Maya Graf herzt den Kleinbasler Bären

Am Bärentag wünscht sich die Nationalratspräsidentin mehr Bürgerrechte für Ausländer. Das Kleinbasel solle Vorbild für den Rest der Schweiz werden, schlug Maya Graf vor.

Lachen mit dem wilden Tier. Die Nationalratspräsidentin geniesst die Nähe zum Ehrenzeichen der Bärengesellschaft.

Lachen mit dem wilden Tier. Die Nationalratspräsidentin geniesst die Nähe zum Ehrenzeichen der Bärengesellschaft. Bild: Tino Briner

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Maya Graf machte nähere Bekanntschaft mit einem Bären. Am Kleinbasler Bärentag durfte die Nationalratspräsidentin gestern Abend das zottelige Tier herzlich umarmen. Zuvor hatte der Bär vor der Kaserne einen rassigen Tanz aufgeführt – ganz zur Freude von Maya Graf und vielen Zuschauerinnen und Zuschauern. Der Bär drehte sich graziös um die eigene Achse, griff zu Boden, machte Verrenkungen; hielt plötzlich inne und richtete seinen Blick gebannt aufs Publikum, bevor er herumwirbelte, leichtfüssig weitertänzelte und Luftsprünge vollführte. Musikalisch begleitet wurde der Bär, das Ehrenzeichen der Bärengesellschaft, von den Büchelspielern Ruedi Linder und Marco von Orelli und der Tambourin Edith Habraken. Die drei Musiker gaben dem Tier – drei Frauen wechseln sich unter dem Kos­tüm ab – den Takt vor und begleiteten ihn den ganzen Nachmittag durchs Kleinbasel. Die Kinder der Klasse 3A der Primarschule Bläsi bereicherten den Zug mit farbigen Flaggen.

Multikulturelles Bärenmahl

Nach dem Start bei der Matthäuskirche führte der Bär seinen Tanz 13 Mal auf – so etwa auf dem Claraplatz, vor dem Restaurant Hirscheneck, auf dem Theodorskirchplatz, dem Landhof und der Claramatte. Vor der Kaserne legte das Tier eine Pause ein und gesellte sich zu den rund 600 Personen, die sich zum öffentlichen Bärenmahl in der Reithalle der Kaserne eingefunden hatten. Dort wurden kulinarische Köstlichkeiten aus verschiedenen Kulturen angeboten und die Gruppe «Grüezi! Merhaba!» spielte schweizerdeutsche und türkische Musik.

Bei ihrer Tischrede am Bärenmahl zeigte sich Maya Graf stolz, dass sie als formell höchste Schweizerin ihre Entdeckungsreise durchs Land ausgerechnet im Kleinbasel beginnen konnte. «Eine schöne Symbolik», meinte die grüne Nationalrätin aus dem Baselbiet. Die täglichen Erfahrungen der Kleinbaslerinnen und Kleinbasler würden zu wenig zur Kenntnis genommen, obwohl sie wertvoll für die ganze Schweiz seien. «Warum wird nicht das Kleinbasel zum Vorbild und vielleicht sogar auch als ­Pilotprojekt genommen, wie nachhaltige Stadtentwicklung, gutes Zusammenleben mit unterschiedlichen Kulturen, Integration, Chancengleichheit und Par­tizipation funktionieren können?», rief Maya Graf in den Saal. Und bekam als Antwort tosenden Applaus.

Schlusstanz im Schwarzen Bären

Sie sei sich bewusst, dass im Kleinbasel ein Drittel der Bewohner kein Stimm- und Wahlrecht haben. «Das ist meiner Ansicht nach ein Problem», sagte Graf. Wann die Zeit reif sei für einen Ausbau der Bürgerrechte für Ausländerinnen und Ausländer, wisse sie nicht. «Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich mich als erste Bürgerin des Landes für Sie einsetzen werde.»

Nach der Stärkung zog das Ehrenzeichen der Bärengesellschaft weiter zum Bärenfelsercafé und zum Restaurant Schmaler Wurf. Den Schlusstanz legte der Bär traditionsgemäss im ­Restaurant zum Schwarzen Bären um 23 Uhr hin. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.01.2013, 08:14 Uhr

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