Neuer Thriller vom fahrenden Schreiber

Philipp Probst ist BVB-Busfahrer, Fasnächtler mit Polizei-Connections und Journalist – das macht ihn zum Basler Thriller-Autor der Stunde. Aktuell lanciert er seinen Zweitroman «Die Bouldevard-Ratten».

Philipp Probst ist BVB-Chauffeur und Buchautor.

Philipp Probst ist BVB-Chauffeur und Buchautor. Bild: Heiner Schmitt

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Er ist kreativ. Und er hat die kreative Form des heutigen Schreibens entdeckt. «Früher wollte ich einfach Geschichten schreiben. In der Ringier-Journalistenschule habe ich bald gemerkt, dass Journalismus vieles sein kann: Politik, Analyse, Recherchen, manchmal auch Meinungsbildung! Und leider allzu oft lehrerhaftes Zeigefingerschwingen.»

Philipp Probst ist in Binningen aufgewachsen. In Basel hat er die Rudolf Steiner Schule besucht – «das waren wirklich die besten Jahre; es gab nie Druck». Hier hat er auch als Abschlussarbeit zwei Filme auf acht Millimeter gedreht. Der allererste war ein Krimi.

«Der Genre des Krimis hat mich eigentlich nie gross interessiert – heute jedoch fasziniert es mich, Thriller zu komponieren. Nicht Krimis. Da sind ja immer irgendwelche Polizeikommissare eingespannt. Da ich Polizeileute kenne – sie machen mit mir Fasnacht bei der Negro Rhygass –, weiss ich auch, dass vieles nicht stimmt, was die Autoren über Kommissariatsarbeit rauslassen. Alles nur Klischees. Solche Fehler möchte ich nicht machen.»

Intrigen und Klischees

Das Milieu, in dem sich ein Probst-Thriller bewegt, ist die Medienwelt. «Ich habe bei ‹Blick› Titelgeschichten geschrieben, habe bei ‹20Minuten› als Journalist gearbeitet, habe bei der BaZ recherchiert – so etwas prägt. Die Journalistenszene wird deine Familie, dein Umfeld. Und natürlich lässt es sich leichter über ein Milieu schreiben, das du aus dem Effeff kennst.»

Schon im «Story-Killer» war Politik eingebaut – hier beim Zweitwerk «Die Boulevard-Ratten» dreht sich der Plot sogar um einen SP-Bundesrat und Intrigen – ist das auch ein Probst-Milieu?

Er lacht: «Ringier hat mich als Bundeshaus-Korrespondent nach Bern geschickt. Hier machte ich vor allem Home-Storys bei Polit-Promis. Da gabs viele verlogene Klischees, welche die Interviewten dem Schreiber vorgaukeln wollten – so etwas habe ich natürlich in den ‹Boulevard-Ratten› eingeflochten.»

Nutzt Facebook und Twitter

Der Thriller spielt vorwiegend in Basel – die Lieblingsstadt? Er lächelt: «Klar. Hier bin ich zu Hause. Das ist mein Leben, meine Welt – auch wenn ich demnächst mit meiner Freundin und dem Hund nach Rheinfelden ziehen werde. Basel ist ein Stück von mir!»

Probst ist einer der jungen Schreiber (46), der die neusten Medien nutzt. Er hat einen Blog auf Twitter, publiziert seine kurzen Geschichten auf Facebook. Er schreibt Krimis online oder verschickt Mini-Storys von 150 Buchstaben per SMS. Er spürt, dass sich das Schreiben verändert – und die Lesegewohnheit auch: «Ich bin da nicht frustriert, sondern finde das spannend. Ich nutze die Gefässe wie Facebook und Twitter, um Leser auf mich aufmerksam zu machen.»

Er macht auch nicht die üblichen Autorenlesungen mit Wasserglas und Rezitation. Er lässt seinen Autorenabend zur Crazy-Freak-Show mutieren. Der Schreiber taucht im Stardust auf – und bietet Film, Bühneneffekte, Moderation und perfekte PR. Zürich und Bern hat er bereits begeistert – am 12. Dezember wird er seine Ratten- Show auch in Basel zünden. Den Event gibts kostenlos in der Artx-media an der Holeestrasse 87 – hier wird man Probst live erleben: mit kleinen Reminiszenzen aus seinem Leben als BVB-Busfahrer (immer noch sein Alltagsjob) oder mit Erinnerungen aus der Zeit, als er mit Lastwagen und Kies durch die Schweiz kurvte. Im Sommer 2014 wird er übrigens als Busfahrer und Literatur-Guide eine Gruppe durch Skandinavien zu den Stätten der nordischen Krimi-­Autoren führen.

Und das Buch? – Spannend. Heiss. Ein Thriller eben. Und auf Probsts süffige Art geschrieben: «Ja, ich bin ein Schnellschreiber und tu mich da nie schwer; schlimmer ist es mit dem Verkauf. Schreiben ist das Sahnehäubchen. Leider kommt danach die Plackerei der Werbung und des Verkaufs.»

Er überlegt einen kurzen Moment: «Ich gehöre nicht zum abgehobenen ­Literaturbetrieb, der sich die Preisträger gegenseitig zuschiebt. Ich gehöre zur kommerziellen Sparte des Buchmarkts. Und dieser Markt ist brutal – keiner ruft dich und hätschelt dein Ego. Das musst du schon selber besorgen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.12.2013, 15:22 Uhr

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