Naturschutz versus freie E-Bike-Fahrt

Behörden wollen Solitude-Promenade ausbauen – WWF sagt Nein wegen Rheinpromenade.

Konfliktzone. Velofahrer und Fussgänger haben kaum Platz nebeneinander auf der Solitude-Promenade.

Konfliktzone. Velofahrer und Fussgänger haben kaum Platz nebeneinander auf der Solitude-Promenade. Bild: Kostas Maros

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Die Solitude-Promenade ist beliebt bei Fussgängern wie bei Velofahrern. Und die Beliebtheit steigt. «Letztes Jahr hat das Amt für Mobilität bei der Solitude-Promenade eine Verkehrszählung durchgeführt, weil hier vor allem in den Sommermonaten der Velo- und Fussgängerverkehr stark zugenommen hat», sagt Brigitte Vogel von der Stadtgärtnerei Basel.

Weil es allmählich eng wird und damit die Gefahrenquelle sowie das Konfliktpotenzial zugenommen haben, will der Kanton handeln. Probleme machen die Planer zwischen Fussgängern und Velofahrern aus, die Rede ist vom «Gefahrenpotenzial an Engstellen». Das Amt für Mobilität, Abteilung Verkehrsinfrastruktur, stellte in einer Orientierung vergangenen November die «zu geringe Breite für kantonale Verbindungen Fuss- und Veloverkehr» als Hauptproblem dar.

Wichtiger Lebensraum bedroht

In einer bislang unveröffentlichten verwaltungsinternen Testplanung, die der BaZ vorliegt, spielen die Behörden mehrere Varianten durch, doch alle Modelle gehen von einem Ausbau der Solitude-Promenade und einem Umbau des Solitude-Parkes aus. Offiziell klingt das so: «Es sollen Lösungsansätze ausgetestet und aufgezeigt werden, wie die Solitude-Promenade zwischen Schwarzwaldallee und Stachelrain so ausgebaut werden kann, dass der Langsamverkehr durchgängig ohne Engpässe und gegenseitige Behinderung zirkulieren kann.»

Als wahrscheinlichste Lösung wird eine Verbreiterung der Solitude-Promenade diskutiert. Die Folge: Der Weg, der heute auf der Geländekante verläuft, dürfte dann über die Rheinuferböschung hinausragen. Diskutiert wurde auch ein Tunnel oder eine doppelstöckige Piste. Sicher ist, dass bauliche Veränderungen angestrebt werden.

Umfrage

Die Solitudepromenade ist zu eng für Velos und Fussgänger. Lösungen sind gesucht. Soll Basel-Stadt die Solitudepromenade ausbauen?

Ja

 
36.6%

Nein

 
63.4%

667 Stimmen


Auch wenn im Planungspapier mehrfach darauf hingewiesen und festgehalten wird, dass auch künftig Erholungsnutzung und Verkehr «mit den Anliegen des Naturschutzes vereinbar sein» müssten, bringt sich der WWF Region Basel bereits gegen das Vorhaben in Stellung. «Das Kleinbasler Rheinufer mit Flussufer und Uferböschung an der Solitude-Promenade ist wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und ein zentrales Element der ökologischen Vernetzungsachse für trockenwarme Lebensräume», sagt Geschäftsführer Jost Müller. «Es ist die Fortsetzung der Rheinhalde von der Schwarzwaldbrücke bis Grenzach, des ältesten staatlich geschützten Naturgebietes der Schweiz.» Darum will der WWF «keine Eingriffe ins Naturschutz- oder -schongebiet und keine Ersatzmassnahmen» akzeptieren. «Wenn wir uns für die Natur einsetzen, dann sicher hier.»

Vorbehalte bezüglich Eingriffen kamen an diesem Workshop auch von der Stadtgärtnerei. Denn «der Solitude-Park stellt ein eindrückliches Zeugnis historischer Gartenkultur unserer Region dar», so ein Mitarbeiter. Es gelte deshalb Szenarien zu entwickeln, wie der Solitude-Park und seine schützenswerten respektive schützbaren Elemente dem wachsenden Nutzungsdruck standhalten könnten, hielt er auf einer Präsentation fest.

Alternative Veloroute notwendig

Mit der Planung kommt auch Bewegung in die Entwicklung des Areals beim Eisenbahnweg und bei der Grenzacherstrasse. Beim Eisenbahnweg sind bis ins Jahr 2023 180 Wohnungen geplant, und bis 2025 soll dort die S-Bahn-Haltestelle Solitude entstehen. Das alles bedeutet: Noch mehr Fussgänger und Velos auf der Solitude-Achse. Eine Karte weist die neuralgischen Punkte auf: Lindenallee und Tinguely-Museum, heikel auch die Unterführung Schwarzwaldbrücke.

Das Präsidialdepartement will mittels einer Plakatkampagne für mehr Sicherheit und Verständnis sorgen, der Verkehrsdienst der Kantonspolizei Basel-Stadt ist da skeptischer. «Aus rechtlichen Gründen hätte die Legalisierung des Veloverkehrs mittels ‹Fussweg, Velos gestattet› in den Bereichen der Unterführung, des Tinguely-Museums und des Fusswegs entlang der Solitude gar nicht erst angeordnet werden dürfen», hält die Polizei fest. Zur Erinnerung: Das Bau- und Verkehrsdepartement hat 2000 das langjährige Velofahrverbot auf diesem Fussweg aufgehoben.

«Bei der Öffnung des Fussweges in der Solitude für den Veloverkehr vor einigen Jahren wurde nicht mit späterem Velomehrverkehr aus Quartieren auf Grossbasler Seite und aus dem Einzugsgebiet des Birstals – Pendler mittels E-Bikes – gerechnet.»

Unzufrieden ist die Polizei auch mit der neuen Velo-Fussgängerbrücke auf der Birsfelden-Seite der Schwarzwaldbrücke, die dabei auf der Tinguely-Museum-Seite entstanden ist. «Mit einer für den Fuss- und Veloverkehr gemeinsam zu nutzenden relativ steilen Rampe zur Unterführung sind die beschriebenen Probleme noch verschärft worden», hält die Abteilung Verkehrssicherheit fest.

Wenn noch mehr Velos und noch mehr schnelle E-Bikes über die Solitudepromenade fahren, wird der Konflikt zwischen Naturschutz, Fussgänger und Velofahrer nur weiter zunehmen. Und die Polizei wird mehr oder weniger machtlos zusehen müssen. «Eine nachhaltige, polizeiliche Kontrolltätigkeit für das Einhalten des Fahrverbotes der schnellen E-Bikes mit eingeschalteter Tretunterstützung auf dem Fussgängersteg respektive in der Solitude-Promenade ist nicht möglich», gab die Polizei den Planern zu bedenken.

Für Roland Chrétien von Pro Velo beider Basel ist klar, dass diese Achse zumindest für den Veloverkehr, der nicht schnell unterwegs sein muss, offen gehalten wird. «Verbesserungen an der Alternativroute Grenzacherstrasse können sicher helfen, die Achse Solitude von den pressanten Velofahrenden zu entlasten.»

Der WWF hingegen verlangt eine Rückkehr zu Feld eins. Solitude-Promenade nur noch für Fussgänger, Velos sollen über andere Strecken geleitet werden. «Wir anerkennen den Veloverkehr und unterstützen das Velofahren, aber es sollen andere attraktive Routen geprüft werden», sagt Müller. Das BVD geht davon aus, dass die «definitiven Resultate» aus der Testplanung im 2019 vorgestellt werden können. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.04.2018, 07:08 Uhr

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