Novartis stellt Lindan-Abbau ein

Nachdem neue Messresultate gezeigt haben, dass die Giftstoffe in grossen Teilen der Stadt Basel in der Luft nachweisbar sind, stellt Novartis die Abbauarbeiten des Lindanabfalls in Huningue bis auf Weiteres ein.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Novartis baut in Huningue die Lindan-Abfälle ab, welche in den 70er Jahren dort vergraben wurden. Altlastexperte Martin Forter wendete sich vor einigen Wochen an die Öffentlichkeit und warf der Novartis vor, beim Abbau der hochgiftigen und verbotenen Lindansubstanz zu unvorsichtig vorzugehen. Im Kleinbasel ist daher, je nach Wind, Gestank in der Luft und auch sind Emissionen des giftigen Staubes nachweisbar. Heute legte Forter Zahlen vor und die Novartis reagierte umgehend mit einer vorläufigen Einstellung der Arbeiten.

Begonnen hat Forter mit den Luftmessungen Ende August. In einem Zeitraum von 20 Tagen führte er an sechs Standorten Luftmessungen durch. Bei der Marina-Bar an der Uferstrasse habe er in dieser Zeitspanne 94 Mikrogramm Lindanstaub messen können – auf einem Quadratmeter. Auch in grösserer Entfernung, bei der Mittleren Brücke, habe er ebenfalls Emissionen nachweisen können. Sein Verdikt: Novartis kontaminiert die Stadt grossflächig.

Sanierung vorläufig eingestellt

Die Gefährlichkeit der gemessenen Mengen einstufen will und kann Forter jedoch nicht. Dafür lägen kaum Studien vor. Und: «Jeder Windstoss transportiert eine andere Menge. Wie viel Lindanstaub eingeatmet wird kann deshalb sehr unterschiedlich sein. Darum gehört dieser Lindanstaub schlicht und einfach nicht in die Luft», sagt Forter. Ebenfalls sei es falsch, die gemessenen Mengen auf die Anzahl Tage zu berechnen. Denn die Tageswerte seien Abhängig vom Wind und können sich stark unterscheiden. Forter hat Novartis noch nicht mit den Resultaten konfrontiert und will dem Chemiekonzern auch keine Vorschriften machen, wie die Emissionen verhindert werden können. «Ich will einen sofortigen Projektstopp, bis Novartis eine Garantie geben kann, dass es keine Emissionen mehr geben wird.»

Das Lufthygieneamt beider Basel (LHA) wollte Forters Messungen nicht kommentieren, da Informationen über das Messgerät fehlen. Man habe aber eigene Luftmessungen durchgeführt und Lindan festgestellt,» hiess es in einem Statement der LHA am Mittwochnachmittag. Die von ihnen gemessene Menge an Lindanstaub liege aber deutlich unter dem Prüfwert gemäss Bundesamt für Umwelt. Auch die Bevölkerung sei nicht gefährdet, allerdings würden die Daten einer weitergehenden Risikobewertung zugeführt, da Refernzwerte für Lindanstaub in der Luft fehlten. Die Messresultate seien zudem den französischen Behörden sowie Novartis mitgeteilt worden, mit der Forderung bessere Schutzmassnahmen zu treffen. Novartis habe entschieden, die Sanierungsaktivität vorläufig einzustellen. Die Novartis selbst erklärte am Mittwochabend in einem Communiqué, dass die Emissionen nicht wie gehofft hätten reduziert werden können. Bereits seit Dienstag, einem Tag vor Forters Veröffentlichung, seien die Arbeiten eingestellt worden. Die Arbeiten würden so lange ruhen, bis die angestrebten Emissionsverhinderungen erreicht sind.

Projektstopp-Forderung auch in der Politik

Unterstützung erhielt der Altlastexperte im Vorfeld auch von Grossrat Daniel Goepfert (SP) und von Grossrätin Heidi Mück (Basta), welche selbst im Unteren Kleinbasel wohnt. «Verängstigt bin ich nicht, aber seit mir bekannt ist woher der modernde Geruch kommt, bin ich stark beunruhigt.», meint Frau Mück. Im Grossen Rat habe sie deshalb eine Interpellation eingereicht, über welche zu aller Wahrscheinlichkeit in der Oktobersitzung diskutiert wird. Doch einen Baustopp zu erzwingen sei kaum möglich, selbst wenn er im Grossen Rat beschlossen werde. «Die Novartis ist zwar eine Schweizer Firma, doch in diesem Fall agiert sie auf französischem Boden. Der Baustopp müsse wohl von der Novartis selbst in die Wege geleitet werden.» Dieser Forderung kam Novartis inzwischen nach. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.09.2013, 17:54 Uhr

Artikel zum Thema

Giftiger Staub in Basler Luft

In Basel wurde eine geringe Konzentration Lindan-Staub gemessen, der aus einer Giftgrube in Hüningen stammt, die derzeit von Novartis saniert wird. Im Kleinbasel stinkt es deswegen schon eine ganze Weile. Mehr...

Chemie-Gestank im Unteren Kleinbasel

Altlastexperte Martin Forter erhebt schwere Vorwürfe gegen Chemie-Gigant Novartis. Bei der Aushebung von hochgiftigem Lindan-Abfall in Huningue (F) werde unnötig gespart und daher die Bevökerung gefährdet – in Kleinbasel etwa. Mehr...

Novartis kontert Stinkwolken-Vorwürfe

Nach der Kritik von Altlastenspezialist Forter bestätigt Novartis Geruchsemissionen – für die Bevölkerung bestehe aber keine Gefahr. Inzwischen ist auch das Basler Lufthygieneamt aktiv geworden. Mehr...

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...