Lebenslänglich wegen Mord und Mordversuch

Der Türke E. B. erschoss seinen Schwiegervater und wollte seine Ex-Frau und ihre Mutter töten. Nun droht ihm ein Leben im Gefängnis.

Ort der Abrechnung: In dieser Wohnung wollte sich E.B. rächen.

Ort der Abrechnung: In dieser Wohnung wollte sich E.B. rächen. Bild: Silvana Guanziroli

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Reglos nahm der 31-jährige ehemalige Basler Bäcker E. B. das Urteil entgegen. Das Strafgericht Basel-Stadt unter dem Vorsitz von Statthalter Dominik Kiener (EVP) verurteilte den Türken wegen Mord, mehrfachem versuchtem Mord, mehrfacher versuchter Körperverletzung, Drohung, Nötigung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe. Dies, weil er am 9. Dezember 2012 in einer Wohnung im St.-JohannQuartier mehrfach auf seine damals von ihm getrennt lebende Frau und deren Eltern geschossen hatte.

Neun Schüsse

Dabei tötete er den Schwiegervater durch vier Schüsse, verletzte seine heutige Ex-Frau sowie die Schwiegermutter schwer. Als diese vor ihm im Flur angeschossen auf dem Boden sass, richtete E. B. die Waffe auf sie und wollte abdrücken, doch die ­Pistole hatte einen Zünddefekt. «Auf die Schwiegermutter hatten Sie die grösste Wut», sagte Kiener in seiner Urteils­begründung. «Sie wollten sie exekutieren. Die Opfer hatten keine Chance zu entkommen.» Nur dem technischen Defekt an der Waffe ist zuzuschreiben, dass es nicht mehr Tote gab.

Die Darstellung, E. B. habe aus Notwehr gehandelt, weil ihn der Schwiegervater angegriffen hätte, liess das Gericht nicht gelten. Niemand schiesse neun Mal, wenn die Schwiegereltern angreifen, sagte Kiener. Und wenn jemand in friedlicher Absicht gekommen wäre, wie E. B. dies während des Prozesses beteuert hatte, hätte er keine Waffe mitnehmen müssen. «Sie wollten ein Blutbad begehen, Sie wollten sich rächen, um ihre verletzte Eitelkeit und Ihren Männlichkeitswahn reinzuwaschen», sagte Kiener. Auch dass er an jenem Sonntagnachmittag mit einem vollen Magazin und 35 Schuss Reservemunition aufgetaucht sei, passe nicht zum Bild eines Mannes, der komme, um sich mit den Schwiegereltern und der Frau zu versöhnen.

Westliche Werte nicht akzeptiert

E. B., der in der Türkei aufgewachsen war und in der Schweiz eine in Deutschland aufgewachsene Türkin geheiratet hatte, ertrug es nicht, dass sie ihn nach mehrfacher Gewalt und Drohung in der Ehe verlassen hatte. Es war deshalb nicht nur die Tat selber, die das Gericht an E. B. kritisierte, vielmehr seine ganze Person und die Art und Weise, wie er die Welt sieht: Zuerst ist E. B. illegal in die Schweiz eingereist und eine Scheinehe eingegangen.

Er hat sich wiederholt als Opfer eines Komplottes der Schwiegermutter und der Ex-Frau dargestellt und zudem im Prozess falsche Aussagen gemacht, um die drohende Strafe zu mildern. «Sie ­wollten die westlichen Werte nicht übernehmen», sagte Kiener. Das führte un­weigerlich zu Konflikten, auch mit der Frau, welche die westliche Lebensform angenommen hatte.

Für das Gericht hat E. B. der Opfer­familie ein grosses, traumatisches Leid zugefügt. Aber nicht nur das: Er habe auch seiner heute zwei Jahre alten Tochter insofern einen immensen Schaden zugefügt, als dass sie mit dem Umstand aufwachsen und später damit leben muss, dass ihr Vater ein Mörder ist.

Das Gericht folgte bei seinem Urteil den Anträgen des Staatsanwaltes, der die Höchststrafe für den Täter gefordert hatte. Nebst den mindestens 15 Jahren, die E. B. nun absitzen muss, wird er zusätzlich Schadensersatzforderungen, Genugtuungszahlungen sowie Verfahrenskosten in der Höhe von über 300 000 Franken bezahlen müssen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.09.2014, 14:16 Uhr

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