Lukas Ott, der Koordinator

Der Stadtentwickler präsentierte seine Visionen zur Stadt Basel – er lässt viele Fragen offen.

Ott ist kein Haudrauf. Er versteht sich scheinbar als des Kantons höchster Koordinator.

Ott ist kein Haudrauf. Er versteht sich scheinbar als des Kantons höchster Koordinator. Bild: Dominik Plüss

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Jedes Jahr lädt der Basler Kantons- und Stadtentwickler Grossräte, Regierung, Medien, Mitarbeiter und Geschäftspartner zum gemeinsamen Apéro. Eine Tradition, die der geschasste Thomas Kessler eingeführt hatte, und die sein Nachfolger Lukas Ott (Grüne) nun weiterführt. Gekommen sind grossmehrheitlich Mitarbeiter aus der Verwaltung. Grossräte gibt es vor Ort nur eine Handvoll. Von den Regierungsräten lässt sich keiner blicken.

Im Union-Saal des Basler Volkshauses macht Ott am Mittwochabend den Gästen klar, was seine Schwerpunkte als Stadtentwickler sind: «Koordination und Kooperation». Mit allem und jedem: von der Verwaltung bis zu Grossunternehmen, zu KMUs, zu Frankreich und Deutschland. Mit allen wird er sprechen und verhandeln. Im ersten Satz macht Ott klar, was für Basel aus seiner Sicht das Allerschädlichste sei: Isolationismus. «Die alte Stadtmauer würde ich als das überflüssigste Bauwerk bezeichnen, das Basel je realisierte», so Ott. Einige Gäste ziehen die Augenbrauen hoch.

«Die Basler Kaufleute und Diplomaten – und damals waren es nur Männer – wussten immer im Voraus zu verhandeln, um ihre Stadt mit Worten statt Waffen zu verteidigen.» Die alten Basler hätten es nie nötig gehabt, sich gegen aussen abzuschirmen. Mit einem historischen Exkurs in die Politik des mittelalterlichen Basels will Ott anhand des Westfälischen Friedens durch den Basler Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein und der Kantonstrennung 1833 aufzeigen, dass die Stadt stets gut beraten war, wenn sie mit den umliegenden Akteuren kooperierte. Dialog statt Widerstand, so das Fazit des Stadtentwicklers. «So stellen auch wir von der Kantons- und Stadtentwicklung das Handwerk der Kooperation in den Mittelpunkt unserer Tätigkeit.» Und er spreche bewusst von einem «Handwerk». «Denn es geht dabei nicht um eine Ideologie, sondern um ein Know-how der Kooperation, das aus sieben Elementen zusammengesetzt ist.»

Kooperation statt Innovation

In seiner dreiviertelstündigen Rede erläutert Ott, was einen guten «Koordinator» ausmacht und wie er die Aufgabe seines Amts interpretiert. Der Ex-Stadtpräsident von Liestal mit dem gepflegten, grauen Mittelscheitel gibt im Subtext seiner Rede zu verstehen, dass er alles anders machen wird als sein Vorgänger Thomas Kessler. Ott spricht stets von «wir», der gesamten Abteilung der Stadtentwicklung, und weniger von «mir», dem Stadtentwickler. Anhand von sieben Elementen, wie beispielsweise «Bedürfnisse verstehen» oder «ein guter Partner sein», macht Ott klar, dass er nicht der Mensch der innovativen Visionen ist.

Im krassen Kontrast zu seinem Vorgänger, der rege mit unkonventionellen Ideen zur Stadtgestaltung bei Behörden und Parteien aneckte, spricht Ott weniger von einer konkreten Entwicklung der Stadt Basel, sondern von der Rolle der Stadtentwicklung als guter Kooperationspartnerin und Mediatorin.

Lukas Ott ist kein Haudrauf

Sätze wie «Um die Ergebnisse unserer übergreifenden Analysen auch in der Stadt zu verankern, wollen wir allen Interessierten, innerhalb und ausserhalb der Kantonsgrenzen, parteiübergreifend ein guter, offener und verlässlicher Partner sein», lassen manchen Zuschauer ratlos zurück. Ein Grossrat in den vorderen Reihen ist zwischenzeitlich kurz weggenickt. Nach sechs Monaten im Amt kann Ott nicht konkret aufzeigen, wie er die Stadt Basel gestalten möchte und ob seine Abteilung überhaupt die notwendige Weisungsbefugnis gegenüber den anderen Departementen hat, um etwas zu verändern. Doch bereits jetzt scheint klar, dass es bei der Stadtentwicklung ruhiger zu und her gehen wird.

Ott ist kein Haudrauf. Er versteht sich scheinbar als des Kantons höchster Koordinator: «Eine kooperative Planungskultur, die wir gemeinsam mit anderen Verwaltungsstellen anwenden, erleben wir als sinnvoll», sagt er am Ende seiner ersten grossen Rede als Basler Stadtentwickler.

Umfrage

Lukas Ott spricht bei seiner Rede kaum über Innovationen – vielmehr setzt er den Fokus auf Koordination. Ist das seine Aufgabe?

Ja

 
29.2%

Nein

 
70.8%

298 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 01.06.2018, 07:21 Uhr

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