Peter Wanner und die Wahrheit

Peter Wanner glaubt nicht an Erfolg der bz in Basel, sonst würde er nicht mit falschen Zahlen über die BaZ deren Leser verunsichern. Ein Kommentar.

Basler Medienköpfe: Peter Wanner, Verleger AZ-Medien und Rolf Bollmann, CEO Basler Zeitung.

Basler Medienköpfe: Peter Wanner, Verleger AZ-Medien und Rolf Bollmann, CEO Basler Zeitung. Bild: Kostas Maros

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Mit der Brechstange geht Peter Wanner im Basler Zeitungsmarkt zur Sache. Nach dem Vorliegen der offiziellen Wemf-Zahlen ist heute bewiesen, dass Wanners Aussagen im Frühjahr über die Auflagenentwicklung seiner bz nicht der Wahrheit entsprachen. Auch bewiesen ist, dass die Basler Zeitung durch unrichtige Äusserungen schlechtgeredet wurde. Ob Wanner rechtlich ungeschoren davon kommt, steht noch in den Sternen.

Der Journalist Markus Knöpfli schreibt zu all dem in der «Medienwoche», dass dies peinlich sei. Damit trifft er den Kern des Problems nicht ganz. Denn für einen wie Peter Wanner, den Aargauer Verleger, sollte die Wahrheitspflicht ausnahmslos gelten, auch wenn er mit seinen eigenen Produkten stark unter Druck ist. Wanner glaubt scheinbar nicht an den Erfolg seiner Offensive in Basel, sonst würde er nicht versuchen mit falschen Zahlen über die BaZ deren Leser und Inserenten zu verunsichern. Seine Zeitungen sollten Sympathiepunkte durch Qualität gewinnen und nicht durch das Schlechtreden der Konkurrenz.

Die Beachtung der Wahrheitspflicht ist überdies auch für die Journalisten von Peter Wanner die Sorgfaltspflicht Nr. 1. Will Wanner, nachdem seine Fehltritte publik sind, inskünftig für seine Belegschaft wieder vermehrt Vorbild sein? Dies wäre jedenfalls den Lesern im Basler Zeitungsmarkt zu gönnen.

Peter Wanner und der Informationsauftrag der Presse

Markus Knöpfli, freier Journalist und erklärter Spezialist für Medienforschung, hat umfassend recherchiert und die Fakten rund um Wanners Falschaussagen aufgearbeitet. Heraus kam ein Bericht, welcher Wanner in einem äusserst ungünstigen Licht erscheinen liess. Das Fachorgan «Werbewoche» wollte diese Fakten nicht publizieren, also tat es die «Medienwoche» am 11. Oktober 2013. Wanner machte daraufhin erheblichen Druck, die «Medienwoche» knickte sogleich ein und nahm den Artikel vom Netz. Nun kam der Artikel von Knöpfli in den Spülgang mit Duftkonzentrat. Herausgekommen ist ein viel weicherer Kuscheltext, immer noch kritisch zwar, jedoch weitgehend ohne die ursprüngliche Brisanz. Zu lesen ist der neue Text wieder in der «Medienwoche», wobei die Redaktion immerhin am Ende des geschönten Berichts noch ausführen durfte, dass sie an ihrer ursprünglichen Sach­verhaltsdarstellung festhält. Somit ist klar, dass der ursprüngliche Bericht von Markus Knöpfli eigentlich richtig war. Sein Bericht war zudem, trotz den schweren Vorwürfen an die Adresse von Wanner, vom Informationsauftrag der Presse gedeckt. Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse an solchen Tatsachenberichten.

Die Verantwortlichen der «Medienwoche» hätten das kürzlich ergangene positive Urteil des Zivil­gerichtes Basel-Stadt in Sachen Müller gegen «OnlineReports» lesen müssen, wo unter anderem zugunsten des Informationsauftrages der Presse geurteilt wurde. Vielleicht wäre dann der ursprüngliche Bericht von Knöpfli noch ungeschönt auf dem Netz. Wird sich Peter Wanner nach all dem fragen, ob er mit seiner Druckausübung gegenüber der «Medienwoche», also mit seiner Maulkorbaktion und Presse­feindlichkeit, sich nicht selber als Verleger infrage gestellt hat? Dies wäre jedenfalls dem Recherchierjournalismus zu gönnen.

Peter Wanner und sein Mandat als Verwaltungsrat der Wemf

Die Wemf AG für Medienwerbeforschung misst und erhebt offiziell für die Schweizer Medien unter anderem das Leserverhalten der Printmedien.

Zweck der Gesellschaft ist die systematische, kontinuierliche und neutrale Medien- und Werbeforschung. Dort sitzt Peter Wanner im Verwaltungsrat und hat entsprechenden Einfluss und Insiderkenntnisse. Bei der Besetzung des Verwaltungsrates der Wemf muss darauf geachtet werden, dass die fachliche Qualifikation der Verwaltungsratsmitglieder und ihre Unabhängigkeit gegenüber eigenen privatwirtschaftlichen Interessen eine vorrangige Rolle spielen. Anders kann die Wemf gar keine neutrale Medien- und Werbeforschung gewährleisten.

Wanner muss sich die Frage gefallen lassen, ob er in Anbetracht seiner Falschaussagen über die Auflagenentwicklung fachlich überhaupt geeignet ist, das Amt als Wemf-Verwaltungsrat weiter auszuüben. Zudem steht die Frage im Vordergrund, ob Peter Wanner wegen der dreisten Verfolgung eigener Interessen überhaupt noch die notwendige Unabhängigkeit für das Mandat aufweist. Es ist zugunsten des gesamten Schweizer Medienmarktes mit einem raschen Resultat dieser Überprüfung zu hoffen.

Peter Wanner und die Eidgenössische Medienkommission des Bundes

Peter Wanner wurde vom Bundesrat im März 2013, kurz vor seinen Falschaussagen, als einziger Verleger in die neu gegründete Eidgenössische Medienkommission berufen. Die ausserparlamentarische Kommission hat das Mandat, die schweizerische Medienlandschaft zu beobachten und im Auftrag des Bundesrats konkrete Problem­stellungen zu analysieren und Empfehlungen abzugeben. Auch hier gelten für die Mandats­träger Unabhängigkeitsmassstäbe und Sorgfaltspflichten. Und auch hier muss sich demgemäss die Frage stellen, ob Wanner noch tragbar ist.

Der Bundesrat ist jedenfalls gefordert, denn er muss mit seinen Auserwählten in der Schweiz die Meinungsvielfalt sichern? Geht das mit Peter Wanner? Der Journalist Markus Knöpfli könnte dem Bundesrat Antwort geben.

Martin Wagner ist Hausjurist der Basler Zeitung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.10.2013, 12:15 Uhr

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