Laden-Vielfalt statt Monokultur

Lokale Vertreter der «Buy Local»-Bewegung haben am Freitag in der Basler Innenstadt für die Unterstützung der kleinen Läden geworben – mit einem stummen Marsch.

Schlange für die Kleinen: Mitglieder des Vereins «Buy Local» werben mit Karten und Bonbons für das Label «Buy Local».

Schlange für die Kleinen: Mitglieder des Vereins «Buy Local» werben mit Karten und Bonbons für das Label «Buy Local». Bild: Aissa Tripodi

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Der heimelige Laden gleich um die Ecke, wo der Inhaber sein Sortiment und die Kunden noch bestens kennt, hat es zurzeit nicht einfach: Internet-Anbieter, hohe Mieten und der Preisdruck von der anderen Seite der Grenzen machen dem hiesigen Gewerbe zu schaffen. Daher hat die international verbreitete Bewegung «Buy Local» auch hierzulande Fuss gefasst: Lokal verankerte Geschäfte können ein Gütesiegel für ihre kompetente und individuelle Beratung erwerben.

In der Schweiz wurde das Label im Februar ins Leben gerufen. Die meisten der bisher 30 Mitglieder sind in Basel angesiedelt. Das «Buy Local»-Netzwerk umfasst mehrere Buchhandlungen, aber auch Goldschmiede, Schmuck- und Interieurläden. Das Label ist an gewisse Bedingungen gebunden: Es werden nur Einzelhandelsfirmen zugelassen, welche einen guten Kundenservice, faire Arbeitsbedingungen und ein attraktives Erscheinungsbild vorweisen können.

Schweigemarsch fürs lokale Gewerbe

Am Freitag haben Mitglieder von «Buy Local» einen stummen Marsch durchgeführt. Mit Taschen in der Hand, auf denen das blaue Vereinslogo zu sehen ist, zogen sie vom Spalentor aus zu den Läden, die sich zu diesem Label bekennen. Dabei verteilten sie Bonbons und Karten, auf welchen das Signet zu sehen war, um die Bevölkerung für das Thema Ladensterben zu sensibilisieren. Die Teilnehmenden haben zudem mit einer Schaufensteraktion auf die Unterstützung des lokalen Gewerbes aufmerksam gemacht.

Auch Annemarie Pfister, die am Petersgraben eine Buchhandlung führt, hat das blaue Gütesiegel erworben. Sie hat den Betrieb eines kleinen Ladens von der Pike auf gelernt: Dieses Jahr kann sie bereits das 40-jährige Bestehen des Geschäfts feiern. Nicht bloss das oft thematisierte Shopping auf der anderen Seite der Grenze sei ausschlaggebend für die schwierige Situation der kleinen Läden: Hohe Mietzinse drängten so manchen Laden an den Stadtrand. Der Internethandel und die ungünstigen Bedingungen für Geschäfte, die vom Inhaber selbst geführt werden, seien ebenfalls Gründe für die schwierige Situa­tion, erklärt die Buchhändlerin.

Der fiese Amazon-Trick

«Es soll den Leuten bewusst werden, was alles verschwinden würde, wenn es nur noch eine Monokultur von internationalen Ketten gäbe», meint Pfister. Die Vielfalt der Geschäfte soll als wichtiger Teil der Stadtkultur erhalten bleiben. Persönliche Atmosphäre, individuelle Beratung und eine sorgfältige Auswahl beim Sortiment – mit all diesen Vorzügen sollen die kleinen Läden punkten können. «Im Gegensatz zu einem Internetanbieter kann der Kunde die Bücher durchstöbern und Neues entdecken», hält Pfister fest.

Auch der Buchbinder Beat Gschwind, der auch ein Antiquariat führt, findet es wichtig, dass die «Kleinen» mehr gemeinsam auftreten, um für ihr Anliegen zu werben. Dabei sieht er neue Herausforderungen für seine Branche: «Oft lassen sich die Kunden in den Buchhandlungen beraten, bestellen dann aber die Ware bei Amazon», stellt er fest.
www.buy-local.ch (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.05.2014, 15:58 Uhr

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