuhängen».

Wegen solcher und weiterer Vorfälle kamen die Schweizer Sicherheits­behörden zum Schluss, dass sich in Basel Muslime mit terroristischem Umfeld aufhalten. Basel besitze im Dreiländereck eine Zentrumsfunktion. Immer wieder im Fokus: die König-Faysal-Moschee. Und das ist kein Zufall.

Hinter der König-Faysal-Stiftung stecken saudische Machtinteressen und saudisches Geld. Den Medien erzählt Verwalter Arab zwar, dass man keine Gelder mehr aus dem Ausland erhalte. So habe etwa die Kantonalbank das Konto der Stiftung aufgehoben, und andere Banken würden sich weigern, ein Konto zu eröffnen. Die Gründe dafür sind unklar. Der laufende Betrieb würde nun von den mehrheitlich saudischen Stiftungsratsmitgliedern finanziert sowie durch Spenden der Moscheebesucher. Ob dem so ist, lässt sich nicht nachprüfen, darf aber bezweifelt werden.

Klar ist, dass die König-Faysal-Moschee nach wie vor von der Muslim World League (MWL) aus Saudiarabien unterstützt wird. Die MWL führt die Liegenschaft an der Friedensgasse als eines ihrer Zentren auf. Das Hauptquartier der MWL ist in Mekka. Die MWL, also die Islamische Weltliga, die auch die Moschee in Genf unterstützt, gilt als das wichtigste Vehikel der Saudis, um ihre Staatsreligion, den Wahhabismus, in die Welt zu tragen. Der Wahhabismus verlangt, dass sich der Mensch strikt an die Lehren des Propheten hält. Im Volksmund wird der Islam saudischer Prägung auch Salafismus genannt.

Die Saudis investierten bereits über hundert Milliarden Dollar in die Eroberung der Welt. Die MWL bezeichnet sich zwar als NGO, gehört aber zu den Organisationen, welche die grössten finanziellen Zuwendungen des saudischen Herrscherhauses erhalten, wie Khadija Katja Wöhler-Khalfallah, eine tunesisch-­deutsche Islamwissenschaftlerin, in der Weltwoche ausführte. Dass die Faysal-Stiftung in Basel keine Gelder mehr aus Saudiarabien erhalten soll, ist nicht plausibel, weil die Saudis bis Ende des Jahrzehnts weitere hundert Milliarden Dollar in die Islamisierung der Welt investieren wollen. Das von der MWL propagierte Ziel «Frieden auf Erden» setzt gemäss ihrer Charta voraus, dass die Prinzipien des Islam weltweit befolgt würden. In den von den Saudis kontrollierten Moscheen, wie der an der Friedensgasse, geht es also um islamistische Politik.

Zum Programm gehört auch, dass die MWL Imam-Ausbildungen in Mekka finanziert. Laut Weltwoche seien derzeit rund 100 Prediger in 94 Ländern im Einsatz. Die meisten Imame werden heute direkt von der MWL und damit vom saudischen Königshaus bezahlt. Ob der Vater der Handschlagverweigerer, der als Imam in der Faysal-Moschee arbeitet, Geld der Saudis erhält, ist unklar. Er sagt der BaZ, dass er lediglich Spendengelder erhalte.

Behörden beschwichtigen

Der radikale politische Islam, den die MWL auch über die Faysal-Moschee verbreitet, steht im Widerspruch mit einer säkularen Gesetzgebung. Die ­Saudis haben beispielsweise dieselben Gesetze wie der IS: Handabhacken bei Diebstahl, Steinigung von Ehebrechern sowie die Unterdrückung der Frau. Im Unterschied zum IS (von saudischen Gönnern unterstützt) pflegt der Westen eine enge Beziehung zu den Saudis. Der Westen, auch die Schweiz, liefert den Saudis Waffen und Munition, und die Saudis exportieren ihr Öl in den Westen.

Doch die MWL kämpft nicht nur ­ideell für die Islamisierung der Welt, sondern hat enge Verbindungen zu ­Terrororganisationen wie etwa der al-Qaida. Bei Islamisten-Forschenden ist unbestritten, dass die Saudis durch diverse Organisationen wie die MWL zu den Financiers des Islamismus und seiner Terrorbanden gehören. Darum steht auch die Faysal-Moschee unter Beobachtung des Nachrichtendienstes.

Die Basler Behörden halten die Radikalen in der Faysal-Moschee bloss für ihnen bekannte Einzelfälle. Und Moschee-Vorsteher Arab sagte zur BaZ: «Wir sind Teil dieser Gesellschaft und akzeptieren keine Fundamentalisten.» Weiter verharmlost er im Tages-Anzeiger die Nähe seiner Moschee zur islamistischen MWL, der Islamischen Weltliga: «Ich weiss nicht, was daran schlecht sein soll.» Rechtsextremismus-Experte Samuel Althof behauptet trotz all den Verstrickungen: «Es ist keine salafistische Moschee.» Und auch die Basler Muslimkommission beschwichtigt: «Das ist eine Moschee wie alle anderen.» Man könne nicht von Radikalismus sprechen, es würden nur harmlose Leute dort verkehren, das Problem sei hingegen, dass die Moschee im Quartier nicht gern gesehen sei. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.04.2016, 06:26 Uhr

Umfrage

Die König-Faysal-Moschee in Basel ist wegen radikaler Tendenzen im Gerede. Soll die Regierung die Schliessung der Moschee anstreben?

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