Mit Karli Odermatt an der Weinmesse

Frisch zurück aus Lissabon begab sich FCB-Legende und Weinkenner Karli Odermatt mit baz.ch auf eine Reise nach Frankreich und Italien – an einem Streifzug über die Basler Weinmesse.

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Wenn sich Karli Odermatt unter die Leute mischt, gibt es Shakehands, Küsschen und Schulterklopfer am Laufmeter. Es ist Freitagnachmittag, der 68-Jährige ist frisch zurück aus Lissabon, wo er das sensationelle Basler 1:1 gegen Benfica mitverfolgt hat. Nun schlendert die FCB-Legende über den Messeplatz und strahlt in alle Richtungen. Er geniesst das Bad in der Menge, grüsst im Zweifelsfall zuerst. Dass Odermatt äusserst kommunikativ ist, dazu ein Charmeur und Wein-Connaisseur, zeigt sich auch kurz darauf an der Weinmesse.

Ein Standplan ist nicht nötig, die Marschroute hängt von Karlis-Connections ab und ergibt sich von selbst: Die Tour beginnt gleich nach dem Entrée am Stand des Dornacher Weinhändlers Schindelholz SA, von wo aus Odermatt von Weitem herbei gewunken wird. Der Degustations-Marathon beginnt mit Weisswein. «Das isch e Wyy, do liggsch ab», schwärmt Odermatt nach dem ersten Schluck Chardonnay. Die Messlatte ist mit dem «Puligny Montrachet Les Reuchaux» schon einmal ziemlich hoch angesetzt. Der Preis ebenfalls – 75 Stutz. «Jetzt haben wir gleich mit dem teuersten Wein begonnen», sagt Odermatt entschuldigend, wohlwissend, dass man sich ja eigentlich von unten nach oben arbeiten sollte.

«Das isch jetzt ein zum süffele»

Bei Weinkenner Odermatt ist das allerdings nicht einfach. «Wir sind Spinner – man wird immer verwöhnter», meint er. Das sei aber falsch, schliesslich könne man nicht immer nur vom Besten kosten. Es ist das Dilemma jedes Connaisseurs: Wissen macht wählerisch. Weiter gehts an den Stand von «Ticinowines», wo Odermatt «einen der besten Weissweine der Schweiz» ankündigt. Der «Bianco Rovere» ist ein weisser Merlot aus dem Mendrisiotto-Tal. Für Karlis Geschmack wird der Tropfen allerdings ein bisschen zu warm serviert. Es folgt mit dem «Riflessi d'Epoca» ein klassischer roter Merlot mit ausgeprägten Tabakaromen. Odermatt schwärmt vom Tessiner Merlot, der sich in den letzten Jahrzehnten unglaublich entwickelt habe.

Man könnte behaupten, parallel zu seiner eigenen Weinkarriere: In jungen Jahren trank Odermatt vorwiegend Merlot-Weine. Als Profifussballer sei er dann zu Essen eingeladen worden, bei denen er merkte, dass es auch noch andere Weine gibt. Es kam eine Burgunder-Phase, gefolgt von Bordeaux. Durch Freundschaften und diverse Reisen entflammte schliesslich auch seine Liebe zu den Weinen aus der Toskana und dem Piemont, wo er vier Mal pro Jahr auf Weinreise ist. «Wein war schon immer mein Hobby», sagt Odermatt. Zeitweise habe er im Kollegenkreis sogar mit Wein gehandelt. «Ich habe Wein für mich besorgt – und die Kollegen wollten mir den einfach immer abkaufen.» Inzwischen stehen wir mit Weisswein vor dem Stand des Muttenzer Händlers Via Vitis. «Das isch jetzt ein zum süffele», findet der 68-Jährige zum «Arneis Roero Cornarea», dessen Zitronenaromen ihm auffallen. Als fünf Schlücke später ein Chianti Classico aus der Toskana degustiert wird, zankt sich Odermatt mit den Kollegen, ob man französischen Wein für eine italienische Pasta-Sauce verwenden darf. Der ehemalige FCB-Profi ist strikt dagegen.

