Luchs ist nur noch einen Katzensprung entfernt

Kürzlich wurde im deutschen Grenzgebiet der Chrischona-Wälder ein Exemplar der scheuen Wildkatze gesichtet – und auch in Möhlin wurde schon einer gesehen.

Der Luchs zieht sich in ruhige Wälder mit Rehen zurück. Dem Menschen geht er aus dem Weg.

Der Luchs zieht sich in ruhige Wälder mit Rehen zurück. Dem Menschen geht er aus dem Weg. Bild: Keystone

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Dass es am Dinkelberg im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet zwischen dem Chrischona-Hügel und Rheinfelden Luchse gibt, ist noch nicht hundertprozentig erwiesen. Doch die Hinweise verdichten sich. «Dass der Luchs in der Region ist, wissen wir schon länger», sagt Marco Balmelli, Mitpächter des Jagdreviers Riehen-Bettingen und Jäger im südbadischen Nachbar-Revier am Dinkelberg.

«Im letzten Jahr wurde ausserdem im Fricktal bei Möhlin ein Exemplar gesichtet.» Je nach Bewaldung durchstreift ein Luchs ein Gebiet von 150 Quadratkilometern oder mehr – Flüsse stellen keine Barriere dar.

30 Fotofallenkameras installiert

Schon seit Monaten gibt es Beo bachtungen, unter anderem von Jägern; nun wurde im Juni in Nähe der Schweizer Grenze ein toter Luchs gefunden. «Sehr wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben», sagt Balmelli. Das an sich sehr scheue Tier sei beobachtet worden, wie es auf einem Feld gesessen sei, sehr abgemagert. Wie die Badische Zeitung berichtete, halten Fachleute der forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt in Freiburg (D) die Meldungen über den Luchs am Dinkelberg für glaubhaft. Um ganz sicher zu gehen und mit einem Foto einen definitiven Beweis zu erhalten, wurde ein ­Monitoring mit 30 Fotofallenkameras installiert. Fünf Monate lang werden die Bilder alle 
14 Tage ausgewertet. Jäger und Förster sowie Wildbiologen sind jetzt gespannt, wann das erste Mal ein Luchs abgelichtet werden kann. «Das wäre dann eine kleine Sensation», sagt Andreas Wyss, Revier-Förster von Riehen und Bettingen.

Nur weil ein Luchs im Wald in der Nähe des Chrischona-Hügels gesichtet wurde, heisst das lange noch nicht, dass er länger bleiben wird. «Ob sich der Luchs tatsächlich hier niederlässt, muss sich erst zeigen», sagt Mirjam Ballmer, Expertin für Luchse bei Pro Natura. «Jungtiere gehen auf der Suche nach einem eigenen Revier auf Wanderschaft und der Luchs kann somit auch wieder weiterziehen.» Die Rückkehr des Luchses in die Region wäre auf jeden Fall erfreulich, sagt Ballmer. Als Raubtier an der Spitze der Nahrungskette nehme die Raubkatze im Ökosystem eine wichtige Rolle ein: «Genügend Lebensraum und Futter angebot würde er in den regionalen Wäldern finden.»

In Jagdkreisen hat der Luchs nicht nur Freunde. Die Jäger aus Riehen und Bettingen jedoch haben kein Problem mit der Raubkatze. «Er ist eine Bereicherung für den Wald, und wir müssen den Rehbestand weniger regulieren», sagt Balmelli. Für den Luchs gilt die Faustregel, dass er pro Woche ungefähr ein Reh frisst. Und das Gebiet rund um die Chrischona gilt als eines mit dichten Rehwildbeständen.

Auf die Einwanderung vorbereitet

Die Rehdichte in den Wäldern von Riehen und Bettingen ist hoch. Das spürt auch Förster Wyss. «Es gibt genügend Rehe in unserem Gebiet. Das zeigt sich unter anderem daran, dass wir die Eichenkulturen nicht ohne Wildschutzmassnahmen wie Zäune aufbringen, weil die Jungbäume sonst von den Rehen verbissen werden.» Wyss ist sich aber nicht sicher, ob die Wildkatze tatsächlich weit Richtung Basel vordringen wird. «An den Bettinger- und Riehener Ausläufern des Dinkelbergs ist die Störung durch Erholungssuchende grösser als in den abgelegenen Dinkelbergwäldern östlich des Grenzach-Wyhlener Ortsteils Rührberg, wo die Fotofallen auf gestellt sind.»

Die Behörden im Kanton Basel-Stadt sind auf die Einwanderung des Luchses vorbereitet. «Das Jagdinspektorat verfolgt die Entwicklungen in den Nachbarkantonen und im grenznahen Ausland», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, dem das Jagdinspektorat angegliedert ist. Was den Wolf angehe, beobachte man die Entwicklung und greife bei Bedarf auf die entsprechenden Konzepte des Bundes zurück.

Der Wolf könnte bald folgen

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach dem Luchs auch bald Wölfe durch die Wälder von Riehen und Bettingen ziehen, nimmt zu. Denn unter Experten gilt als sicher, dass der Wolf in die Grossregion Basel einwandert, auch wenn sich nicht voraussagen lässt, wann das geschieht. Der Wolf würde eigentlich auch besser in unsere Wälder passen als der Luchs, sagt Balmelli, weil er weniger anspruchsvoll an sein Umfeld sei.

Bereits gibt es Wolfssichtungen im Südschwarzwald und im Süden der Vogesen. Auch über den Jurakamm breitet sich der Wolf aus. Dass er sich aber in Basel ansiedelt, ist sehr unwahrscheinlich. «Bei uns wird der Wolf kaum bleiben. Die Region ist einerseits sehr zersiedelt, anderseits gibt es kein Rotwild, sprich Hirsche, die Hauptnahrungsquelle von Wölfen», sagt Balmelli. Einfach nur Hasen oder Rehe zu jagen, würde für den Wolf zu viel Energieaufwand bedeuten, da er pro Tag ungefähr vier Kilo Fleisch braucht.

Auch wenn der Luchs so gut wie da ist und der Wolf bald kommt, ein Wolfskonzept, wie Zürich eines hat, brauche der Kanton Basel-Stadt nicht, sagt Balmelli. «Es wäre geschickter, sich einer badischen Arbeitsgruppe anzuschliessen. Die Fragen sind in der Region überall die gleichen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.06.2014, 07:24 Uhr

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