Pharma gut, alles gut

Der Kanton gehe sorgfältig mit dem Wirtschaftswachstum um, das in erster Linie auf die Life-Science-Industrie zurückzuführen sei, sagt Regierungsopräsident Guy Morin. Etwas stimmt ihn aber nachdenklich.

Aufgrund der Life-Science-Industrie stieg in Basel zwischen 2000 und 2007 auch das Bruttoinlandprodukt pro Kopf stärker als etwa in Genf oder Zürich.

Aufgrund der Life-Science-Industrie stieg in Basel zwischen 2000 und 2007 auch das Bruttoinlandprodukt pro Kopf stärker als etwa in Genf oder Zürich. Bild: Michael Koller

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Kanton Basel-Stadt sieht sich in nachhaltiger Hinsicht insgesamt gut unterwegs. Die Zunahme sozialer Unterschiede oder die Integration von Personen mit geringerer Schulbildung stellen jedoch Herausforderungen dar, wie der neue Indikatorenbericht für nachhaltige Entwicklung aufzeigt.

Seit 2013 zeigt die Summe der Einnahmen aus Einkommens- und Vermögenssteuern zwar eine steigenden Tendenz, wie Regierungspräsident Guy Morin am Mittwoch vor den Medien sagte. Die Unterschieden innerhalb der Bevölkerung würden allerdings leicht zunehmen. Dies gelte es künftig zu beobachten.

Auseinander geht gemäss dem Bericht auch die Schere von gut Ausgebildeten, die oft durch Zuwanderung nach Basel kommen, und Jugendlichen, die immer häufiger ein Brückenangebot nach der obligatorischen Schulzeit in Anspruch nehmen müssen. Nicht alle profitieren von den Investitionen im Bildungsbereich, sagte Morin.

Die Sozialhilfequote liegt bei jungen Erwachsenen mit 9,8 Prozent zudem deutlich über dem kantonalen Mittel von 7,1 Prozent. Dieser Wert sei zu hoch und stimme ihn nachdenklich, wie Morin weiter sagte. Ein Augenmerk müsse der Kanton ausserdem darauf richten, dass ältere Arbeitnehmende in der Berufswelt bleiben können.

Gute wirtschaftliche Entwicklung

Insgesamt zeige sich im Stadtkanton bei der nachhaltigen Entwicklung dennoch ein gutes Bild, wie es weiter hiess. Die Ergebnisse seien Ausdruck der guten wirtschaftlichen Entwicklungen sowie des damit einhergehenden Wohlstands und der hohen Lebensqualität, die auch von der Bevölkerung als gut bewertet wird.

Die aktuelle Entwicklung der Bevölkerung zeige eine gute Ausgangslage. Die Altersstruktur sei ausgeglichen, da der Kanton von der Zuwanderung aus dem Ausland profitiere. Eine Überalterung der Bevölkerung zeichnet sich gemäss Morin derzeit nicht ab. Der Altersquotient deute gar auf eine Verjüngung der Bevölkerung hin.

Der Kanton habe zudem eine gesunde Finanzlage und einen strukturellen Überschuss. Die Staatsausgaben sind gemäss Morin prozentual weniger schnell gestiegen als die Einnahmen. Der Kanton gehe demnach sorgfältig mit dem Wirtschaftswachstum um, das in erster Linie auf die Life-Science-Industrie zurückzuführen sei. Es gelte, die guten Rahmenbedingungen zu erhalten.

Aufgrund der Life-Science-Industrie stieg in Basel zwischen 2000 und 2007 auch das Bruttoinlandprodukt pro Kopf stärker als etwa in Genf oder Zürich; 2014 lag es bei knapp 170'000 Franken. Zwischen 2000 und 2015 sanken die Nettoschulden von 19'000 auf 9000 Franken pro Kopf. Dieser Wert ist im kantonalen Vergleich indes immer noch hoch, wie Morin einräumte.

Der gesamte Energieverbrauch ging im Weiteren zwischen 2010 und 2014 um 16 Prozent zurück, was auch auf mildere Witterung zurückzuführen sei. Der Anteil der erneuerbaren Energie stieg im selben Zeitraum von 35 auf 38 Prozent. Die spürbare Klimaerwärmung bleibe indes eine Herausforderung.

Grundlage für nächste Legislatur

Mit dem neuen Indikatorenbericht ersetzt der Kanton die bisherige Nachhaltigkeitsberichterstattung, die letztmals 2013 aktualisiert worden war. Der Bericht analysiert 67 Indikatoren aus den Bereichen Bevölkerung, staatliches Handeln, Grundbedürfnisse und Wohlergehen, natürliche Lebensgrundlagen, gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie wirtschaftliche Entfaltung.

Nachhaltige Entwicklung ist als Leitlinie des staatlichen Handels in der baselstädtischen Kantonsverfassung festgelegt. Sie ist damit Bestandteil der Aufgabenerfüllung des Kantons, wie es weiter hiess. Die Regierung richte ihre nächste Legislaturplanung darauf aus. Die sechs analysierten Bereiche seien eng miteinander verknüpft.

Ziele sind gemäss den Verantwortlichen, Ressourcen zu schützen, als Gesellschaft handlungsfähig zu sein und den Kanton generationenübergreifend zu entwickeln. Eine Aktualisierung des Indikatorenberichts ist alle vier Jahre vorgesehen. (amu/sda)

Erstellt: 07.09.2016, 17:05 Uhr

Artikel zum Thema

«Rot-Grün profitiert von sprudelnden Steuereinnahmen»

Die FDP zeigt sich irritiert über die Aussagen der Basler Finanzdirektorin Eva Herzog gegenüber der BaZ. Herzog bewege sich «hart an der Grenze zur Geschichtsklitterung» und biege sich einige Fakten zurecht. Mehr...

«Wir müssen für soziale Gerechtigkeit sorgen»

Eva Herzog (SP) über die Steuersituation in Basel, die hohen Investitionen, das Gewerbe und die SVP. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Paid Post

Zirkus mal anders

Lassen Sie Ihre Kinder, Grosskinder oder Patenkinder im Family Circus Bühnenluft schnuppern!

Kommentare

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Die Welt in Bildern

Riesig hohe Surfwellen: Vor der portugisischen Küste befindet sich im Meer der Nazare Canyon eine über 230 Kilometer lange Schlucht mit einer Tiefe von bis zu 5000 Metern, deshalb entstehen hier die beliebten Wellen.
(Bild: Rafael Marchante) Mehr...