Luxusweg für Flanierer, Velofahrer und Schwimmer

Der 28 Millionen Franken teure Elsässerrheinweg zwischen der Drei­rosenbrücke und der französischen Grenze bei Hüningen ist am Samstag feierlich eröffnet worden.

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Es war ein Stelldichein der tri­regionalen Politprominenz, als am Samstag um 11 Uhr, untermalt von Blech­bläserklängen des Sinfonieorchesters Basel, die Rhein­uferweg-Promena- de zwischen der Drei­rosenbrücke und der französischen Grenze bei Hüningen eingeweiht wurde. Vom Durchschneiden eines Bandes sah man ab, dafür enthüllten die politischen Vertreter bei leichtem Nieselregen eine schlichte Gedenk­plakette und hielten anschliessend in einem kleinen weissen Zelt ihre Reden.

Und der Reden waren einige. Jean-Marc Deichtmann, Maire von Hüningen, trat ebenso ans Mikrofon wie Christoph Huber, erster Bürgermeister von Weil am Rhein, und Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt. Worte an die Festgemeinde richteten aber auch Philippe Richert, Präsident der Region Alsace Champagne-Ardenne Lorraine, Pascale Schmidiger, Stadträtin von Saint-Louis, und Monica Linder-Guarnaccia von der IBA Basel 2020. Sie alle hoben vor allem den Regio-Gedanken hervor, der hier im Herzen Europas im Dreieck von Basel, Weil am Rhein und Hüningen herrsche. Wessels meinte zudem, der neue Rhein­uferweg sei ein Symbol des schönen Zusammen­lebens, und er hoffe, dass dieser Weg nicht nur Durchgangs-, sondern auch Aufenthaltsort sei.

Grosse Geste

So schön, ja geradezu luxuriös wie der 600 Meter lange Weg aussieht, dürfte er das wohl schnell werden.

Die grosse Promenade beginnt gleich mit einer grossen Geste auf der Seite des Novartis Campus, direkt neben dem Kopf der Dreirosenbrücke: Eine über zehn Meter breite Freitreppe – sie solle Ende Jahr begehbar sein – leitet die Fussgänger hinunter ans Ufer des Rheins. Von dort geht es auf mehreren Ebenen dem Fluss entlang abwärts Richtung Hüningen. Da ist direkt am Wasser der Bermenweg, darüber befindet sich die Promenade für Fussgänger. Nochmals einen Stock höher führt der Veloweg von der Fabrikstrasse her entlang dem Rhein und geht nach etwa 100 Metern in die Promenade über. Ebenfalls führt ein Weg vom geschlossenen Novartis Campus zum Rheinuferweg.

Der von den Landschaftsarchitekten der Zürcher Firma Hager Partner AG entworfene Rheinuferweg – er heisst Elsässerrheinweg –, orientiert sich in seinen angenehmen, leicht geschwungenen und gewellten Form an der Strömung des Flusses.

Auffallend sind die vertikal strukturierten Kalksteinmauern von insgesamt zwei Kilometern Länge. Sie stützen die verschiedenen Ebenen und Terrassen, die den Höhenunterschied von bis zu zehn Metern zwischen Rhein und Novartis Campus überbrücken. Gleichzeitig bieten sie mit ihren Fugen Eidechsen und anderen Tieren sowie Pflanzen eine Lebensmöglichkeit.

Für Angler und Biber

Gekostet hat die elegante Promenade mit direktem Anschluss an den ­St.-Johanns-Parkweg rund 28 Millionen Franken. Das heisst grob gerechnet: Jeder Meter Weg kostete gut 45 000 Franken. Das ist viel. Immerhin ist dabei an alle gedacht worden – an die Velofahrer und die Flanierenden ebenso wie an die Rheinschwimmer und die Einkehrer, an die Land- und die Wassertiere.

Der dem Rhein entlang führende unterste und vor Hochwassern nicht geschützte Bermenweg berücksichtigt vor allem die Wünsche der Rheinschwimmer. Vier Ein- und Ausstiege – zwei Treppen und zwei Leitern – sowie vier Duschen sind hier installiert worden. Den Velofahrern und Fussgängern steht ein hochwassersicherer, vier Meter breiter Weg zur Verfügung, wo kleine Kiesplätze mit Sitzbänken unter Bäumen zu einem Zwischenhalt einladen. An diesen Stellen ist die Kalksteinmauer zum Rhein unterbrochen und durch eine Staketenabschrankung ersetzt, damit von den Sitzgelegenheiten aus der Rhein gesehen werden kann.

Damit auch die kulturgeschichtliche Vergangenheit nicht zu kurz kommt, sind nahe der Dreirosenbrücke «archäologische Guckrohre» eingelassen, durch die man per Drehknopf Fotos über die einstigen Grabungsarbeiten und Fundstücke anschauen kann. Denn hier hatte sich eine grosse keltische Siedlung befunden.

Natürlich darf ein Restaurant mit Terrasse nicht fehlen. «Lokami» heisst das schicke Lokal und ist von der Novartis nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron errichtet worden; es hat montags bis freitags von 11.30 bis 14 Uhr sowie samstags von 17 bis 23.30 Uhr offen.

Und zu guter Letzt wurde auch an die Biber gedacht: Zwei Unterstände sind in die Böschungsmauer gebaut und mehrere schützende Uferausbuchtungen angelegt worden, damit sich ihre Lebensräume im Elsass, am Hochrhein und an der Ergolz über den Rhein vernetzen lassen. Hoffen wir, dass die Tiere nicht an den Angelhaken hängen bleiben, welche die Fischer auswerfen. Denn der Elsässer­rheinweg ist ab sofort auch für Angler freigegeben.

Vier Jahre Verspätung

Der neue Rheinuferweg: Gut zehn Jahre alt ist die Geschichte dieses Grossprojekts. Möglich wurde die Promenade durch eine 2005 geschlossene Vereinbarung zwischen Basel-Stadt und der Novartis. Das Pharmaunternehmen erstand den grössten Teil des ehemaligen Rheinhafens St. Johann sowie weitere direkt mit dem Novartis Campus verbundene Grundstücke. Der Rheinhafen wurde anschliessend abgebrochen und teilweise in den Auhafen auf Baselbieter Gebiet verlegt.

Eigentlich hätte der Rheinuferweg schon vor vier Jahren fertig sein sollen, doch die französischen Behörden wollten aus Sicherheitsgründen erst keinen Rheinuferweg neben der Industriezone von Hüningen genehmigen. Auch heute gibt es noch eine Hürde. Wegen der Lindan-­Sanierung ist der Weg auf französischer Seite nur von Freitag 18 Uhr bis Montag 7 Uhr geöffnet. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.04.2016, 06:49 Uhr

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