Organentnahme in Uni-Spital war geplant

Spital wollte von einem Toten Organe entnehmen, obwohl dieser keinen Spenderausweis hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun.

Unerlaubter Eingriff: Die Behörden ermitteln nun gegen das Uni-Spital.

Unerlaubter Eingriff: Die Behörden ermitteln nun gegen das Uni-Spital. Bild: Dominik Plüss

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Die Basler Zeitung berichtete am 21. Dezember von der geplanten Organentnahme bei einem 20-Jährigen Mann aus Süddeutschland, der am Morgen des 6. August 2017 in Basel verstarb. Das Universitätsspitals Basel (USB) dementierte . Ein Protokoll der deutschen Kriminalpolizei jedoch widerlegt die Darstellung.

Eine Notärztin hatte den jungen Mann zur Organentnahme vorgesehen und nach Basel geschickt. Dies, obwohl der Mann keinen Spenderausweis besass und auch seine Familie nie die Zustimmung zu einem solchen Eingriff gegeben hatte. Am 6. August 2017 notierte ein Mitarbeiter der Kriminalpolizei Bad Säckingen, Dezernat 72, Folgendes: «Der Leichnam befindet sich in der Pathologie der Uniklinik Basel. Eine zunächst geplante Organentnahme konnte nicht mehr durchgeführt werden, da der Kreislauf des Patienten zu lange stillgestanden hatte.»

Aus diesem Dokument geht zudem hervor, dass eine «Beschlagnahme des Leichnams» angeordnet worden sei «nach Kenntnisnahme der geplanten Organentnahme». Und weiter heisst es: «Sie (die Notärztin, Anmerkung der Redaktion) gab an, dass XX bei ihrem Eintreffen klinisch tot gewesen sei. Er wurde mittels Medikamenten wiederbelebt und fortlaufend reanimiert. Ein richtiger Kreislauf sei jedoch nicht mehr zustande gekommen. Mit dem RTW sei er dann in die Uniklinik Basel verbracht worden.»

Fragwürdiges Vorgehen

Die Mutter des Verstorbenen hatte von Anfang an grosse Zweifel an der Version, die ihr vom Spital und von der Rechtsmedizin erzählt wurde und deshalb einen Basler Anwalt eingeschaltet. Für sie, selber Pflegefachfrau, war kein medizinischer Grund ersichtlich, warum ihr Sohn nach Basel hatte verbracht werden müssen. Sie konnte auch nicht nachvollziehen, wie die Ärztin am Unfallort in Maulburg den Jungen als «klinisch tot» habe einstufen können, da das nur in einem Spital möglich sei, sagt sie. Gleichzeitig aber habe die Notärztin lebenserhaltende Massnahmen eingeleitet. Wäre es um Sekunden gegangen, hätte die Ärztin den in Lebensgefahr schwebenden Mann beispielsweise mit dem Helikopter in ein Spital in Lörrach oder Säckingen bringen lassen können, denn die Fahrt nach Basel dauert selbst mit Blaulicht etliche Minuten.

In einer Stellungnahme hatte das Unispital behauptet, dass der Basler Staatsanwaltschaft kein solcher Fall bekannt sei. Peter Gill, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, sagte gestern auf Anfrage der BaZ allerdings: «Wir können bestätigen, dass schon seit längerer Zeit ein polizeiliches Ermittlungsverfahren läuft. Die Staatsanwaltschaft klärt ab, ob an den Vorwürfen der illegalen Organentnahme etwas dran ist.»

Keine offizielle Organentnahme

Der Anwalt der Mutter, Stefan Suter, hält die USB-Kommunikation nicht für ideal und sagt: «Besser wäre gewesen, meiner Mandantin endlich zu erklären, was beim Tod ihres Sohnes passiert ist, statt eine Breitseite via Medienmitteilung zu schiessen. Wir sind jedenfalls zu einem Gespräch bereit.»

In der öffentlichen Reaktion des Universitätsspitals auf den BaZ-Artikel hiess es dann: «Die Vorwürfe der Basler Zeitung sind aus der Luft gegriffen.» Und: «Als Grundlage dienen dem Journalisten einzig Vermutungen und Anschuldigungen der Mutter des Verstorbenen.»

Gestern hat die BaZ das Unispital erneut um eine Stellungnahme gebeten. Einerseits zum Eintrag im deutschen Polizeiprotokoll, andererseits zum Widerspruch, der bezüglich der Aussage der Staatsanwaltschaft vorliegt. «Im Universitätsspital Basel ist zum fraglichen Zeitpunkt weder eine Anfrage noch eine Anmeldung für eine Organspende eingegangen», sagte USB-Sprecher Martin Jordan. Auf die Widersprüche ging er nicht ein. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.12.2017, 15:05 Uhr

Aus dem Polizei-Protokoll: Ein Mitarbeiter der Kriminalpolizei hielt die Angaben
der Notärztin am 6. August 2017 fest.

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