Lebensgefährliche Kletteraktion für ultimativen Schnappschuss

Zwei waghalsige Teenager bestiegen nachts heimlich den 178 Meter hohen Roche-Turm. Dabei wagten sich die «Roofer» ohne Sicherungseil in schwindelerregende Höhen.

Einmalige Aussicht: Für den Blick vom Kran auf dem Roche-Turm haben die Jugendlichen viel riskiert.

Einmalige Aussicht: Für den Blick vom Kran auf dem Roche-Turm haben die Jugendlichen viel riskiert. Bild: 20min Lesereporter

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Die Bilder von der nächtlichen Stadt sind spektakulär. Aber eigentlich dürfte es sie gar nicht geben. Denn fotografiert hat sie ein 15-jähriger Basler Schüler vor wenigen Wochen vom Kran auf dem Dach der Baustelle des Roche Tower. Illegal natürlich, denn das Betreten der Baustelle des höchsten Hochhauses der Schweiz ist verboten, das Klettern auf dem Kran lebensgefährlich.

Die waghalsige Aktion, welche gestern die Zeitung 20 Minuten bekannt machte, ist der bisher bekannteste «Roofing»-Fall in der Schweiz. Roofing («roof», englisch für Dach) bezeichnet eine Mischung aus Extremsportart und Internet-Trend und ist vor allem in Russland verbreitet. Jugendliche und junge Erwachsene – die sogenannten Roofer – klettern dabei ohne Sicherung auf hohe Bauwerke oder Gebäude und fotografieren und filmen sich dort. Die Bilder und Clips der oftmals lebensgefährlichen Aktionen werden dann auf Internetplattformen wie Youtube oder Instagram geladen und gegenseitig kommentiert.

Lange geplante Aktion

Auch der Basler Jugendliche hat unter dem Pseudonym roofer auf der Fotoplattform Instagram ein beträchtliches Portfolio an Schnappschüssen gesammelt. Er und Mitstreiter haben offensichtlich in den letzten Monaten etliche Gebäude, Kamine und Kräne in der Stadt erklettert. «Der Roche-Turm war aber bisher das waghalsigste und auch schwierigste», sagt er. Zum Roofing sei er durch Parkour gekommen. Bei dieser Sportart geht es darum, sich im Alltag spektakulär von einem Punkt zum nächsten zu bewegen und dabei mit Klettern und Springen Hindernisse zu überwinden.

In der Szene dürfte die Besteigung des Roche-Turms als Coup gefeiert werden. Denn die Baustelle wird rund um die Uhr mit Kameras und Sicherheitspersonal überwacht. Beim Ganzen handle es sich denn auch nicht um eine spontane Schnapsidee, sondern um eine lange geplante Aktion, sagt der Jugendliche. «Der Roche-Turm hat mich schon lange gereizt. Aber wir wollten warten, bis er richtig hoch ist.»

Das Vorgehen der beiden Teenager erinnert schon beinahe an einen Agenten-Film. «Wir haben von einem anderen Kran aus die Baustelle einen Abend lang beobachtet», erzählt der Kletterer. Dabei haben sie den Arbeitsablauf und die Pausen der Sicherheitskräfte analysiert. «Wir hatten eine Wärmebildkamera dabei und wussten deshalb, wo sich die Leute befinden», erzählt der 15-Jährige. Wenige Tage später setzten sie ihren Plan in die Tat um und kletterten auf das Dach des 178 Meter hohen Baus  1. Von dort aus stiegen sie auf einem Kran noch weiter nach oben, so dass sie am Ende rund 200 Meter über dem Boden thronten.

Roche hat nichts bemerkt

Angst habe er bei der waghalsigen Aktion keine gehabt, sagt der Kletterer. «Ein bisschen Risiko gehört beim Roofing aber schon dazu», sagt er. Aber es sehe von aussen deutlich gefährlicher aus, als es in Wirklichkeit ist. «Ganz oben auf dem Kran war es am ungefährlichsten. Immerhin läuft dort der Kranführer täglich hin und her», meint der Jugendliche. Auch sonst scheint er sich nicht wirklich vor den Konsequenzen seiner Kletterei zu fürchten. Zumal Roofer bei ihren Aktionen jedes Mal einen Hausfriedensbruch begehen. «Ich wurde auch schon erwischt, aber angezeigt hat mich bisher nie jemand.»

Überhaupt keine Freude an der Aktion hat man bei Roche. «Wir verurteilen dies aufs Schärfste», sagt Sprecher Karsten Kleine. «Die Aktion war lebensgefährlich, sowohl für den Jugendlichen als auch für unbeteiligte Dritte.» Die Firma behalte sich vor, Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu erstatten. «Das war ein mutwilliges Eindringen», betont Kleine. Von der Aktion erfahren hat man bei Roche erst jetzt. Den beiden ist es offenbar tatsächlich gelungen, sich an Kameras und Sicherheitspersonal vorbeizuschmuggeln. «Die Baustelle ist sehr gut gesichert und überwacht», betont Kleine. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.12.2014, 04:41 Uhr

Das Instagram-Profil des Roofers

InstaRoofer

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