Passerelle weiter ohne Kunden-WC

Die SBB machen den Basler Bahnhof kundenfreundlicher. Wer auf die Toilette muss, wird auch in Zukunft ins kostenpflichtige McClean geschickt.

Vergebliche Suche. Die beiden Gastro-Betriebe auf der Passerelle haben keine Toiletten – das ist zulässig.

Vergebliche Suche. Die beiden Gastro-Betriebe auf der Passerelle haben keine Toiletten – das ist zulässig. Bild: Henry Muchenberger

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Paul Schmidlin ist verärgert: «Ich fahre regelmässig mit der Bahn und gehe, wenn ich auf einen Zug warten muss, ins Café Spettacolo, um etwas zu trinken. Ein WC aber gibt es dort nicht.» Schmidlin findet, die SBB sollten im Rahmen der Arbeiten für einen kundenfreundlicheren Bahnhof Basel SBB, bei denen derzeit neun Millionen Franken investiert werden, auch den Einbau von Toiletten auf der Passerelle einplanen. «Das ist doch das Minimum für einen internationalen Dreiländer-Bahnhof. Ich bin nicht der Einzige. Darüber ärgern sich viele», fährt Schmidlin fort.

Vielleicht 50 Schritte vom «Spettacolo» in Richtung Gundeli gibt es mit «Hallo» einen weiteren Gastronomiebetrieb, der unter anderem Suppen und Pasta anbietet. Auch hier gibt es kein WC, wie eine Mitarbeiterin bestätigt: «Das liegt an den SBB. Sie müssen sich dort beschweren», erläutert sie. SBB-Mediensprecherin Lea Meyer bestätigt, dass es auf der Passerelle nur eine Toilette für Mitarbeiter vor Ort gibt, aber eben keine Gäste-WC. «Reisende sind gebeten, die Toiletten von McClean oder diejenigen beim Ausgang Richtung SNCF zu benützen», teilt sie weiter mit. Ändern wird sich daran auch durch die geplanten Arbeiten nichts. «Es handelt sich um kleinere, rasch realisierbare Massnahmen, die den Kundenfluss verbessern sollen.»

Opfer von Vandalismus

Paul Schmidlin findet den Weg bis ins McClean zu weit. Die 1998 eingerichtete moderne Toilettenanlage befindet sich im Untergeschoss des Bahnhofs und ist über zwei Rolltreppen zu erreichen. Wir haben die Zeit gestoppt: Vom Spettacolo ist man anderthalb Minuten, vom Hallo zwei Minuten bis zum McClean unterwegs. Ausserdem kostet der Gang aufs Pissoir 1,50 Franken oder auf die übrigen Toiletten 2 Franken. Die von der SBB-Sprecherin erwähnten WC im Elsässer Bahnhof sind zwar gratis, aber noch weiter weg und vor allem nicht immer offen – ausserdem muss man, um dorthin zu gelangen, über die Grenze durch die Tür nach Frankreich gehen. Gestern Vormittag war die Herrentoilette verriegelt.

SNCF-Mitarbeiter Christian Rimbault, der seit 30 Jahren im Elsässer Bahnhof arbeitet, vermutet, dass die Toiletten wieder einmal Opfer von Vandalismus waren. «Das ist öfter der Fall. Ohne Aufsicht kann man WC heute nicht mehr offen halten», glaubt er. Überhaupt sei vorgesehen, die Toiletten im Rahmen der Umbauarbeiten im Elsässer Bahnhof bis in einem Jahr ganz zu schliessen, habe ihm sein Vorgesetzter mitgeteilt. Eine Gesetzesvorlage, die Restaurants verpflichtet, Gäste-WC anzubieten, gibt es laut Auskunft des Basler Wirteverbands nicht. So argumentieren die SBB denn auch: «Die Passerelle, so wie sie heute besteht, wurde ohne Toiletten bewilligt.» Das sei rechtlich in Ordnung, denn schon bei der Erteilung der Baubewilligung 2003 seien zwei Cafés auf der Passerelle geplant gewesen. Ausserdem: «Bisher sind uns keine Probleme bekannt, die den Bau einer Toilette veranlasst hätten.»

«Preis ist nicht zu hoch»

Mit der Eröffnung des McClean konnten die SBB die WC im Ostteil des Bahnhofs schliessen. Die McClean AG zahlt ihr ausserdem eine Miete. Wie viel das ist, wollten die SBB nicht mitteilen. Zur Kritik, McClean sei zu teuer, sagt SBB-Mediensprecherin Lea Meyer: «In Anbetracht der hohen Qualität und des hohen Levels im Vergleich zu konventionellen WC-Anlagen ist der Preis nicht zu hoch. Die Festlegung und die Höhe des Tarifs sind Sache der McClean, die SBB geben jedoch eine für die Kunden vertretbare Obergrenze an.» Wenn nötig, würden die SBB zuzahlen. Wie viel dies genau sei, wollten die SBB nicht sagen, da dies Teil des schweizweiten Vertrags mit McClean sei. Die BaZ hätte gerne auch McClean befragt, erhielt aber bis gestern Abend auf eine Mailanfrage von Montag keine Antwort.

Konkurrenz muss McClean im Bahnhof nicht befürchten. «Es wurde vereinbart, dass keine weiteren kommerziell betriebenen WC-Anlagen auf dem Bahnhof Basel installiert werden», teilen die SBB weiter mit. Das vor einigen Jahren diskutierte Projekt, auf der Gundeldinger Seite eine weitere McClean-Anlage zu bauen, ist laut SBB nicht mehr aktuell, da sich auf dem Meret-Oppenheim-Platz bereits eine öffentliche WC-Anlage befinde.

Allerdings handelt es sich hierbei um ein einzelnes, von aussen etwas heruntergekommen wirkendes automatisches WC, dessen Benutzung 50 Rappen kostet und das vom Ausgang der Passerelle nur schwer zu finden ist. Auf der anderen Bahnhofseite gibt es mit der Brasserie zumindest eine Beiz, die ihren Gästen, wie eigentlich zu erwarten, auch ein WC anbietet. Hier darf sich auch erleichtern, wer in der Café Bar neben dem Westeingang des Bahnhofs SBB etwas konsumiert hat.

Im stehenden Zug auf die Toilette

Für Behinderte und Eltern mit kleinen Kindern schliesslich steht in der nahen Bahnhofshilfe ein Gratis-WC zur Verfügung, das aber nur von innen zugänglich ist. «Das wird oft genutzt. Für Behinderte mit Rollstuhl ist der Weg ins McClean schlecht ausgeschildert», erklärt Mitarbeiterin Verena Prezzi.

Für Reisende, die knapp bei Kasse sind, gibt es die Lösung, im wartenden Zug auf die Toilette zu gehen. Allerdings ist die Benutzung der WC in den alten Wagen mit sogenanntem offenem Toilettensystem im Bahnhof untersagt. Die SBB versprechen aber, dass der Umbau sämtlicher Toiletten aller Wagen in den nächsten fünf Jahren passieren soll. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.11.2011, 07:35 Uhr

Umfrage

Wer auf der Passerelle im Café konsumiert und auf die Toilette muss, wird ins kostenpflichtige McClean geschickt. Braucht es Kunden-WC auf der Passerelle?

Ja

 
83.5%

Nein

 
16.5%

913 Stimmen


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Ja. Zumindest mit dem PanoramaKnife. Denn es gibt leider noch kein Basler Messer. Die kleine Thurgauer Firma arbeitet aber dran.

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