«Da bin ich brutal»

Wenig Freude hat Odermatt dann auch am dargereichten Amarone. Er schüttet ihn kurzerhand in den Spucknapf – der schwere Rote ist bereits zu lange geöffnet, hat zu viel Sauerstoff gesehen. «Ich bin ehrlich, das weisst Du», meint Odermatt zum Händler. «Da bin ich brutal.» Eine neue Flasche wird geöffnet. «Das ist schon etwas ganz anderes», frohlockt Odermatt. Nach einem kurzen Abstecher zum anscheinend gesunden «Herzkranzwein» aus Tannat-Trauben, der den 68-jährigen nicht wirklich begeistern kann, geht die Weinreise weiter zu zwei blonden Italienerinnen. Man kennt sich offensichtlich. «Come vai?» Küsschen links. Küsschen rechts. Kuss auf den Handrücken. Karli flirtet, schmeichelt und gibt Wein-Anekdoten zum Besten, übersetzt von der Schweizer Gehilfin.

Der Charmeur erzählt von einer Weindegustation in einer Kirche, bei welcher grenzwertige Tropfen aufgetischt wurden – als Gast habe er sich natürlich nicht getraut, Kritik zu äussern (beim Italiener aus Muttenz hat kurz zuvor das noch anders getönt). Die Damen aus dem Piemont hängen ihm an den Lippen. Im Glas landet zuerst ein Barbera d'Alba, dann ist es ein Barolo, der Odermatt verzückt: «Unglaublich, der hat jetzt alles geschlagen», meint er zum Klassiker, der auch bei ihm im Weinkeller lagert. «Telefonare… wenn…», meint er zum Abschied. «Wir kommen zu euch in den Keller.» Schliesslich steht Ende Monat die nächste Weinreise nach Piemont an – es ist Trüffelsaison.

Karli freut sich wie ein Kind

Letzte Station unserer kleinen Weinreise ist der Stand des Liestaler Weinhändlers Siebe Dupf. Odermatt hat im Fernsehen einen Bericht über einen speziellen Weissen aus Frankreich gesehen, gemacht von einem Basler. Diesen Tropfen will er jetzt unbedingt probieren. «Jetzt verregg-y!», schmettert Odermatt über den Tresen, als er realisiert, dass er nicht nur den gesuchte Wein gefunden hat, sondern auch dessen Macher: Den Basler Nicolas Rhyner, seit 2004 Winzer in der Burgunder Gemeinde Santenay, daneben Theaterregisseur, Schriftsteller und Fernsehmacher. Die FCB-Legende ist aus dem Häuschen. «Der Chef selber ist hier, das ist Wahnsinn», strahlt er. Rollentausch. Jetzt ist Odermatt, der ständig im Mittelpunkt stand und umgarnt wurde, ausnahmsweise selber Fan. «Das ist der Mann, den ich beim Zappen im Fernsehen gesehen habe, als ich nicht schlafen konnte», erklärt er jedem seiner Kollegen einzeln. «Gestern mein Traum, heute ist er hier!»

Ein Traum sind auch die Weissweine, welche Rhyner innerhalb weniger Jahre auf seinem Burgunder «Château de la Crée» entwickelt hat. Besonders angetan ist Odermatt vom «Santenay Premier Cru Beaurepaire 2009». «Der ist wunderbar, blumig, hat weniger Säure als der vorher probierte Charmes und einen tollen Abgang», so das Verdikt von Karli. «Also der ist sehr gut.» Mit dem Highlight aus dem Burgund endet die Tour, wie sie begann: Mit einem ausgezeichneten Weisswein aus Frankreich – mit 30 Franken allerdings etwa halb so teuer wie der «Les Reuchaux». Dazwischen gab es rote Perlen aus Italien – und ganz viele Anekdoten vom Master of Ceremony. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.11.2011, 10:48 Uhr

Diese Weine wurden degustiert

  • Puligny Montrachet, Les Reuchaux, Chardonnay 2008 (75.-)
  • Bianco Rovere Merlot Bianco Ticino DOC 2010, Mendrisio (31.-)
  • Riflessi d'Epoca», Ticino DOC Merlot 2009, Mendrisio (37.-)
  • Arneis Roero DOCG Cornarea 2010 (21.50-)
  • Fonterutoli DOCG Chianti Classico 2009, Azzienda Mazzei (23.-)
  • Amarone della Valpolicella DOC Campo dei Gigli, 2006 (70.-)
  • Madiran AOC Château d`Aydie 2008 (29.50-)
  • Mascarello Grandeur Barbera d'Alba DOC 2009 (27.-)
  • Mascarello Barolo DOCG 2007 (56.-)
  • Château de la Crée Santenay Blanc Charmes Chardonnay 2008 (25.50-)
  • Château de la Crée Santenay Premier Cru Beaurepaire 2009 (30.-)

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