Novartis kontert Stinkwolken-Vorwürfe

Nach der Kritik von Altlastenspezialist Forter bestätigt Novartis Geruchsemissionen – für die Bevölkerung bestehe aber keine Gefahr. Inzwischen ist auch das Basler Lufthygieneamt aktiv geworden.

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Die am Donnerstagmorgen geäusserten Vorwürfe von Altlastenspezialist Martin Forter sind happig: Norvartis schottet seine Baugrube in Huningue (F) zu wenig gut ab. Weil die Aushubarbeiten «hochgiftiger» Chemie-Rückstände unter einem zeitweise flatternden Zelt statt finden, riskiere die Firma, dass die Bevölkerung nicht nur mit unangenehmen Gerüchen, sondern auch mit giftigem Staub in Kontakt kommt.

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Zumindest an der Stänkerei über den Gestank ist etwas dran. Bei der Marina Hafenbar am Klybeckquai vis-à-vis der weissen Novartis-Zeltstadt riecht es – je nach Windstärke – nach miefigen Abfallsäcken. «Zuerst haben wir gedacht, der Geruch kommt vom Altglascontainer nebenan», sagt einer der beiden braungebrannten Marina-Mitarbeiter. Sein Kollege ergänzt: «Wir riechen das täglich – der Gestank vergrault uns die Gäste». Über der Bartheke der Buvette hängt ein zylinderförmiger Behälter. Es ist eine von mehreren Messstationen entlang des Kleinbasler Rheinufers, mit denen die Luftqualität gemessen wird. Zudem fahre zweimal pro Tag ein Mann dem Fluss entlang, der mit einem elektronischen Gerät die Luft analysiert, berichten die Marina-Mitarbeiter.

Novartis entkräftigt Vorwürfe

Nach dem Ausflug ans Rheinufer ist auch die Antwort der Novartis eingetroffen: «Die von Martin Forter gemachten Vorwürfe bezüglich des Rückbaus und der Bodensanierung können wir nicht nachvollziehen», schreibt Novartis-Sprecherin Isabel Guerra und betont, dass man Forter persönlich in dieses Projekt einbezogen habe. Die Wahl der Zelte sei von Experten und den ausführenden Firmen als optimal angesehen worden. Zudem würden Emissionen und Arbeiten laufend durch externe Firmen und Behörden kontrolliert.

«Nach Angaben der Betreiberfirma besteht keinerlei Gesundheitsgefährdung», erklärt Guerra. Wegen diverser Rückmeldungen habe Novartis bereits letzte Woche veranlasst, dass ein unabhängiges Labor die Grenzwerte überprüft. Die Resultate werden in den kommenden Tagen erwartet und kommuniziert.

Dass es aber tatsächlich zu unangenehmen Duftwolken kommen kann, wird bei Novartis nicht bestritten: «Es ist möglich, dass es Geruchsquellen gibt, die durch die komplexen Aktivitäten, die bei diesem Projekt ablaufen, entstehen können», bestätigt Guerra. Man bemühe sich aber, allfällige Geruchsquellen sofort zu eliminieren. Stark belastetes Material würde vor der Reinigung im Zelt abgedeckt und in dichten Containern gelagert. Leicht belastetes Material hingegen wird via Unterdrucksystem auf Schiffe verladen. Mittels Befeuchtung werde dabei eine Staubwolke verhindert. Unangenehme Duftmarken können aber kaum vermieden werden.

Gestank wegen Verlad auf Schiffe

«Aufgrund unseres heutigen Stands vermuten wir, dass der Geruch beim Umladen von schwach kontaminiertem Material auf Schiffe entsteht», sagt Jürg Hofer, Leiter des kantonalen Amts für Umwelt und Energie. Er bestätigt, dass man seit Anfang Juni verschiedene Hinweise aus der Bevölkerung erhalten habe, wonach es im Klybeck- und im St. Johannquartier zeitweise stinkt. «Bis jetzt haben wir keine konkreten Hinweise auf Staubniederschläge in Basel», erklärt Hofer. Um sicher zu gehen, führe das Lufthygieneamt jetzt eigene Staubmessungen durch.

Bei Novartis hofft man derweil auf eine aufmerksame Nachbarschaft: «Wir sind froh, wenn wir aus der Bevölkerung solche Geruchsmeldungen erhalten», sagt Guerra, «das erlaubt uns, schnell zu reagieren». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.09.2013, 17:20 Uhr

Lindan-Beseitigung in Huningue: Wenn die Zelte im Wind flattern, kann es im unteren Kleinbasel zu unangenehmen Gerüchen kommen. (Video: Martin Forter/Dave Joss)

Behörden Reagieren

Das Lufthygieneamt beider Basel nimmt in den nächsten Tagen im Kleinbasel Staubmessungen vor. Diese sollen aufzeigen, ob die Quartiere Klybeck und Kleinhüningen zeitweise mit giftigem Lindan-Abfall-Staub belastet werden.

Die Ursache für den Gestank ortet Altlastenspezialist Martin Forter bei den Sanierungsarbeiten einer aus seiner Sicht ungenügend geschützten Giftgrube in Huningue (F). Auf dem Areal hatte das Chemieunternehmen Ugine Kuhlmann bis 1976 das hochgiftige Insektizid Lindan hergestellt.

Gestartet wird mit den Staubmessungen voraussichtlich Anfang nächster Woche. Die Messgeräte müssen über mehrere Tage stehen gelassen werden. Dann kann der Niederschlag, der sich auf den Geräten bildet, analysiert werden. Resultate sollen frühestens eine Woche nach Beginn der Messungen vorliegen.sda

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