Mit der hauseigenen Brauerei gegen das Bierkartell

In der «Fischerstube» begann in Basel vor 40 Jahren die Geschichte des Ueli Biers. Am Samstag wird gefeiert.

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Der Röntgenarzt Hans Jakob Nidecker wollte eigentlich nicht auch noch Beizer werden und schon gar nicht Bierbrauer. Er wollte dem Kleinbasel einfach eine Beiz zurückgeben, die seit vielen Jahren leer gestanden hatte, die «Fischerstube» an der Rheingasse 45. Er erwarb die Liegenschaft, richtete sie her und musste feststellen, dass ihm vorgeschrieben wurde, welches Bier er auszuschenken habe. Das damals noch existierende Bierkartell wollte es so.

Blick durch die Glasscheibe

Nicht aber Nidecker. Der machte da nicht mit und sagte sich, dann machen wir halt unser eigenes Bier, brauen selber im eigenen Haus. Also liess er in der «Fischerstube» eine Kleinbrauerei einrichten, die Gäste konnten durch eine Glasscheibe beobachten, was sich im Sudhaus tat. Sie sahen, wie Helles, Helles spezial und Dunkles gebraut wurden – die «Fischerstube» begann zwar klein mit einem Ausstoss von lediglich 475 Hektolitern pro Jahr, aber gleich mit mehreren Sorten.

Was sich rasch herumsprach und das Restaurant Fischerstube sowie die Brauerei weit über Basel hinaus bekannt machte. Die Resonanz sei einmalig gewesen, weiss Anita Treml Nidecker, seine Schwiegertochter, die seit zwanzig Jahren für die Brauerei arbeitet und heute als Geschäftsführerin der Brauerei Fischerstube AG fungiert. Die Glasscheiben zwischen Restaurant und Sudhaus gibt es noch heute.

Das erste Ueli Bier floss 1974

Hans Jakob Nidecker war ein Quereinsteiger, er engagierte zur Errichtung der Brauerei einen deutschen Brauin­genieur und bald darauf einen Braumeister. Auch gewirtet hat er nicht selber, sondern hat dieses Geschäft einem Pächter übergeben. Er wollte einfach ein Basler Bier anbieten, erklärt Anita Treml Nidecker. Der Pfarrersohn hatte von Kind auf gelernt, dass man etwas für die Gesellschaft tut. Er war stark ­engagiert in den drei Kleinbasler Ehrengesellschaften, und als Meister des Rebhauses fiel ihm die Namensgebung für das neue Bier nicht schwer – Ueli Bier. Die Ueli sammeln am Vogel Gryff Geld für gute Zwecke. Am 13. November 1974 floss das erste Ueli Bier aus dem Zapfhahn der «Fischerstube». Im Jahr 1991 fiel das Bierkartell.

Quer in der Landschaft

Die Branche belächelte Nidecker zwar, meinte, dass etwas so Kleines nie und nimmer funktionieren könne. «Unser Unternehmen stand tatsächlich quer in der Landschaft, es war die erste Hausbrauerei in der Schweiz seit Langem», sagt Anita Treml Nidecker. Das in einer schwierigen Phase für die Bierbranche, es war eine Zeit des Brauerei-­Sterbens. Aber es ging vorwärts.

Als erste Brauerei der Schweiz bot die «Fischerstube» ab 1977 ein Weizenbier für den Offenausschank an. Und schuf 1984 einen heute noch beliebten Klassiker: Die Zwei-Liter-Karaffe aus Glas mit Ueli Bier direkt ab Fass. 1992 bot Feldschlösschen die Nachbarliegenschaft mit dem Restaurant Linde den Nideckers zum Kauf an – man griff zu und hat seitdem zwei Brauerei-Restaurants, die beide verpachtet sind.

Mit dem grösseren Angebot und der wachsenden Bierproduktion – heute etwa elfmal so viel wie zu Beginn – braucht es auch bedeutend mehr Lagerkapazität. Heute wird in der «Fischerstube» gebraut, in den Liegenschaften der beiden Restaurants Fischerstube und Linde gelagert und etwas weiter weg, in der Utengasse, in einer modernen Anlage abgefüllt, in Flaschen, Stahlfässer und Party-Fässchen. Von der Brauerei führt seit 2011 eine 127 Meter lange Pipeline unter dem Biergarten rüber in die Utengasse. Die Brau- und Lageranlagen wurden periodisch erneuert und ausgebaut, letzten Oktober liess die Brauerei acht neue Stahltanks im Keller installieren. «Wir sollten nun für längere Zeit über die nötige Kapazität verfügen», erklärt Anita Treml Nidecker.

Begehrte Bügelflaschen

Das Geschäft ist im Laufe der Jahre gewachsen – in Etappen, betont Treml Nidecker. Das Sortiment vergrösserte sich, und dazu kam eine ganze Reihe von saisonalen Spezialitäten. Jedes Jahr lässt sich der Braumeister etwas Spezielles für den Vogel-Gryff-Tag einfallen, begonnen wurde vor Jahrzehnten mit einem Laie-Bogg. Spezielle Biere gab es zur Tutanchamun-Ausstellung (das Tut-Anch-Ueli), zur Picasso-­Ausstellung (Ueli Pablo) und jedes Jahr zum Basel Tattoo (Mac Ueli Ale).

Seit 2005 gibt es das Ueli Bier in 33-cl-Flaschen, seit Kurzem in Bügelflaschen. Seit 2010 besteht die Biervielfalt des Familienunternehmens aus fünf Sorten in der Flasche. In den beiden Brauerei-Restaurants ist diese Vielfalt zu haben, einige weitere Lokale in der Stadt und der Umgebung führen Ueli Bier auf der Getränkekarte. Und natürlich ist dieses Kleinbasler Bier längst auch im Getränkehandel erhältlich.

Jetzt wrid gefeiert

Zunächst wird morgen Samstag gefeiert, dass die Brauerei Fischerstube seit 40 Jahren ihren eigenen Weg geht. Stehen bleiben will man damit nicht. «Wir wollen weiterhin innovativ sein und immer wieder Neues ausprobieren», sagt Anita Treml Nidecker, «das Jubiläumsbier haben wir zum Beispiel mit einer neuen Hopfensorte gebraut».

Gefeiert wird morgen Samstag ab 16 Uhr neben der Brauerei im Hof des Arbeitsamts (Rheingasse 35–41). Regierungsrat Chris­toph Brutschin überbringt Grüsse aus dem Rathaus, Ständerätin Anita Fetz sticht das Jubiläumsfass an und CVP-Nationalrat Alois Gmür, Präsident der IG unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien, hält die Festansprache. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.06.2014, 17:04 Uhr

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