Mit Tempo 320 hoch über den Gleisen

Ab dem 11. Dezember fahren täglich sechs Doppelstock-TGV von Basel nach Paris. Eine Probefahrt mit dem neuen Superzug.

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Die SNCF hatte zur Probefahrt mit dem neuen TGV Rhin-Rhône von Mulhouse nach Dijon geladen und viele Medienleute und Politiker waren gekommen – ab 11. Dezember fahren täglich sechs TGV in drei Stunden von Basel über Dijon nach Paris und zurück; eine halbe Stunde schneller als bisher mit dem TGV-Est über Strassburg.

Der neue Doppelstöcker, der Euroduplex, kann sich sehen lassen und fällt vor allem durch die Farbenfreude auf, mit der der 509 Sitzplätze bietende Zug durchkomponiert wurde. Das zeigt sich schon von aussen: Das Blau-Weiss-Silber des Hochgeschwindigkeitszugs wird bei den Eingangstüren unterbrochen: grün wird es bei den Wagen der 2. Klasse, in der 1. Klasse ist der Eingang rot.

Orange und gelbe Streifen

Innen hat der Zugdesigner vor allem mit Blau und Lila gearbeitet – in der 2. Klasse sind die Farbtöne heller, in der 1. Klasse dunkler. Der Teppich wird je nach Klasse mit einem orangen oder gelben Streifen unterbrochen. In der futuristisch anmutenden Bar sind Boden und Tische lila, acht Barhocker laden in Grau oder Orange zum Verweilen ein. Eine kleine Spielerei findet sich auf den Monitoren, von denen es pro Grossraumabteil an jedem Ende einen gibt.

Ein farbiger Streifen zeigt an, wie weit der TGV auf seiner Reise zwischen zwei Bahnhöfen bereits gelangt ist. Bei der Fahrt zwischen Dijon und Mulhouse war dieser zuerst vollkommen lila, je mehr sich der TGV Mulhouse näherte, desto mehr nahm der grüne Anteil zu. Die Bildschirme informieren auf der ausgebauten Neubaustrecke auch über die Geschwindigkeit des Zuges, der bis 320 Kilometern pro Stunde fahren darf. Man mag es der Anzeigetafel glauben, zu spüren aber ist diese Geschwindigkeit kaum. Derzeit testen die SNCF, worüber ab 11. Dezember auf den Monitoren informiert werden soll – voraussichtlich auch über Anschlusszüge.

Ruhebereich am Zugende

Ein TGV Euroduplex besteht aus drei 1.-Klasse- und vier 2.-Klasse-Wagen, die durch einen Wagen mit der Bar voneinander getrennt werden. Durch den Zug gehen kann man nur über den ersten Stock, die Grossraumabteile unten sind als Sackgassen konzipiert, wodurch es dort ruhiger sein dürfte als oben. Im ersten Stock hat man dafür einen besseren Ausblick. Wem sehr an Ruhe gelegen ist, der kann für einen Euro einen Sitzplatz im Ruhebereich «Espace calme» buchen. Diese Sitze befinden sich in beiden Klassen am Zugende.

Im gesamten Zug sind zudem rund 50 Plätze für Behinderte reserviert. Diese sind im ersten 1.-Klasse-Wagen. In der Nähe des Aufgangs befindet sich bei jedem Grossraumabteil eine gepolsterte Nische für zwei Personen, die wie zahlreiche Sitzplätze mit Steckdosen ausgestattet ist. Die Nische ist für Personen gedacht, die telefonieren möchten, damit ihre Mitreisenden nicht gestört werden. In der 2. Klasse stehen mehrfach vier Sitze für Familien zur Verfügung, die mit ausklappbaren Tischen ausgestattet sind, auf denen Kinder spielen können.

Kleines Suchspiel im WC

Die Platzverhältnisse sind grosszügiger als in älteren französischen Hochgeschwindigkeitszügen. Allerdings wird es auch in der 1. Klasse ein wenig eng, wenn vier Personen, die sich je zu zweit gegenübersitzen, den Tisch zwischen sich benutzen wollen. Ein kleiner Tipp für das WC: Das Wasser am Waschbecken wird über einen Sensor unterhalb des Wasserhahns ausgelöst und für den Händetrockner muss auf einen schwarzen Knopf gedrückt werden, der sich rechts neben der Düse befindet – ein kleines Suchspiel.

Die SNCF haben für den TGV Rhin-Rhône 30 Euroduplex-Züge bestellt. Bis zum Sommer 2012 soll die Verbindung Basel–Paris sukzessive nur mit den neuen, modernen Zügen gefahren werden. Ab 11. Dezember wird ein Euroduplex eingesetzt. «Der Schweizer Markt ist für uns sehr wichtig», betont Barbara Dalibard, Chefin von SNCF Voyages, die für den Personenverkehr zuständig ist. Tatsächlich wurden von 60'000 in den ersten sechs Verkaufstagen verkauften Billetts 15'000 in der Schweiz abgesetzt.

Ankunft neu in der Gare de Lyon

Neu wird der TGV Rhin-Rhône auf der Hälfte der Fahrt einmal gereinigt. Ausserdem werden an der Bar auch Bioprodukte angeboten. Die Schweizer Kunden kommen im TGV Lyria, der gemeinsamen Vermarktungsgesellschaft von SNCF und SBB, zudem in den Genuss von Gratis-Essen in der 1. Klasse. Ausserdem hat jeder TGV zwischen der Schweiz und Frankreich einen schweizerischen und einen französischen Zugbegleiter. In Paris kommt der Zug nicht mehr im Bahnhof Gare de l’Est an, sondern in der ebenfalls zentral, wenn nicht sogar zentraler gelegenen Gare de Lyon.

Die 140 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Belfort und Dijon hat 2,5 Milliarden Euro gekostet – dazu kommen 1,2 Milliarden Euro für neues Rollmaterial und Bahnhöfe. Der TGV Rhin-Rhône verkürzt nicht nur die Fahrt nach Paris, sondern auch nach Lyon und Südfrankreich. Von Mulhouse dauert es nach Lyon nur noch zwei Stunden und 50 Minuten – es werden täglich sechs TGV nach Lyon angeboten, von denen drei nach Marseille und zwei nach Montpellier verlängert werden. Von Basel über Genf nach Lyon ist man derzeit fünf Stunden unterwegs. Ein direkter TGV von Basel nach Südfrankreich wird allerdings erst 2012 angeboten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.10.2011, 10:16 Uhr

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